Landratswahl im Schwalm-Eder-Kreis

„Alles tun, um die Folgen der Pandemie zu meistern“: Winfried Becker (SPD) steht weitere sechs Jahre an der Spitze der Kreisverwaltung

So haben die Wähler (vorläufiges Ergebnis) entschieden: Winfried Becker (51,5 %), Michael Schär ( 20,7 %), Michael Pohl (16,6 %) und Stefanie Pies (11,2 %).
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So haben die Wähler (vorläufiges Ergebnis) entschieden: Winfried Becker (51,5 %), Michael Schär ( 20,7 %), Michael Pohl (16,6 %) und Stefanie Pies (11,2 %).

Dieser Wahlabend im Kreishaus des Schwalm-Eder-Kreises bot bis zuletzt eine Zitterpartie – insbesondere für Winfried Becker (SPD) und Michael Schär (CDU). Denn bis zum Schluss war eine Stichwahl zwischen den beiden Kontrahenten nicht ausgeschlossen. Gegen 22 Uhr – zwei Stunden später als erwartet – stand aber fest: Winfried Becker bleibt für die nächsten sechs Jahre der Landrat des Schwalm-Eder-Kreises.

Er erhielt laut vorläufigem Endergebnis 51,51 Prozent der gültigen Stimmen. Die hohe Briefwahlbeteiligung verzögerte die Auszählung in einigen Kommunen. Bis zuletzt hatte man gespannt auf Auszählungen aus Ottrau, Homberg und Felsberg gewartet.

Die Wahlbeteiligung lag bei 55,57 Prozent – ein deutlicher Anstieg zur Wahl 2015, als Becker gegen Mark Weinmeister (CDU) antrat. Damals betrug die Wahlbeteiligung nur 34,5 Prozent – die Wahl fand aber auch nicht im Zusammenhang mit der Kommunalwahl statt.

Die meisten Stimmen erhielt Winfried Becker auch bei dieser Wahl in seiner Heimatstadt Guxhagen (71,91 Prozent), gefolgt von Schwarzenborn (64, 65 Prozent) und Körle (58,17 Prozent). In der Domstadt bekam Becker mit 41,55 Prozent die wenigsten Stimmen. Dort schnitt Gegenkandidat Michael Schär hingegen deutlich stärker ab als im Gesamtergebnis: 31,96 Prozent stimmten für ihn. Das beste Ergebnis für den Christdemokraten. Dieser gab sich als fairer Verlierer und war im Kreishaus in Homberg einer der Ersten, der Becker gratulierte und sich „für den fairen Wahlkampf“ bedankte.

Auch Stephanie Pies (Grüne) zeigte sich zufrieden, wie auch ihre Begleiter, Bundestagsabgeordnete Dr. Bettina Hoffmann und Fraktionsvorsitzender Hermann Häusling. „Das Ziel eine zweistellige Prozentzahl zu bekommen, haben wir geschafft“, sagte Pies. Am meisten Zuspruch erhielt die Landratskandidatin der Grünen in ihrer Heimat Edermünde (21,2 Prozent) und in Melsungen (15,9 Prozent). Pies nahm ihre Kandidatur sowie das Ergebnis sportlich, kündigte an, sich weiter politisch für Grüne Themen stark machen zu wollen – „auf einem Bein kann man ja nicht stehen“, sagte sie mit Blick auf mögliche weitere Kandidaturen.

Überrascht von seinem Erfolg war Dr. Christoph Pohl, der für die Freien Wähler ins Rennen ging. Laut Trendergebnis erhielt er 16,6 Prozent der Stimmen – und bot sich zu Beginn noch ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Christdemokraten Michael Schär. „Davon war ich selbst überrascht“, sagte Pohl im HNA-Gespräch. „Dass das Ergebnis so toll ausgefallen ist, hat mich noch mal drei Zentimeter wachsen lassen.“ Am besten schnitt er in Borken (27 Prozent), Morschen (23,5 Prozent), Niedenstein (19,5) und Gudensberg (19 Prozent) ab. „Ich habe viel Respekt gezollt bekommen, unter anderem von Winfried Becker“, sagt Pohl, der am Wahlabend nicht im Kreishaus war. „Dass sich einige Leute darüber gewundert haben, wundert mich“, sagte Pohl. Man befinde sich schließlich in einer Pandemie. „Ich habe mich auch fair am Freitag abgemeldet.“ Sein gutes Abschneiden sehe er auch als Ansporn, weiterzumachen wie bisher.

Sein schärfster Konkurrent hätte sich ein paar Prozentpunkte mehr gewünscht: „Ich wäre gerne mit Winfried Becker in die Stichwahl gegangen“, sagte Michael Schär. Sein Ziel, dass zweitbeste Ergebnis einzufahren, sei hingegen geglückt. „Das muss natürlich ganz klar das Ziel der CDU im Schwalm-Eder-Kreis sein“, sagte er.

Die aktuellen Ereignisse in Berlin hätten sich auch auf das Ergebnis an den Urnen im Schwalm-Eder-Kreis ausgewirkt. Dies belegte das eindeutig bessere Abschneiden der Christdemokraten bei den Briefwahlergebnissen, die davon unberührt geblieben seien.

Der Umgang mit der Krise auf Bundesebene komme als Faktor hinzu. Nicht alles, was dort bei der Bewältigung der Pandemie passiere, sei lobenswert, sagte Schär. Mit seiner Kandidatur habe er den Wunsch angemeldet, Verantwortung zu übernehmen. Es sei wahrscheinlich, dass sein Name erneut auf einem Wahlzettel für eine Landratswahl stehe, sagte der 36-Jährige.

Doch vor allem für Amtsinhaber Winfried Becker war der knappe Wahlausgang ein Auf und Ab der Gefühle: „Um so glücklicher bin ich jetzt“, sagte er. „So einen Abend bei einer Direktwahl habe ich noch nie erlebt“, bilanzierte er in seiner Dankesrede. Jetzt sei geboten, weiter die Ärmel hochzukrempeln, damit die Pandemie und deren Folgen – insbesondere die wirtschaftlichen – im Landkreis möglichst gut gemeistert werden können.

Bewegend: Auf einem Tablet, das seine Familie den Abend über mit sich trug, war auch Beckers 87-jährige Mutter zugeschaltet, die wegen der Pandemie nicht persönlich anwesend war und die Wiederwahl ihres Sohnes auf diesem Weg verfolgte. Zum Abschluss sagte er: „Es ist viel zu tun, aber ich freue mich auf die weitere Arbeit. Ich werde mich mit aller Kraft weiter für die Menschen im Landkreis einsetzen.“  

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