Dienstag und Donnerstag

Liebe, Sex und Pubertät: Pro familia in Kassel bietet neue Telefonsprechstunde für Jugendliche

Ein junges Pärchen liegt im Bett.
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Das erste Mal: Über alle Themen rund um Sexualität, Liebe und die körperlichen Veränderungen in der Pubertät können Kinder und Jugendliche in der Sprechstunde reden.

Durch die Coronapandemie fallen viele sexualpädagogische Veranstaltungen in der Schule aus. Diese Lücke will pro familia in Kassel jetzt mit einer Telefonsprechstunde für Kinder und Jugendliche füllen. Dort können alle Fragen rund um Liebe, Sex und den Körper gestellt werden.

Kassel – Ist das normal, wie sich mein Körper verändert? Was kann ich machen, wenn ich mich nicht traue, Tampons zu benutzen? Wie sage ich jemandem, dass ich verliebt bin? Kinder und Jugendliche haben viele Fragen rund um Liebe, Sexualität und Pubertät. Weil coronabedingt sexualpädagogische Veranstaltungen in Schulen oder Jugendeinrichtungen erschwert sind, bietet die Kasseler Beratungsstelle von Pro Familia jetzt eine kostenfreie Telefonsprechstunde zu diesen Themen an.

Jeweils dienstags ist Sebastian Schmidt (28) am Apparat, donnerstags ist Maite Brill (23) erreichbar – sofern kein Feiertag ist. Ihnen ist wichtig, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene auch in der Pandemie alle Themen ansprechen können, die sie beschäftigen. „Keine Frage ist blöd und keine Frage muss einem peinlich sein“, betont Maite Brill.

Normalerweise sind die beiden Sexualpädagogen in Schulklassen oder anderen Jugendgruppen zu Gast, die dafür nach Geschlechtern aufgeteilt werden. Je nachdem, um welche Altersstufe es sich handelt, sprechen sie über die Pubertät und körperliche Veränderungen, das erste Verliebtsein, Verhütung und das erste Mal sowie über Homosexualität, Transgender und den Umgang damit.

Während die biologische Seite der Themen im Unterricht behandelt werde, sei es wichtig, dass die Fragen, die darüber hinaus gehen, in einem geschützten Raum gestellt werden können, sagt Sebastian Schmidt. „So etwas möchten die meisten eben nicht mit Lehrern oder ihren Eltern besprechen.“ Oftmals seien die Themen mit Scham verbunden.

Zwar hat Pro Familia ein Hygienekonzept für Präsenzveranstaltungen und ist auch für Onlineformate aufgestellt, dennoch seien zuletzt viele Termine abgesagt worden, berichten die beiden Berater. Zwar wüssten die meisten Jugendlichen auch, wie man sich im Internet Informationen beschafft, sagt Schmidt. Doch einerseits sei dort auch viel Unsinn zu finden. Und andererseits sei es oft hilfreich, in einem persönlichen Gespräch seine individuellen Fragen stellen und klären zu könne, so der 28-Jährige.

Das neue Telefonformat biete dabei die Chance, eins zu eins ins Gespräch zu kommen, auf Wunsch auch anonym. Auch wenn man sein Gegenüber nicht direkt sehe, könne es noch leichter sein, Fragen zu stellen, die als unangenehm empfunden werden, sagt Maite Brill.

Häufig seien Jugendliche mit Körperidealen beschäftigt – von der Schamhaarrasur bis zur Größe der Brüste oder des Penis. Auch das Thema Selbstbefriedigung werde oft angesprochen. Die Sorge vieler Eltern, dass ihre Kinder „zu früh“ Interesse an Sex entwickeln, sei übrigens häufig nicht begründet, sagt die Sozialarbeiterin. Das Durchschnittsalter fürs erste Mal sei zuletzt sogar leicht gestiegen und liege bei über 17 Jahren. Ihre Erfahrung sei: „Je besser die Aufklärung ist, desto verantwortungsvoller geht man mit der eigenen Sexualität und der von anderem Menschen um.“ (Katja Rudolph)

Service: Sexualpädagogische Telefonsprechstunde, Dienstag, 14.30 bis 15.30 Uhr, Tel. 0561/766 19 25 17 (Sebastian Schmidt); Donnerstag. 14 bis 15 Uhr, Tel. 0561/766 19 25 11 (Maite Brill)

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