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Viele junge Menschen kämpfen mit psychischen Problemen in der Pandemie

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Von: Daniel Göbel

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Die Corona-Pandemie hat nach Meinung der Kassenärztlichen Vereinigung in Hessen dazu geführt, dass mehr Kinder und Jugendliche mit psychischen Problemen zu kämpfen haben.
Die Corona-Pandemie hat nach Meinung der Kassenärztlichen Vereinigung in Hessen dazu geführt, dass mehr Kinder und Jugendliche mit psychischen Problemen zu kämpfen haben. © Nicolas Armer/dpa

Kinder haben psychisch mit den Folgen der Pandemie ganz besonders zu kämpfen. Eine neue Studie zeigt: Viele sind ängstlicher und depressiver als früher. Die Zahl der Kinder, die sich wegen Depressionen, Essstörungen und anderer psychischer Erkrankungen in Behandlung begeben mussten, ist demzufolge hoch. Ambulante und stationäre Therapieangebote sind vielerorts überlaufen.

Kreis Kassel – Auch im Landkreis Kassel ist der Bedarf während der Coronakrise gestiegen. „Auf regionaler Ebene können wir das leider nicht kurzfristig auswerten, grundsätzlich ist hessenweit zuletzt allerdings ein steigender Bedarf und eine wachsende Nachfrage klar festzustellen“, erklärt Alexander Kowalski, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Hessen auf Nachfrage unserer Zeitung.

„Die Corona-Pandemie hat ganz eindeutig dazu geführt, dass mehr Kinder und Jugendliche mit psychischen Problemen zu kämpfen haben“, sagt Kowalski. Das zeigten Erfahrungen aus den hessischen Praxen für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. Wiederholte Quarantänephasen, soziale Isolation und herausfordernde Situationen zu Hause seien nur einige Gründe für die Zunahme psychischer Probleme.

Wie viele Kinder und Jugendliche betroffen sind, sei schwer zu sagen. Nach Angaben der Caritas leidet fast jedes dritte Kind unter den Folgen der Pandemie und zeigt psychische Auffälligkeiten. Beratungsangebote müssten dringend ausgebaut werden. Notwendig sind laut Caritas mehr Jugendsozialarbeit, Schulsozialarbeit und sozialpädagogische Begleitung.

Die KV habe deswegen ein Projekt ins Leben gerufen, das die pandemiebedingten psychischen Belastungen bei Kindern und Jugendlichen in den Fokus stellt. Gemeinsam mit Kinder- und Jugendpsychotherapeuten sind vier Filme entstanden, die Kinder, Eltern und junge Menschen für das wachsende Problem sensibilisieren und Hinweise zum Umgang mit Belastungen geben sollen. Zudem seien hessenweit 18 Therapeuten im Bereich der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie hinzugekommen, um dem steigenden Bedarf besser gerecht zu werden.

Wie lange aktuell die Wartezeiten für einen Therapieplatz im Kinder- und Jugendbereich im Altkreis sind, lasse sich pauschal nicht beantworten, sagt Kowalski. „Es kann bei hoher Nachfrage natürlich immer einmal zu Wartezeiten kommen, bei Bedarf erfolgt jedoch in der Regel zeitnah eine Therapie.“ Im Altkreis Kassel gibt es eine ganze Reihe von Psychotherapeuten, die auf Kinder- und Jugendliche spezialisiert sind. Insgesamt listet die Psychotherapeutenkammer Hessen 41 Therapeuten auf, die während der Pandemie Kinder und Jugendliche im Landkreis behandeln.

Je nach Behandlungsbedarf stehen dabei unterschiedliche Therapieformen und Möglichkeiten zur Verfügung. Im ambulanten Bereich gibt es beispielsweise die psychotherapeutische Akutbehandlung, die auf eine kurzfristige Verbesserung der Situation bei den Patienten abzielt. Hier können sich Patienten beziehungsweise Eltern auch unter der Hotline 116 117 oder online unter eterminservice.de an die Terminservicestelle wenden. Für akute Notfälle wären dann die Kliniken zuständig, etwa die Vitos Kinder- und Jugendklinik für psychische Gesundheit. Die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik versorgt flächendeckend und wohnortnah Kinder und Jugendliche in Kassel und den nordhessischen Landkreisen.

Die Coronakrise habe wie ein Verstärker gewirkt, heißt es von der KV. Wer vorher schon anfällig gewesen ist, sei gefährdeter. Auch zeigten sich bei Kindern und Jugendlichen Auswirkungen, die ohne die Pandemie vermutlich nicht zum Vorschein getreten wären. Ein Beispiel aus der Vitos-Klinik sei ein zehn Jahre alter Junge, der eine Magersucht entwickelt habe. (Daniel Göbel)

Weitere Informationen zu Hilfsangeboten in der Region gibt es unter Tel. 116 117 und online unter zu.hna.de/kinder22.

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