Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder befragte fünf Spitzenkandidaten

Kommunalwahl Kassel: So schlugen sich die Kandidaten in der Online-Diskussion

Auf dem Bildschirm vereint: Co-Moderatorin Dagmar Krauße war im Kasseler Studio. Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder befragte die Kandidaten für die Veranstaltung „Wahl.Lokal“ von seinem Berliner Büro aus.
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Auf dem Bildschirm vereint: Co-Moderatorin Dagmar Krauße war im Kasseler Studio. Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder befragte die Kandidaten für die Veranstaltung „Wahl.Lokal“ von seinem Berliner Büro aus.

Wohnen, Verkehr und Rechtsextremismus waren die Themen bei einer Online-Diskussion mit Kasseler Spitzenkandidaten vor der Kommunalwahl. Den Bewerbern erging es nicht anders als uns allen bei Zoom-Konferenzen.

Kassel – Auf einem echten Podium werden die Spitzenkandidaten im Kasseler Kommunalwahlkampf nicht aufeinandertreffen. Am Dienstag aber debattierten fünf von ihnen virtuell. Der Kasseler Politikwissenschaftler Prof. Wolfgang Schroeder befragte Patrick Hartmann (SPD), Michael von Rüden (CDU), Awet Tesfaiesus (Grüne), Matthias Nölke (FDP) und Violetta Bock (Linke). Wir fassen „Wahl.Lokal“ der Uni Kassel und der Initiative „Offen für Vielfalt“ zusammen.

Um welche Themen ging es in der Diskussion?

Schroeder hatte mit seinem Team drei Themen ausgewählt: Wohnen, Verkehr sowie den Kampf gegen Rechtsextremismus und Rassismus. Bei allen geht es seiner Ansicht nach „um die Zukunft Kassels“. In der Gegenwart beklagte die Linke Bock „viele Fälle von Entmietungen“ und empfahl eine Sozialwohnungsquote von 30 Prozent bei Neubauten. Bezahlbarer Wohnraum ist auch das Ziel der anderen vier Parteien. Den will der Liberale Nölke mit einer ungewöhnlichen Idee erreichen. Der Bundestagsabgeordnete schlug vor, Straßen wie den Steinweg unter die Erde zu verlegen. So könnte Platz geschaffen werden für eine historische Altstadt wie in Frankfurt. Einig war man sich bei der Stärkung der Demokratie. Von Rüden forderte, dass „in Schulen mit allen Kräften dafür geworben werden muss“. Die Grüne Tesfaiesus vermisst dagegen den Blick auf die Betroffenen: „Kampf gegen Rechts bedeutet zuhören, was die Betroffenen sagen.“

Wie präsentierten sich die Kandidaten?

Sie hatten mit den gleichen Problemen zu kämpfen, die jeder aus Zoom-Konferenzen kennt. Manchmal hakte die Verbindung. Von Rüden vergaß mehrmals, das Mikro anzustellen. Rhetorisch machten Hartmann und Nölke den besten Eindruck. Alle Politiker waren aus ihren Büros zugeschaltet – ebenso wie Moderator Schroeder, der wegen mehrerer Zugausfälle vor seiner imposanten Bücherwand in Berlin saß und nicht bei Co-Moderatorin Dagmar Krauße (Offen für Vielfalt) im Studio bei Wintershall Dea, wo sie Zuschauerfragen stellte.

Was war der größte Streitpunkt?

Die Verkehrswende, und zwar die Art und Weise, wie sie umgesetzt werden soll. Hartmann sieht Kassel als „Stadt der gleichberechtigten Mobilität“. Von Rüden forderte niedrigere Parkgebühren, Tesfaiesus mehr Radwege und ÖPNV, und Bock träumt von der autofreien Stadt. Ebenso visionär präsentierte sich Nölke, der nach Kopenhagener Vorbild Rad-Highways in der Luft bauen und für Autos eine grüne Welle will.

Wie bewertete Schroeder die Kandidaten?

Der Politikwissenschaftler lobte viel, übte aber beim Thema Verkehr Kritik. Hier hatte er erwartet, dass die Kandidaten „die Rolle von VW als zentralem Player bei der Elektrowende“ thematisieren würden, was Nordhessen „eine riesige Chance“ biete.

Hat sich die Online-Diskussion als Format bewährt?

Jein. Gleich zu Beginn hatte Schroeder betont, wie wichtig direkte Begegnungen als „Elixier der Demokratie“ sind. Wegen Corona konnten sich die Kandidaten jedoch nur virtuell treffen. Sie sprachen nicht mit-, sondern nur nacheinander. Im echten Leben auf einem Podium sind Debatten einfacher. Trotzdem kann die Veranstaltung eine gute Hilfe für Wähler sein, sich zu entscheiden. Krauße bezeichnete die Veranstaltung als „Wahlwerbung“, nämlich „für wählen gehen“. Schroeder gab das Ziel aus, die Wahlbeteiligung von vor fünf Jahren von 42,8 Prozent zu überbieten. (Matthias Lohr)

Die Aufzeichnung der Diskussion ist bis zur Kommunalwahl am 14. März unter kasselwaehlt.de abrufbar.

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