1. Startseite
  2. Thema
  3. Corona-Virus

Praxispersonal leidet unter Ausfällen durch Corona

Erstellt:

Von: Moritz Gorny

Kommentare

Praxismitarbeiter sind nach wie vor stark von der Pandemie eingenommen und erkranken auch selbst an Corona. Das sorgt für Engpässe.
Praxismitarbeiter sind nach wie vor stark von der Pandemie eingenommen und erkranken auch selbst an Corona. Das sorgt für Engpässe. © Guido Kirchner/dpa

Zahlreiche Ausfälle durch Infektionen erschweren die Arbeit

Kreis Kassel – Wer sich im Freundes- und Bekanntenkreis umhört, weiß: Corona macht die Runde. Das ist mit Symptomen und Quarantäne verbunden. Diese Auswirkungen sind derzeit auch in Arztpraxen zu spüren.

„Vergangene Woche waren drei von zehn Mitarbeiterinnen an Corona erkrankt“, sagt Dr. Gunter Lehmann aus Fuldatal. Der Allgemeinmediziner hatte sich ebenfalls infiziert – ebenso wie seine Frau und seine Tochter, die auch in der Praxis arbeiten sowie eine Ärztin in Ausbildung und ihre Stellvertretung. „Das ist Wahnsinn“, sagt Lehmann. Glücklicherweise habe sich das Patientenaufkommen etwas beruhigt, seitdem die Impfkampagne abgeflaut ist. „Wir haben noch viel Arbeit, aber das kriegen wir gut hin“, sagt Lehmann. Derzeit bleibe genügend Personal, um die Krankenstände abzufangen. „Patienten wegschicken müssen wir nicht“, versichert er.

Ganz so ausgeprägt wie in Dr. Lehmanns Praxis sind die Ausfälle bei Ralf Wittwer nicht. Ein oder zwei Mitarbeiterinnen fielen pro Woche corona-bedingt aus, sagt der Bad Emstaler Hausarzt. Der leichte Krankenstand an sich sei nicht problematisch. Herausfordernd sei das insgesamt höhere Arbeitsaufkommen, das die Pandemie mit sich bringe. Aufgrund der Lage gehe jeder schon mit leichtem Schnupfen zum Arzt, um sich abzusichern. Rund 30 Prozent davon seien positiv. „Die Patienten mit Corona sind meist keine schweren Fälle, aber solche, die mehrmals kommen müssen“, sagt Wittwer. Die ohnehin schon beanspruchten Mitarbeiterinnen müssten also noch eine Schippe drauflegen – „und das, nachdem wir rund 10 000 Patienten geimpft haben“, sagt Wittwer. „Aber ich will mich nicht beschweren: Schließlich ist das unser Job.“

Eine Ausnahme scheint die Praxis von Johanne Nolte zu sein: „Wir hatten bislang Glück und nur eine Infektion beim Personal“, sagt sie. Schließlich kämen pro Quartal knapp 2000 Patienten in die Hofgeismarer Praxis. Corona spiele dabei eine große Rolle. „Viele kommen mit positivem Schnelltest“, sagt die Allgemeinmedizinerin. Von zehn PCR-Abstrichen seien mindestens acht positiv.

Dass die Praxen teils stark unter zahlreichen Corona-Erkrankungen leiden, bestätigt Karl Roth. Manche Praxis treffe es so hart, dass sie wegen Personalmangels kurzzeitig schließen müsse, sagt der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen. Das habe aber nicht nur mit Corona-Erkrankungen im Mitarbeiterkreis zu tun. „Bei dem Personal in Praxen macht sich nach zwei Jahren Pandemie Erschöpfung breit.“ In extremen Fällen liefen den Ärzten die Mitarbeiter sogar weg, „weil die Belastung sehr groß war“, sagt Roth. Das müsse sich erst einmal wieder beruhigen.

Eine Unterversorgung an Ärzten gibt es aus Roths Sicht aber nicht. Bei Allgemeinmedizinern liege der Versorgungsgrad im Landkreis Kassel zwischen rund 88 und 107 Prozent, in der Stadt Kassel sogar bei knapp 115 Prozent. Und bei den Fachärzten unterschreite der Versorgungsgrad lediglich bei den Nervenärzten die 100-Prozent-Marke.

Auch interessant

Kommentare