„Diesmal sind viel mehr Menschen gefährdet“

Kassel verbietet „Querdenker“-Demo - Trotzdem werden Tausende erwartet

Menschenmenge auf dem Friedrichsplatz: So sah es bei der Corona-Demo am 20. März 2021 in Kassel aus
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Menschenmenge auf dem Friedrichsplatz: So sah es bei der Corona-Demo am 20. März 2021 in Kassel aus

Trotz des Verbots der „Querdenker“-Versammlung durch die Stadt Kassel werden am Samstag Tausende Demonstranten in der Innenstadt erwartet. Der Widerstand formiert sich.

Kassel. Die Stadt Kassel hat wie erwartet die für Samstag angemeldeten „Querdenker“-Demonstrationen in der Innenstadt verboten. Kritiker der Corona-Maßnahmen hatten gleich mehrere Versammlungen angemeldet – unter anderem einen Aufzug mit 3000 Teilnehmern, der um 12 Uhr vor dem Kulturbahnhof starten und durch den Vorderen Westen führen soll.

Mit einem Eilantrag beim Verwaltungsgericht Kassel wollten die Organisatoren der „Freien Bürger Kassel“ das Verbot aufheben lassen. Doch das wurde am Abend von den Richtern bestätigt. Die Organisatoren könnten nicht gewährleisten, dass sich die Teilnehmer an Auflagen hielten, hieß es. Wie schon bei den angemeldeten Corona-Demos vom 20. März und 19. Juni muss nun der Hessische Verwaltungsgerichtshof entscheiden.

Kassel verbietet „Querdenker“-Demo - Trotzdem werden Tausende erwartet

Was genau die „Freien Bürger Kassel“ für Samstag unter dem Motto „Für Frieden und Freiheit und gegen Spaltung“ planen, bleibt unklar. Einen Fragenkatalog der HNA ließen sie unbeantwortet. Klar ist hingegen, dass die „Querdenker“ weiter bundesweit für die „World Wide Demo Deutschland“ in Kassel mobilisieren.

Darum sammelt das Kunststudio Raamwerk in großen Telegram-Gruppen Screenshots und Videos, in denen dazu aufgerufen wird, auch im Fall eines bestehenden Verbots nach Kassel zu kommen. Die Fundstücke werden an die Stadt weitergeleitet. „Vor Gericht könnten sie nützlich sein“, sagt Britta Wagemann von Raamwerk.

„Querdenker“-Demo in Kassel: Letztes mal waren viele ohne Corona-Masken unterwegs

Vor der letztlich verbotenen Corona-Demo am 19. Juni hatte die Gruppe Erfahrungsberichte vom 20. März gesammelt und an die Stadt weitergereicht. Damals hatten 20 000 Demonstranten trotz Verbots in der Innenstadt protestiert. Viele stürmten ohne Masken in Einkaufsgalerien. Diesmal schätzt Wagemann, „dass die Zahl von 3000 erwarteten Teilnehmern gesprengt wird“.

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Auch die Linken-Stadtverordnete Miriam Hagelstein geht davon aus, dass viele trotz eines Verbots aus dem gesamten Bundesgebiet nach Kassel reisen werden. Mit einem Bündnis organisiert sie eine Gegendemo auf dem Königsplatz. Diese hat die Stadt nicht verboten. Offensichtlicher Grund: Anders als „Querdenker“ halten sich die Teilnehmer dort erfahrungsgemäß an Hygieneregeln und eventuelle Auflagen.

„Querdenker“-Demo in Kassel: Dieses mal viel mehr Menschen gefährdet

Hagelstein befürchtet, dass von einer „Querdenker“-Demo diesmal „viel mehr Menschen gefährdet“ wären. Denn auf dem Friedrichsplatz locken Biergärten und die Bühne des Kasseler Stadtsommers Besucher an – darunter viele Familien. Alexander Wild, Vorsitzender der City-Kaufleute, ist dennoch zuversichtlich, dass Kunden ungehindert Shoppen können. Er steht in engem Austausch mit den Behörden: „Das wird für alle Beteiligten beherrschbar sein.“

Einer der „Freien Bürger Kassel“, der seit Wochen Veranstaltungen auf dem Königsplatz organisiert, an der Planung für Samstag aber nicht beteiligt ist, kritisiert, dass die Versammlungsbehörde das Recht auf Versammlungsfreiheit mit Füßen trete. Der HNA sagte er: „Die Demonstranten haben sich nichts vorzuwerfen, aber die korrupten Politiker schon. Und das ist es, wofür wir meiner Meinung nach auf die Straße gehen: Die Regierung vertritt nicht die Interessen ihrer Bürger.“ (Matthias Lohr)

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