Haltungswechsel

Aldi: Kunden-Sorge wegen „5D-Regel“ – wird Fleisch jetzt richtig teuer?

Bis zum Jahresende 2022 will Deutschlands größte Einzelhandelskette vollständig auf „5D“ umstellen. Einigen Kunden bereitet das schon jetzt Sorgen, denn: die Preise könnten zukünftig deutlich steigen.

Im Zuge des schon im Juni dieses Jahres begonnen „Haltungswechsels“ will Aldi* zukünftig stärker auf Ware aus Deutschland setzen. Das gibt das Unternehmen Ende November in einer Pressemitteilung bekannt. Ziel sei es, so ist es dort zu lesen, ein Zeichen für mehr Tierwohl zu setzen und gleichzeitig die deutsche Landwirtschaft zu stärken*, wie HEIDELBERG24* seinerzeit berichtet. Aus diesem Grund haben sowohl Aldi Nord als auch Aldi Süd beschlossen, bis zum vierten Quartal 2022 bei konventionellem Schweinefrischfleisch konsequent auf „5D“ umzustellen. „5D” bedeutet, dass zukünftig jeder einzelne Schritt der gesamten Wertschöpfungskette bei konventionellem Schweinefrischfleisch (Geburt, Aufzucht, Mast, Schlachtung und Zerlegung/Verarbeitung) in Deutschland stattfindet.

DiscounterAldi
HauptsitzEssen (Aldi Nord)/Mühlheim an der Ruhr (Aldi Süd)
GründerKarl & Theo Albrecht
Standorte weltweit11.235
Umsatz 106,3 Milliarden US-Dollar (2019)

Tatsächlich findet schon heute lediglich der erste Schritt der Wertschöpfungskette – die Ferkelgeburt – derzeit noch in Nachbarländern statt. Die Umstellungsphase auf „5D“ wird vor allem wegen der komplexen Lieferketten noch bis zum vierten Quartal 2022 dauern.

„5D“ bei Aldi: Fleisch bald zu teuer für Geringverdiener?

Mit der an und für sich ja durchaus löblichen Initiative geht aber die Sorge von Kunden einher, das alles könnte das Fleisch im Markt schlussendlich deutlich teurer machen. Auf Facebook etwa äußert sich User Martin in eben diese Richtung: „Lieber Aldi Süd“, schreibt er da auf der Seite der Discounterkette, „auf der einen Linie ist es gut das ihr euch für mehr Tierwohl einsetzen wollt und nur noch Fleisch höchster Stufe verkaufen möchtet. Aber denkt ihr bitte auch mal an die gering verdiener und sozial Schwächere? Die sich jetzt schon kaum noch Fleisch leisten können.“

Nun kann man Martins Bedenken einerseits natürlich verstehen. Für viele Menschen – eben auch Geringverdiener – ist und bleibt Fleisch nun mal ein Luxusprodukt, das man sich eben gerne leisten (können) möchte. Andererseits darf man Martins Prioritätensetzung an dieser Stelle zumindest zur Diskussion stellen. Nun hat das Social-Media-Team bei Aldi Süd Erfahrung im Umgang mit Kundenanfragen unterschiedlichster Art*. In diesem Fall reagiert man jedenfalls betont diplomatisch – und ein bisschen ausweichend: „Hallo Martin, auch wenn wir noch nicht genau einschätzen können, wie sich die Preise entwickeln werden, bleiben wir uns dem Anspruch treu, weiterhin bestmögliche Qualität zum möglichst niedrigen ALDI Preis anzubieten. Viele Grüße, dein ALDI SÜD Team“. Man versucht zu beruhigen.

Facebook-Kommentar bei Aldi Süd (Screenshot)

Kommentare auf Facebook: „Merkwürdiger Beitrag“

Andere Kunden dagegen werden da deutlicher. „Tierwohl geht vor der egoistischen Einstellung jeden Tag Fleisch zu essen. Sorry Martin...aber die Entscheidung von Aldi find ich gut. Auch wenn ich mich dann halt etwas einschränken muss.“, kommentiert beispielsweise Yvonne. Was Martin wiederum gar nicht so lustig findet, der nämlich meint hier einen, typischen Veganerspruch“ herauszulesen. Naja.

Seine Frage, ob das Discounterfleisch nun teurer wird oder nicht, bekommt Martin weder von Aldi noch von anderen Kommentatoren beantwortet. Was vielleicht auch an der seltsamen Frage liegen mag. Ein anderer User zumindest findet einfach nur: „Merkwürdiger Beitrag“.

Der neue Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Die Grünen) hat mit seiner Forderung nach höheren Preisen für Lebensmittel in Supermärkten und Discountern ebenfalls eine heftige Debatte ausgelöst. Aldi und Kaufland* haben sich jetzt geäußert. *heidelberg24.de und ruhr24.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA (mko)

Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd/dpa

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