Kommunalwahl unter Corona-Bedingungen im Kreisteil Hofgeismar

Wahltag spannend erst ganz zum Schluss

Nicht nur im Foyer fanden die Wähler Orientierungshilfe, sondern auch, um mit den riesigen Kreistagsstimmzetteln einen Platz zu finden. Hier weist Wahlhelfer Markus Schnepel den Weg zu einer freien Wahlkabine.
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Nicht nur im Foyer fanden die Wähler Orientierungshilfe, sondern auch, um mit den riesigen Kreistagsstimmzetteln einen Platz zu finden. Hier weist Wahlhelfer Markus Schnepel den Weg zu einer freien Wahlkabine.

Das Schlangestehen vor dem Wahlraum, die Klöngruppe an der Treppe im Foyer, der lockere Plausch nach dem Kreuzchenmachen mit guten Bekannten – all das fehlte am Sonntag, als die Wähler in der Stadthalle als dem zentralen Wahllokal in Hofgeismars Kernstadt ihre Stimmen abgaben.

Hofgeismar – Sicherheitsabstände, Warntafeln, Desinfektionsmittelspender und das verstärkte Ausweichen auf die Briefwahl sorgten dafür, dass der Andrang überschaubar und von Hektik keine Spur war, wie in vielen anderen Wahllokalen auch.

„Ein deutlicher Unterschied zu früheren Wahlen, es ist viel entspannter“, stellt schon am Vormittag Martin Neth als einer der beiden Rathaus- und Stadthallen-Hausmeister fest. Er empfängt die Besucher am Eingang, bietet bei Bedarf Schutzmasken und Kugelschreiber an und weist den Weg in einen der sechs Wahlräume.

Aus der Bürgermeisterwahl im November habe man gelernt und in Details nachgebessert, schildert er. Nachdem man bei der Wahl im Herbst die Acrylglas-Schutzwände aus den Rathausbüros für die Wahllokale genutzt hatte, fertigte der städtische Bauhof jetzt noch 45 weitere Schutzwände an. Sie sollten die Wahlhelfer und auch die Besucher in den insgesamt 15 Wahllokalen in Stadt und Stadtteilen vor Viruskontakten durch feuchte Aussprache an den Stimmzettel-Abgabe- und -Annahmetischen schützen.

Die Wähler haben die Vorsichtsmaßnahmen offenbar verstanden und akzeptiert. Denn sie tauchen nicht mehr in größeren Gruppen in der Stadthalle auf, sondern meist allein oder zu zweit. Viele haben eigene Kugelschreiber dabei und müssen das Stifte-Angebot der Stadt nicht nutzen. Bis mittags sind erst zwei dabei, die ihre Maske vergessen haben und vom Rathaus eine OP-Maske spendiert bekommen. Einer muss überredet werden, denn er trägt eine Stoffmaske, bedruckt mit einem Werbespruch für einen Kandidaten, und muss diesen vorübergehend austauschen, bis er den Wahlvorgang beendet hat.

Die Wähler gehen zielstrebig durch das Foyer, nehmen die Stimmzettel entgegen und beginnen mit der Wahl. In vielen Fällen, wo die Wähler keine Listenkreuze machen, sondern tatsächlich den Kandidaten einzelne Kreuze zum Kumulieren und Panaschieren geben, dauert es auch schon mal zehn Minuten, bis alle Kreuzchen gemacht sind – bis zu 81 beim Kreistag und 37 bei der Stadtverordnetenversammlung.

Es gibt auch Wähler, so berichten einige Wahlhelfer, die überrascht sind, als sie den handtuchgroßen Stimmzettel für den Kreistag überreicht bekommen. Manche hatten sich offenbar vorher mit der Wahl nicht so intensiv beschäftigt und auch die im Foyer ausgehängten Musterstimmzettel nicht näher betrachtet.

Die Briefwähler hatten den Vorteil, dass sie sich zuhause intensiv und ohne Druck mit dem Abstimmen auseinandersetzen konnten, wie auch beispielsweise im Bezirk 4 (Schanzen/Am Hang/Grüner Weg), wo fast jeder Zweite die Briefwahl nutzte.

Wahlleiterin Daniela Pfeiffer kommt von einer Datensammelrunde durch die sechs Wahlbezirke zurück – die Zahlen belegen den Trend, dass die Briefwähler stark zugenommen haben und die Zahl der Wähler, die noch ins Wahllokal kommen, sich fast halbiert. Um 11 Uhr liegt die Wahlbeteiligung bei 4,7 Prozent gegenüber 7,2 Prozent bei der Wahl vor fünf Jahren und 9,1 Prozent bei der Bürgermeisterwahl 2020, die ebenfalls schon unter Corona-Bedingungen stattfand. Um 15 Uhr haben rund 16 Prozent der Wahlberechtigten in der Kernstadt persönlich gewählt gegenüber 24,8 Prozent 2016. Damals lag die Wahlbeteiligung am Ende bei 48 Prozent.

Nachdem auch die Nach-dem-Kaffeetrinken-Welle ausbleibt, können die Wahlhelfer aufatmen – bis es beim Auszählen ab 18 Uhr wieder spannend wird. (Thomas Thiele)

Vorsorge: Wahlhelfer Michael Döpfer desinfizierte im Bezirk 3 regelmäßig Wahlkabinen und Kugelschreiber.

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