Waffenbörse

Trotz steigender Infektionszahlen: Wieder große Messe in Kassel

Wolf Krey, Veranstalter der Internationalen Waffenbörse, im Jahr 2019 bei der Veranstaltung in den Kasseler Messehallen.
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Hat wegen des Hygienekonzepts keine Bedenken: Wolf Krey, Veranstalter der Waffenbörse in Kassel. Unser Foto zeigt ihn bei der Messe im Jahr 2019.

Nach der Technorama mit rund 7500 Besuchern steht in Kassel mit der Internationalen Waffenbörse die nächste große Messe an. Wegen Corona ist laut Stadt ein Verbot nicht durchsetzbar.

Kassel – Die Corona-Infektionszahlen steigen. Besonders betroffene Städte wie Frankfurt reagieren deshalb mit Sperrstunden, Maskenpflicht und Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen. Anders in Kassel: Dort steht nach der Technorama-Oldtimer-Schau Anfang Oktober nun kommende Woche die nächste Messe mit Tausenden erwarteten Besuchern aus ganz Deutschland an: die Internationale Waffenbörse (WBK).

Ist eine solche Großveranstaltung mit überregionalen Ausstellern und Besuchern in diesen Zeiten überhaupt noch vertretbar? Nein, meinen Kritiker. Kassel sei deutschlandweit die einzige Stadt, die eine solche Messe während der Corona-Pandemie überhaupt in Erwägung ziehe. Andere Städte in Rheinland-Pfalz und Bayern hätten viel kleinere Waffenbörsen abgesagt, heißt es etwa in einem Schreiben, das unter anderem an Oberbürgermeister Christian Geselle, Sozialdezernentin Ilona Friedrich und Fraktionen gerichtet ist.

Auf Anfrage unserer Zeitung haben Veranstalter und Stadt am Freitag die Entscheidung für die Waffenbörse (15. bis 18. Oktober) erläutert. Er habe da gar keine Bedenken, betont Veranstalter Wolf Krey (Expo Management GmbH/Molfsee bei Kiel). Für die Messe, zu der Sport- und Jagdwaffen sowie Orden und Militaria angekündigt werden, habe man ein Hygienekonzept erarbeitet. Die Durchgänge seien fünf Meter breit geplant, so könne genügend Abstand gehalten werden. Wolf Krey sieht für die erste Waffenbörse in diesem Jahr keine Probleme: „Sonst müsste man auch jeden Baumarkt schließen.“

Bis zu 1285 Besucher gleichzeitig werden sich laut Konzept bei der Waffenbörse in drei Messehallen aufhalten dürfen. Die Stadt Kassel erklärt, dass die Durchführung der Messe auf Grundlage des geprüften Hygienekonzepts gestattet worden sei. In Kassel liege die Sieben-Tage-Inzidenz weit unter dem Schwellenwert der ersten Eskalationsstufe des Landes Hessen, betont Stadtsprecher Michael Schwab. „Ein generelles Verbot der Durchführung von Veranstaltungen lässt sich deshalb aktuell nicht durchsetzen.“

Wegen der dort ausgestellten und zum Kauf angebotenen Relikte der NS-Zeit hat die Internationale Waffenbörse (WBK) in Kassel immer wieder für Diskussionen gesorgt. In diesem Jahr steht weniger die Messe als solche, sondern eher die Frage im Vordergrund, ob in Zeiten von Corona und steigender Infektionszahlen so eine Großveranstaltung überhaupt stattfinden sollte. In früheren Jahren kamen zu der Veranstaltung in Kassel mehr als 10 000 Besucher, es sollen sogar schon 20 000 gewesen sein. Für die Waffenbörse 2020 rechnet Veranstalter Krey mit weniger Publikum. Gäste aus dem Ausland seien wegen Corona nicht zu erwarten, es seien auch keine Händler aus dem Ausland dabei. Krey spricht von einer „gerupften Waffenbörse“.

Das Konzept beinhaltet die bekannten Hygiene- und Abstandsregeln, etwa das Tragen einer Mund- und Nasenbedeckung, das Einhalten eines Abstandes von mindestens 1,50 Meter und das Anbieten von Desinfektionsmitteln. Besucher mit an den Tageskassen erworbenen Tickets und Inhaber von Online-Tickets werden über getrennte Eingänge eingelassen, um Warteschlangen zu vermeiden. Die Besucher – maximal 1285 dürfen gleichzeitig in die drei genutzten Messehallen – werden am Ein- und Ausgang kontrolliert. Zur Überwachung, ob die Vorschriften des Konzepts eingehalten werden, soll in den Hallen und im Außengelände Kontrollpersonal eingesetzt werden, kündigt der Veranstalter an.

Für das behördliche Handeln sei die jeweils aktuell geltende Fassung der Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung des Landes Hessen maßgeblich, betonte die Stadt. Die Waffenbörse in Kassel ist aktuell ohnehin Thema in der Stadtpolitik. So fordert ein kürzlich von SPD, Grünen, Linken und der Fraktion „Wir für Kassel“ gefasster Beschluss der Stadtverordnetenversammlung den Magistrat auf, alle rechtlichen Möglichkeiten zur Untersagung der jährlich stattfindenden Waffenbörse zu ergreifen. Die SPD hatte den Antrag eingebracht. Einen ähnlichen Antrag hatten 2009 bereits die Grünen gestellt, damals fand er keine Mehrheit. 

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