1. Startseite
  2. Verbraucher

Lebensmittelpreise könnten nochmals explodieren – Experten warnen: „Das Schlimmste kommt noch“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jan-Frederik Wendt

Kommentare

Die Lebensmittelpreise bei Aldi, Lidl, Rewe, Edeka und Co. steigen seit Wochen. Laut Experten wird sich die Entwicklung in naher Zukunft nicht umkehren.

Kassel - Wegen des Ukraine-Konflikts kam es bereits mehrfach zu Engpässen und teureren Lebensmittelpreisen in Supermärkten. Erst vor kurzer Zeit warnte eine Expertin vor drastischer Weizen-Knappheit. Künftig müssen sich Kunden von Aldi, Lidl, Rewe, Edeka und Co. auf weitere Preissteigerungen einstellen. „In Deutschland dürften die Preise im Lebensmitteleinzelhandel 2022 um mehr als 10 Prozent anziehen“, fasste der Handelsexperte Aurélien Duthoit vom Kreditversicherer Allianz Trade das Ergebnis einer aktuellen Studie gegenüber welt.de zusammen. Umgerechnet entspreche das durchschnittlich 250 Euro Mehrkosten im Jahr pro Kopf.

Trotz der jüngsten Preissteigerungen bei Aldi, Lidl und Co. seien die Preise im Lebensmitteleinzelhandel weit davon entfernt, den tatsächlichen Preisanstieg bei Lebensmitteln in den vergangenen 18 Monaten widerzuspiegeln. „Das Schlimmste kommt auf die Haushalte also erst noch zu“, warnte Duthoit.

Bei Lidl, Aldi, Edeka, Rewe und Co.: Experten erwarten weitere Preisanstiege (Symbolfoto).
Bei Lidl, Aldi, Edeka, Rewe und Co.: Experten erwarten weitere Preisanstiege (Symbolfoto). © Dinendra Haria/Imago

Aldi, Lidl, Edeka, Rewe und Co.: Preise steigen laut Studie noch einmal drastisch

Die Hersteller von Lebensmitteln und Getränken haben ihre Preise in Deutschland der Studie zufolge seit Anfang 2021 um durchschnittlich 16,6 Prozent angehoben. Am stärksten waren die Aufschläge bei Produkten des täglichen Bedarfs wie Öle und Fette (plus 53 Prozent), Mehle (plus 28 Prozent) und Nudeln (plus 19 Prozent).

Im Gegensatz dazu seien die Preise im Lebensmitteleinzelhandel nur um vergleichsweise bescheidene 6 Prozent angestiegen, heißt es in der Studie. Dabei entfielen im Lebensmitteleinzelhandel 75 Prozent der Gesamtkosten auf den Einkauf. Hier bestehe also noch Nachholbedarf. „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich Einzelhandelspreise im Großen und Ganzen an die Erzeugerpreise anpassen, wenn auch mit einer gewissen Verzögerung“, sagt Duthoit.

Rewe, Edeka, Lidl, Aldi und Co.: Branche unter Druck

„Die hohe Inflation und der nach der Pandemie verzeichnete Absatzrückgang bei Lebensmitteln in den Geschäften setzen die Rentabilität im Lebensmitteleinzelhandel unter Druck“, sagte Duthoit. „Insofern dürften die Preissteigerungen zeitnah und in hohem Maße auf die Verbraucherpreise durchschlagen.“

Laut einer aktuellen Umfrage des Ifo-Instituts planen neun von zehn Unternehmen im Einzelhandel mit Nahrungs- und Genussmitteln weitere Preiserhöhungen. Hauptgrund für die zunehmenden Preise bei Rewe, Edeka und Co. seien die höheren Energie-, Rohstoff-, Handelswaren- und Vorproduktkosten.

Experte rechnet mit Preisanstiegen bei Edeka, Aldi, Lidl, Rewe und Co.

Auch die Landwirtschaft sendete zuletzt beunruhigende Signale für Verbraucherinnen und Verbraucher. Erst vor kurzer Zeit warnte der Deutsche Bauernverband, dass die angespannte Lage auf den Agrarmärkten vermutlich noch mehrere Monate andauern werde. Grund dafür sei der russische Angriffskrieg in der Ukraine. Der stellvertretende Generalsekretär Udo Hemmerlin befürchtet, dass die kritische Versorgungssituation über die Ernte 2023 hinausreichen werden. Daher rechnet der Experte mit weiteren Preiserhöhungen bei Aldi, Lidl, Edeka, Rewe und Co.

MonatVeränderung des Verbraucherpreisindex für Nahrungsmittel
Januar4,9 Prozent
Februar5,1 Prozent
März5,9 Prozent
April8,0 Prozent
Quelle: Destatis

Beispielsweise könnten Milchprodukte deutlich teurer werden. „Bei Milchprodukten mit längeren Kontraktlaufzeiten sind die Preissteigerungen im Laden teils noch nicht wirklich angekommen, das wird erst in den kommenden Wochen und Monaten geschehen“, sagte Björn Börgermann, Geschäftsführer des Milchindustrie-Verbandes, der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Steigerungsraten von 20 Prozent könnten durchaus möglich sein“, so Börgermann. Am Ende entscheide sich dies zwischen Molkereien und Handelsunternehmen.

Edeka: Supermärkte dürfen Preisanstiege nicht für ihre Renditen missbrauchen

Große Handelsketten versuchen den Preisanstieg zu bekämpfen. Edeka-Chef Markus Mosa appelliert seit Wochen an die großen Markenhersteller, den Bogen bei den Preiserhöhungen nicht zu überspannen. „Steigende Verbraucherpreise dürfen aber nicht als Alibi der Industriekonzerne dienen, um ihre Renditen mit überhöhten Preisanforderungen zu maximieren“, sagte Mosa.

Edeka werde in Verhandlungen mit den Herstellern vermeidbare Preissteigerungen abwenden. Nicht vermeidbare Preiserhöhungen dürften nicht allein den Verbrauchern aufgebürdet, sondern müssten in der gesamten Wertschöpfungskette verteilt werden. Ähnlich äußerte sich Rewe-Chef Lionel Souque. (Jan-Frederik Wendt)

Auch interessant

Kommentare