Menschen verschieben ihre Feste

Kaum Taufen und Trauungen in Kassel seit Corona

Das Bild zeigt die Hände eines Brautpaars mit Brautstrauß.
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In der Coronakrise heiraten kaum noch Paare kirchlich.

In der Coronakrise treten kaum noch Menschen vor den Traualtar in den Kirchen. Ebenso ist die Zahl der Taufen seit Beginn der Pandemie stark zurückgegangen.

Den Hauptgrund sehen die Kirchen darin, dass Paare und Familien den jeweiligen Anlass mit einem größeren Fest verbinden wollen – was derzeit aufgrund der Kontaktbeschränkungen nicht möglich ist. Dabei ist ungewiss, ob die Menschen den kirchlichen Segen nachholen, wenn die Umstände wieder günstiger sind.

Bei der Zahl der standesamtlichen Eheschließungen gibt es durch Corona keinen Einbruch, wie die Rathaus-Statistik zeigt: 805 Ehen wurden in Kassel zwischen dem 1. März 2020 und dem 28. Februar 2021 geschlossen, also innerhalb eines Jahres seit Beginn der Pandemiebeschränkungen in der Region. Das sind sogar fünf Trauungen mehr als im selben Zeitraum des Vorjahres. 

Regionale Zahlen für das vergangene Jahr liegen in den Kirchenkreisen und Dekanaten noch nicht vor. In den einzelnen Gemeinden zeigt sich jedoch ein klarer Trend: So gab es etwa in der evangelischen Erlöserkirche in Harleshausen im vergangenen Jahr nur eine Trauung statt wie üblich um die zehn. Auch die elf Taufen blieben deutlich hinter den Vorjahren mit jeweils mehr als 30 Taufen zurück. In der katholischen Gemeinde St. Elisabeth gab es vergangenes Jahr eine Trauung (Vorjahr: 10) und fünf Taufen (Vorjahr: 30).

Pastoralreferent Stefan Ahr von der katholischen Kirche in Kassel hat Verständnis für die Entscheidung der Menschen: „Das sind familiäre Feste, wenn man die nicht feiern kann, verschiebt man sie.“ Bei den Taufen sei er zuversichtlich, dass sie größtenteils nachgeholt werden. Bei Paaren, die standesamtlich bereits geheiratet haben, sei fraglich, ob sie den Weg vor den Traualtar noch gehen, wenn bereits viel Zeit verstrichen ist.

Taufen und Trauungen können in Gottesdiensten gefeiert werden, allerdings unter den geltenden Hygienebedingungen: also mit Masken, Mindestabstand und begrenzter Gästezahl in der Kirche. Das Taufwasser träufeln derzeit meist Eltern oder Paten über den Kopf des Kindes. Und auch der Trausegen wird ohne Handauflegen erteilt.

Pfarrerin Renja Rentz von der evangelischen Kirchengemeinde Mitte bedauert, dass „der schönste Teil meiner Arbeit“ derzeit sehr kurz kommt. Sorgen mache ihr dabei aber vor allem, dass mit den Taufen und Trauungen „wichtige Anknüpfungspunkte“ zu Menschen an bedeutsamen Stationen ihres Lebens in der Pandemie entfallen. Sie vermutet, dass vor allem viele Trauungen in der Kirche nicht mehr nachgeholt werden.

Einen Anreiz zur Taufe soll – sofern die Infektionslage es zulässt – am 10. Juli ein coronagerechter Tag der Taufe bieten, zu dem der evangelische Stadtkirchenkreis an sechs Orten einladen möchte. Das Motto: „Kassel tauft draußen“. (Katja Rudolph)

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