Logopäde macht CDU sprachlos

Wahlkampf in eigenen Reihen: Tyche Feddersen kritisiert Korbacher CDU-Fraktionschef

Präsent im Wahlkampf: Ein Aufsteller von Tyche Feddersen in einem Korbacher Getränkemarkt.
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Präsent im Wahlkampf: Ein Aufsteller von Tyche Feddersen in einem Korbacher Getränkemarkt.

Mit öffentlicher Kritik am CDU-Fraktionsvorsitzenden Heinz Merl sorgt Tyche Feddersen für Irritationen im Wahlkampf. Dabei tritt der 46-Jährige selbst als parteiloser Kandidat auf der Liste der Korbacher CDU an.

  • In einer Wahlkampfanzeige hat der parteilose Kandidat Tyche Feddersen Kritik am Korbacher CDU-Fraktionsvorsitzenden Heinz Merl geübt. Feddersen steht selbst als Hospitant auf der Liste der Korbacher CDU.
  • Einen Vertrauensbruch sieht Feddersen in seiner Kritik nicht: Er vertrete die Werte der CDU und wolle im Falle einer Wahl auch in der Fraktion mitarbeiten.
  • Der CDU Stadtverband äußert sich nicht zum Fall Feddersen, hat aber das Porträt des Kandidaten von der Facebookseite gelöscht. Heinz Merl denkt indes über rechtliche Schritte nach.

Korbach – Dort steht er auf Platz 14. Ob der CDU-Stadtverband noch so glücklich ist, einen Listenplatz für Feddersen bereitgestellt zu haben, dürfte mittlerweile fraglich sein. Dass Parteien parteilose Bewerber bei einer Wahl aufstellen, ist nicht unüblich. Dass ein solcher Kandidat so exponiert für sich selbst Wahlkampf macht, hingegen schon – zumindest für Korbacher Verhältnisse. Tyche Feddersen ist derzeit geradezu allgegenwärtig: Flyer, Aufsteller, Zeitungsannoncen. Ein Aufwand, den selbst manche Parteien nicht betreiben.

„Dass man sein eigenes Profil innerhalb einer Liste schärft, das ist ja auch durchaus erlaubt“, erklärt Feddersen, der nach eigener Auskunft den Wahlkampf auch als einen solchen sieht: „Das ist etwas verloren gegangen.“ Dass auf seinen Werbematerialien nicht auf den ersten Blick deutlich wird, dass er auf der Liste der CDU kandidiert, erklärt der 46-Jährige mit rechtlichen Gründen: „Als parteiloser Kandidat darf ich das Logo der CDU nicht verwenden. Das habe ich abklären lassen.“

Trotzdem vertrete er christdemokratische Werte: „Ich stehe hinter der CDU“, erklärt Feddersen. Schon mit 18 sei er in seiner nordfriesischen Heimat politisch in der CDU aktiv gewesen. In Korbach ist der Logopäde bislang nicht politisch in Erscheinung getreten – bis ihn der Vorstand der Korbacher CDU angesprochen habe, ob er nicht bei der Kommunalwahl kandidieren wolle, berichtet er. Nach einer Bedenkzeit habe er sich dafür entschieden. Der CDU sei dabei bewusst gewesen, dass „der Herr Feddersen“ dann auch zu 100 Prozent komme „und der Wahl ein Gesicht gibt.“

In Wahlanzeige kristisiert Tyche Feddersen den Korbacher CDU-Fraktionsvorsitzenden Heinz Merl

In einer am Mittwoch in der WLZ erschienen Wahlannonce kritisierte Feddersen öffentlich die Haltung des CDU-Fraktionsvorsitzenden Heinz Merl. Der hatte sich zuvor zur vorzeitigen Corona-Impfung von Bürgermeister Klaus Friedrich geäußert. „Sollte jemand wegen dieses Vorfalls eine Sitzung des Ältestenrates einberufen wollen, wäre das unangemessen“, wird Merl in der WLZ vom 26. Februar zitiert. Außerdem habe er sich über beleidigende Kommentare in den Sozialen Netzwerken geärgert, so der Fraktionsvorsitzende weiter.

Merl habe den Verursacher geschützt und seine Verteidigung über die Gemeindeordnung und das Recht auf freie Meinungsäußerung gestellt, schreibt Feddersen in der Anzeige. Damit heize er den Gedanken einer Zwei-Klassen-Gesellschaft an.

Gegenüber unserer Zeitung erklärt der 46-Jährige: „Für mich hat Heinz Merl eine rote Linie überschritten und davon möchte ich mich abgrenzen. Das empfinde ich als meine Bürgerpflicht, das gehört zur Demokratie.“ Das bedeute nicht, dass er auch jetzt nicht noch „einen Kaffee mit Heinz Merl trinken“ könne.

CDU-Stadtverband nimmt Porträt von Feddersen von der Facebook-Seite

Der CDU-Stadtverband will sich zum Fall Feddersen nicht äußern – hat aber auf andere Weise reagiert: Das Porträt des Kandidaten verschwand am Donnerstag von der Facebookseite der Partei. Heinz Merl selbst sieht sich derweil durch Feddersen verleumdet. Er überlege, rechtliche Schritte einzuleiten, sagte der CDU-Fraktionschef gegenüber unserer Zeitung. Zum einen sehe die Hessische Gemeindeordnung keinen Ältestenrat vor, er könne sich daher auch nicht über die Gemeindeordnung stellen. Zum anderen seien Äußerungen in den Sozialen Medien, wie dass der Bürgermeister „verrecken“ solle, nicht mehr durch die Meinungsfreiheit gedeckt.

Tyche Feddersen kann sich indes im Falle eines Einzugs in die Korbacher Stadtverordnetenversammlung vorstellen, weiter innerhalb der CDU-Fraktion zu arbeiten: „Ich stehe auf der Liste und vertrete die Werte der CDU.“ In seinen Äußerungen zu Merl sehe er keinen Vertrauensbruch. (Lutz Benseler)

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