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OB-Wahl in Kassel: Mit Sven Schoeller (Grüne) durch den Bergpark und den Kasseler Westen

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Von: Anna Weyh

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Grüßt die Merkur-Statue: Sven Schoeller steht an seinem Lieblingsplatz unter dem Merkur-Tempel im Kasseler Bergpark, der höchsten Stelle seiner Joggingstrecke. Für unseren Termin hat er sein Rad dabei, das er durch den Bergpark schiebt.
Grüßt die Merkur-Statue: Sven Schoeller steht an seinem Lieblingsplatz unter dem Merkur-Tempel im Kasseler Bergpark, der höchsten Stelle seiner Joggingstrecke. Für unseren Termin hat er sein Rad dabei, das er durch den Bergpark schiebt. © anna weyh

Am 12. März ist OB-Wahl in Kassel. Wir haben die Kandidatinnen und Kandidaten vorab an ihre Kasseler Lieblingsplätze begleitet. Heute im Porträt: Sven Schoeller von den Grünen.

Kassel – Der Weg zum Merkur-Tempel ist steil. Sven Schoeller ist mit seiner roten Windjacke im vereisten Bergpark schon von Weitem zu sehen. Obwohl er sein Fahrrad schieben muss, scheint ihn der Weg kaum angestrengt zu haben. „Sonst gehe ich hier immer joggen“, sagt der OB-Kandidat, der mit seiner Familie in Kirchditmold wohnt, und deutet auf einen kleinen Weg unterhalb des Tempels. „Dort ist der höchste Punkt meiner Runde. Dann grüße ich die Merkur-Statue und freue mich, dass ich jetzt wieder bergab laufen kann.“

Fest um seinen Hals gebunden trägt er einen rot-weiß gestreiften Schal vom KSV Hessen. „Ich mag die Atmosphäre im Stadion, aber ich bin eher selten da“, sagt der Rechtsanwalt. Seine freie Zeit nutze er lieber, um sich zu bewegen. „Ich gehe joggen, fahre Fahrrad, und im Sommer spiele ich auch gern Tennis.“ Alles aber im Wohlfühltempo, betont er. „Das ist keine Leistungsangelegenheit. Ich bekomme so den Kopf frei“, sagt Sven Schoeller.

Sportlich aktiv ist er auch jetzt in den Wintermonaten, auch wenn er die Kälte nicht mag, sagt er, während wir durch den Bergpark gehen. „Meine Frau hat mir zu Weihnachten ein beheizbares T-Shirt und eine Mütze mit integrierter Lampe geschenkt.“ Beides trägt er auch jetzt und öffnet auf seinem Smartphone die App, die die Temperatur des Shirts steuert. Auch im Wahlkampf sei die Funktionskleidung praktisch.

Das Porträt

Am 12. März wählen die Einwohner Kassels einen neuen Oberbürgermeister. Zur Wahl haben sich sechs Personen aufstellen lassen. Ihre politischen Ziele stehen oft im Fokus unserer Berichterstattung. In dieser Serie geht es jedoch darum, wie die Kandidatinnen und Kandidaten ticken, was Kassel für sie bedeutet und was ihnen wichtig ist in der Stadt, die sie in den kommenden sechs Jahren repräsentieren möchten. Dazu haben wir sie an ihre Lieblingsplätze in der documenta-Stadt begleitet – Treffpunkt, Route und Verkehrsmittel haben sie frei gewählt. 

Bei den Besuchen in den Stadtteilen trage er aber eher die blau-grau gestrickte Mütze, mit der sich der OB-Kandidat auch auf einigen Wahlplakaten zeigt. „Die hat meine Mutter gestrickt“, sagt er. Aber die Mütze sorge auch für Kontroversen. „Ich wundere mich manchmal, worüber sich die Leute Gedanken machen. Dann ist das meiste, worüber nach einem Termin gesprochen wird, mein Einstecktuch oder der Pulli, den ich schon das zweite Mal anhatte“, sagt Sven Schoeller und schmunzelt.

„Insgesamt steht man extrem unter Beobachtung, aber das kenne ich aus meiner Kindheit“, sagt der OB-Kandidat, der in einem kleinen Dorf im Werra-Meißner-Kreis aufgewachsen ist. Sein Vater war Pfarrer, er starb, als Sven Schoeller vier Jahre alt war. „Nur wenige Tage vorher haben wir meinen älteren Bruder verloren. Er hatte Leukämie“, sagt der 50-Jährige.

Er erinnert sich an eine schwere Zeit. Seine Mutter war damals schwanger und musste ihre Ausbildung noch beenden. „Ich wurde überall herzlich aufgenommen, die Dorfgemeinschaft hat mir extrem geholfen“, sagt er.

Er zog mit seiner Familie noch mehrfach um, blieb Nordhessen bis zum Studium der Rechtswissenschaften aber treu. „Nachdem ich mein Staatsexamen in Mainz gemacht hatte – das beste in ganz Rheinland-Pfalz – hat es mich auch zurück in die Heimat gezogen“, sagt Sven Schoeller und schiebt sein Mountainbike auf eine kleine Wiese oberhalb des Gewächshauses im Bergpark.

Der Himmel ist wolkenverhangen, und doch reicht der Blick noch weit über die Kasseler Stadtteile Kirchditmold und Bad Wilhelmshöhe. „Wenn ich früh genug aufstehe, setze ich mich gern auf die Bank und schaue mir den Sonnenaufgang über der Stadt an. Dann weiß ich, dass ich hier immer noch richtig bin“, sagt der OB-Kandidat.

Weiter geht es zum Schloss Wilhelmshöhe. Dort schwingen wir uns auf die Fahrräder und fahren nach Kirchditmold. Das Auto benutze er kaum, er lege so viele Wege wie möglich mit dem Rad zurück. Vorbei an seinem Tennisclub Blau-Weiss Kassel geht es weiter durch die kleinen Gassen des Stadtteils mit dörflichem Charakter bis in den Vorderen Westen auf die Friedrich-Ebert-Straße. Noch einmal halten wir beim Café am Bebelplatz. „Hier bin ich auch mal gern und trinke einen Kaffee“, sagt Sven Schoeller.

Übrigens genauso wie im Irish Pub. Da wird der OB-Kandidat auch den Wahlabend mit seinem Team verbringen. „Und wenn’s gut läuft, singe ich Karaoke.“

Alle Kandidaten-Porträts finden Sie in unserem Themen-Spezial zur Oberbürgermeisterwahl in Kassel.

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