Wissenschaft

„Long Covid“: Mögliche Ursache für Corona-Langzeitfolgen gefunden

Corona-Langzeitfolgen stellen Wissenschaftler vor ein Rätsel. Jetzt werden Ergebnisse einer Studie zu „Long Covid“ veröffentlicht.

Erlangen – Das Phänomen von lang anhaltenden gesundheitlichen Beschwerden als Konsequenz einer Corona*-Infektion beziehungsweise einer Erkrankung an Covid-19 wird seit geraumer Zeit als „Long Covid“ bezeichnet. Die Wissenschaft sucht weiterhin nach Erklärungen für die Langzeitfolgen. Nun hat ein Forschungsteam aus dem mittelfränkischen Erlangen einen neuen Ansatz aufgetan, welcher durch eine vielversprechende Studie gestützt wird.

Die Forscherinnen und Forscher des Max-Planck-Instituts analysierten in der Studie, welche im Fachmagazin Biophysical Journal veröffentlicht wurde, die Veränderung von Blutkörperchen in Folge einer Erkrankung an Covid-19. Hintergrund dessen war die Beobachtung, dass die Krankheit oftmals zu Thrombosen führt, da es zu Störungen in der Zirkulation des Blutkreislaufes kommt. Konkretes Untersuchungsobjekt war dabei die Verformung als auch die Größe von roten und weißen Blutkörperchen.

Nach Corona-Infektionen oder Covid-19-Erkrankungen kann es zu Langzeitfolgen kommen, die als „Long Covid“ bezeichnet werden. (Symbolfoto)

Corona: Studie zu „Long Covid“ findet neue Erklärung

Das Blut von 31 Personen, die an Covid-19 litten oder gelitten haben, wurde dafür analysiert. 24 Personen waren in einer Vergleichsgruppe. Insgesamt untersuchten die Forscherinnen und Forscher laut eigenen Angaben rund 400 Millionen Blutkörperchen.

Verfahren der Studie

Das Verfahren, welches für Studie verwendet wurde, hatte die Forschungsgruppe im Vorfeld eigens entwickelt. Es heißt „Echtzeit-Verformungszytometrie“.

Dabei werden Blutzellen durch einen Kanal gepumpt, wodurch es zu Verformungen der Blutkörperchen kommen soll. Eine extra entwickelte Hochgeschwindigkeitskamera fotografiert den Prozess. Mithilfe einer Software des Instituts können anschließend Faktoren, wie Größe oder Verformungsgrad, analysiert und massenhaft ausgewertet werden. Weitere Informationen dazu, finden Sie an dieser Stelle.

„Dabei haben wir deutliche und langanhaltende Veränderungen der Zellen messen können – sowohl während einer akuten Infektion und auch noch danach“, erklärt Jochen Guck, geschäftsführender Direktor am Institut. Größe und Verformbarkeit der Blutkörper schwankten laut Angaben des Forschungsteams bei Erkrankten sehr stark. Bei Gesunden war das jedoch nicht der Fall, was die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum Schluss kommen lässt, dass Covid-19 die Zellen nachhaltig schädigt. Sie verlieren die Flexibilität, was ihnen im gesunden Zustand ermöglicht sich durch feine Adern zu bewegen.

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Auf diese Weise sind Verklumpungen möglich. Thrombosen können entstehen, da die Zellen Adern blockieren können. Aber auch für andere Langzeitfolgen nach Corona-Infektionen dienen die Studienergebnisse als Erklärungsansatz. Zahlreiche Patientinnen und Patienten berichten zum Beispiel von starken Atembeschwerden. Zellen in der Lunge können beispielsweise massiven Schaden nehmen.

Das Forschungsteam aus Erlangen verbindet mit der Studie die Hoffnung, dass ihre neu entwickelte Methode in Zukunft als eine Art „Frühwarnsystem“ für Patientinnen und Patienten dienen kann. Es lässt sich schließlich nicht nur auf Sars-CoV-2 anwenden, sondern auf verschiedenste Viren. (tu) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Guido Kirchner/dpa

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