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Corona: Ärzte in Niedersachsen treten auf die Lockerungs-Bremse

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Von: Andree Wächter

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Alle fiebern dem 20. März entgegen. Dann sollen in Niedersachsen viele Corona-Maßnahmen fallen – trotz aktuell hoher Inzidenz. Mahner haben den Winter 2022/23 im Blick.

Hannover – Die ersten Corona-Lockerungen sind seit dem 24. Februar in Kraft. Weitere werden im März folgen. Bei aller Freude darüber, mahnen Experten. Niedersachsens Ärztekammerpräsidentin Martina Wenker hat die Lockerungen befürwortet, aber Augenmaß angemahnt. Es sei notwendig, sich auf den Herbst mit deutlich mehr Infektionen vorzubereiten und erneuten massiven Ausbrüchen vorzubeugen, sagte Wenker. „Das Virus verzeiht nicht den kleinsten Fehler. Wenn die Politik einen ‚Freedom Day‘ beschließt, wird das Virus das ignorieren.“ Die Inzidenz liegt in Niedersachsen bei 1143,5 (Stand 28.2.22). Das Land rangiert damit unter dem Bundeswert.

BundeslandNiedersachsen
HauptstadtHannover
MinisterpräsidentStephan Weil
Internetniedersachsen.de

Freude über die Lockerungen herrscht vor allen Dingen bei Schülern und Lehrern. Schulveranstaltungen, wie Elternabende, Klassenkonferenzen, Schulvorstandssitzungen oder Tage der offenen Tür, können demnach wieder mit externen Besuchern, also Eltern, Verwandten und Freunden stattfinden. Voraussetzung dabei: Die Veranstaltungen müssen unter 3G-Bedingungen stattfinden.

Corona: Zwei Millionen Menschen über 60-Jährige immer noch nicht gegen Covid-19 geimpft

Trotz dieser zügigen Rückkehr in ein halbwegs normales Leben, fordert Martina Wenker: „Wir müssen weiter vorsichtig sein.“ Der Sommer müsse genutzt werden, um nicht in den dritten Virus-Winter zu gehen, sagte sie mit Blick auf eine allgemeine Impfpflicht, für die sie sich entschieden aussprach: „Ich gehöre ganz klar zum Team Vorsicht.“ Zumal sich der Omikron-Subtyp BA.2 weiter ausbreitet.

Noch immer seien bundesweit über zwei Millionen Menschen über 60 nicht geimpft, dabei habe die Corona-Impfung große Erfolge gebracht. Sie betonte, es sei ein solidarisches Signal der älteren Generation, sich impfen zu lassen – junge Menschen hätten genug Vorleistung erbracht und fast zwei Jahre lang zurückgesteckt.

Trotz zahlreicher angekündigter Lockerungen bleibt das Corona-Virus in der Mitte der Gesellschaft. (Symbolbild)
Trotz zahlreicher angekündigter Lockerungen bleibt das Corona-Virus in der Mitte der Gesellschaft. (Symbolbild) © Julian Stratenschulte / dpa

In Niedersachsen dürfen sich inzwischen geimpfte und von einer Infektion genesene Menschen wieder mit beliebig vielen Menschen privat treffen. Hintergrund ist eine überarbeitete Corona-Verordnung, die am Donnerstag (24. Februar) in Kraft trat. Zuvor durften sich im Bundesland maximal zehn Menschen treffen, sofern sie gegen das Coronavirus geimpft oder nach einer Infektion genesen waren. Bei Ungeimpften sind die Regeln weiterhin strenger: Wer weder geimpft noch genesen ist, darf neben seinem eigenen Haushalt nur zwei weitere Menschen eines weiteren Haushalts treffen.

Corona in Niedersachsen: Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sieht neues Kapitel in Pandemiebekämpfung

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sprach von einem neuen Kapitel in der Pandemiebekämpfung: „Nach einem schwierigen Winter nehmen wir Kurs auf Lockerungen. Bis zum 20. März werden in drei Stufen, mit Ausnahme der Maske, alle coronabedingten Einschränkungen abgeschafft“, sagte der SPD-Politiker. Er mahnte aber auch: „Glauben wir bitte nicht, die Pandemie sei vorbei. Sie ist es nicht.“ Am 4. März sollen zudem weitere gelockerte Corona-Regeln in Kraft treten.

Die Inzidenz wird höher sein – das ist ein Argument, Vorsicht walten zu lassen

Ärztekammerpräsidentin Martina Wenker

Wenker urteilte, es sei gerechtfertigt, die Regeln in kleinen Schritten zu lockern. „Es ist nicht alles gut am 20. März, aber wir müssen uns auf den Weg zu mehr Normalität begeben“, sagte sie. Aber vor allem Menschen mit Vorerkrankungen müssten weiterhin Vorsichtsmaßnahmen wie die Hygieneregeln oder das Tragen einer Schutzmaske beachten.

Corona in Niedersachsen: Hohe Inzidenz ist Argument, weiterhin Vorsicht walten zu lassen

Das begründete sie auch damit, dass derzeit das Infektionsgeschehen unterschätzt werde, weil nicht mehr alle einen PCR-Test bekämen: „Die Inzidenz wird höher sein – das ist ein Argument, Vorsicht walten zu lassen.“ Gleichzeitig sei auch die Influenza-Saison noch nicht vorbei.

Martina Wenker lobte die Gelassenheit und Besonnenheit der meisten Menschen in Deutschland während der Pandemie. Rund drei Viertel der Bevölkerung hätten sich „sorgsam und mit unendlicher Geduld“ an die Regeln gehalten und auch impfen lassen: „Wir haben ganz viel geschafft.“ Am Montag, 28. Februar (17.30 Uhr) sendet die Ärztekammer Niedersachsen über ihren YouTube-Kanal eine neue Folge des Live-Talks „Zur Sache Corona“ mit Wenker und der niedersächsischen Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD). (Mit dpa-Material) * kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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