Neue Discounter-Strategie

Neue Lieferengpässe? Aldi bereitet sich auf den Ernstfall vor – Strategie sorgt jetzt für Kritik

Ein voller Einkaufswagen steht vor einer Filiale von Aldi Süd.
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Aldi Süd macht mit einer Strategie für den Ernstfall von sich Reden. (Symbolbild)

Mit einer neuen Strategie will sich Aldi auf den Ernstfall vorbereiten. Lieferengpässe sollen vermieden werden. Mit dem Vorgehen erntet Aldi allerdings massiv Kritik.

  • Beim Discounter Aldi war während der Pandemie oft Ebbe in den Regalen.
  • Beispielsweise diesen Mangel in Corona-Zeiten will der Discount-Riese jetzt vorbeugen.
  • Nicht nur in den sozialen Medien erntet Aldi Süd dafür viel Kritik.

Kassel - Zu Hochzeiten der Corona-Pandemie glich der Einkauf in Discountern wie Aldi und Co. einer Lotterie. „Bekomme ich heute endlich wieder Toilettenpapier?“, oder „Kann ich heute wieder Mehl oder Hefe kaufen?“ Solche Fragen mussten sich Verbraucher immer wieder stellen. Und nicht selten gab es keines der gewünschten Produkte.

Geht es nach Discountern wie Aldi Süd, sollen sich diese Probleme auf keinen Fall wiederholen. Der Konzern hat jetzt einen Plan entwickelt, um vorzeitig gegen Krisen, Pandemien und sogar für den Kriegsfall gewappnet zu sein. Doch das Vorgehen stößt nicht nur auf Applaus. Von einigen Seiten wird Kritik laut.

Aldi Süd: Discounter bereitet sich auf den Ernstfall vor – „Bevorratungsgarantie“

Zentraler Aspekt im Krisen-Plan von Aldi Süd ist es, die Lieferanten stärker in die Pflicht zu nehmen. Mit einer „Bevorratungsgarantie“ soll es für den Discounter möglich sein, auch kurzfristig mehr Waren zu bekommen. Voraussetzung sei dabei, „dass Umstände vorliegen, die objektiv die Annahme rechtfertigen, dass sich die Nachfrage nach der vom Verkäufer zu liefernden Ware kurzfristig deutlich erhöhen wird“, heißt es in einem Schreiben an die Hersteller, das der „Lebensmittel Zeitung“ vorliegt.

Aldi Süd
MitarbeiteranzahlÜber 47.500
FilialenRund 1940
BasisartikelCirca 1700
Aktionsartikel pro WocheCirca 120
Quelle: aldi-sued.de

Diese Umstände seien beispielsweise Pandemien, wie in Corona-Zeiten, soziale Unruhen oder Krieg, heißt es weiter. Doch was müssen die Lieferanten genau machen? Im Schreiben ist die Rede davon, dass „Lieferanten für den Krisenfall bei besonders kritischen Artikeln in bestimmten Warengruppen einen gewissen Vorrat vorhalten“, erklärt Aldi Süd gegenüber der Lebensmittelzeitung. Bei einem höheren Bedarf, sollen sich Hersteller dazu bereiterklären, für drei Monate zwischen 130 und 150 Prozent der durchschnittlichen Menge zu liefern. Bei Nichterfüllung drohe Schadensersatz. Hersteller stellt dieses Vorgehen vor Probleme.

Kritik am Vorgehen von Aldi Süd: Lagerung als Problem

Denn auch viele Produzenten hat die Corona-Krise hart getroffen. Arbeitsausfälle, durchbrochene Lieferketten und viele weitere Probleme, machten es den Herstellern schwer. Die Forderungen von Aldi Süd gehen einigen zu weit. Manche zögern mit der Unterschrift. Wegen der Vertragsklausel, weiß die Zeitung. Denn Vorräte in einer solchen Höhe fordern nicht nur eine vielfach höhere Produktion, sondern auch wesentlich mehr Kapazitäten zur Lagerung. Der Discounter strebe jedoch eine faire Lösung an. „Unseren Lieferanten sollen durch die Bevorratung keine unangemessenen Benachteiligungen entstehen“, wird der Konzern von der „Lebensmittel Zeitung“ zitiert.

Wie diese „faire Lösung“ genau aussieht, darüber ist noch nichts bekannt. Klar ist: Aldi Süd versucht den Kampf gegen Hamsterkäufe und leere Regale in der Corona-Pandemie aufzunehmen. Auch in den sozialen Netzwerken hagelt es Kritik. „Ihr wollt Geld verdienen, Umsatz machen, also müsst ihr für Lagermöglichkeiten sorgen, nichts anderes“, schreibt eine Nutzerin auf Facebook. Auf die Frage, warum Aldi nicht selbst für Lagerung sorgt, antwortet ein Facebook-User: „Kostet Geld, vermindert dadurch den Gewinn! Außerdem werden dadurch Risiken an die „Verkäufer“ abgetreten“.

Aldi Süd: Discounter-Riese versucht Marktmacht in Corona-Pandemie auszubauen

Die „Bevorratungsgarantie“ ist nicht der erste Vorstoß des Discounter-Riesen. Aldi versucht mit unterschiedlichen Methoden, seine Marktmacht in der Corona-Pandemie auszubauen. Sei es durch eine Umstellung im Kassenbereich von Aldi Süd, oder durch ein Feature für FFP2-Masken. So bot Aldi Süd Einlagen für Corona-Masken an, die den Tragekomfort und die Nutzungsdauer erhöhen sollen. (Sophia Lother)

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