Ekel-Keime entdeckt

Putenfleisch-Skandal bei Aldi und Lidl: Tests haben beunruhigende Ergebnisse

Die Logos von Aldi und Lidl an der Außenfassade der Supermärkte, gemeinsam aufgenommen
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Putenfleisch-Tests der Deutschen Umwelthilfe liefern beunruhigende Ergebnisse bei den Discountern Aldi und Lidl.

Discounter-Fleisch gerät immer wieder in Verruf für seine Produktionsbedingungen. Nach Proben an Putenfleisch bei Aldi und Lidl schlägt die Deutsche Umwelthilfe jetzt Alarm.

Berlin – Nicht nur schlechte Haltungsbedingungen, sondern auch der Einsatz von Antibiotika ist vor allem bei Billigfleisch meist üblich. Und das hat Konsequenzen: Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat in mehr als jeder vierten Putenfleisch-Probe der Discounter Aldi* und Lidl antibiotikaresistente Keime gefunden.

Im Rahmen einer Stichprobe hat die Umwelthilfe eine Reihe von Testkäufen in jeweils 31 Lidl- und Aldi-Filialen in verschiedenen Regionen bundesweit gemacht und dabei erschreckende Erkenntnisse errungen: Ein Drittel der 31 Proben bei Lidl und ein Viertel der Proben bei Aldi war mit Keimen belastet, die eine Resistenz gegen Antibiotika aufweisen. Dabei handelt es sich um Putenfleisch der Haltungsklasse 2, der Stallhaltung Plus.

Deutschen Umwelthilfe: Antibiotikaresistente Keime auf jedem vierten Discounter-Putenfleisch

Auch besonders gefährliche Erreger, die gegen, für Menschen wichtige, Reserve-Antibiotika resistent sind, fand die DUH in jeder vierten Probe des Lidl-Putenfleisches. Aus aktuellem Anlass warnt der Umwelt- und Verbraucherschutzverband vor gefährlichen Konsequenzen der Massenmedikation mit Antibiotika in der industriellen Massentierhaltung.

Durch die massenhafte Vergabe von Antibiotika an die Tiere über das Futter bilden sich Resistenzen gegen die Medikamente. Diese können sich auch schädlich auf den Menschen auswirken, denn: Nach Angaben des Verbandes infizieren sich rund 670 000 Menschen jährlich mit antibiotikaresistenten Erregern, mehr als 245 000 Infektionen würden dabei aus Quellen wie eben der Massentierhaltung stammen. Wer Fleisch verzehrt, das antibiotikaresistente Keime enthält, riskiert dadurch eigene Resistenzen aufzubauen. Gerade in solchen Fällen sind Reserve-Antibiotika überlebenswichtig.

Nach Untersuchungen der DHU: Kritik am Einsatz von Antibiotika in Massentierhaltung

Trotz der Gefahren sei der Einsatz von Antibiotika und der Verkauf von betroffenem Fleisch in Deutschland weiterhin gesetzlich erlaubt, es gebe keine Grenzwerte für diese Belastungen, kritisiert die DUH. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt deshalb, die Verwendung von Reserve-Antibiotika für Menschen vorzubehalten und die Mittel nicht in der Fleischwirtschaft einzusetzen. „Die EU droht zwei große Chancen zu verpassen: Erstens Menschenleben zu retten, durch das Verhindern weiterer Antibiotikaresistenzen und zweitens das Tierwohl und die artgerechte Haltung von Nutztieren zu verbessern“, kritisiert Frank Ulrich Montgomery, Vorstandsvorsitzende des Weltärztebundes. Schließlich werde Antibiotika auch eingesetzt, um Mängel in nicht-artgerechten Haltungsformen auszugleichen.

Aldi und Lidl hatten bereits angekündigt ab 2030 komplett auf Fleisch der höheren Haltungsform 3 und 4 umzusteigen. Reinhild Benning, DUH-Agrarexpertin, dauert das zu lange: „Es darf nicht sein, dass sie den Menschen noch neun Jahre lang Fleisch mit mehrfach resistenten Keimen verkaufen dürfen. Wir fordern einen sofortigen Ausstieg aus den Haltungsstufen 1 und 2.“

Auch Edeka* wird schon länger von Greenpeace* mangels Plänen zum Wechsel auf bessere Haltungsformen bei Fleisch kritisiert. Die Umweltorganisation verlieh dem Einzelhändler daher kürzlich die „Goldene Kotzwurst 2021“* für besondere Unverdienste beim Klima- und Tierschutz. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. (klb)

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