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Regale im Supermarkt bald wieder leer? AdBlue-Mangel könnte neue Krise verursachen

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Von: Constantin Hoppe

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News Bilder des Tages Leeres Regal für Hygieneartikel in einem Edeka-supermarkt in den Schönhauser Allee Akarden in Berl
Sollte es zu einer AdBlue-Knappheit kommen, könnten ganze Supermarktregale leer bleiben. © R. Price/Imago

Die Gas-Krise zieht weite Kreise: Durch die hohen Gaspreise geraten nun auch AdBlue-Produzenten unter Druck. Das könnte zu einer weiteren Teuerungswelle führen.

Kassel – Verbraucher ächzen derzeit unter den hohen Preisen. Egal ob bei Strom, Gas oder im Supermarkt – überall schnellen die Kosten in die Höhe. Und ein Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht: Jetzt droht angesichts der Gas-Krise das AdBlue für Dieselmotoren knapp zu werden. Lkw sind auf den Stoff angewiesen und könnten dann unter Umständen nicht mehr fahren. Ganze Lieferketten könnten lahmgelegt werden. Das hätte große Auswirkungen auf die Verbraucher.

Eine AdBlue-Knappheit würde dazu führen, dass nahezu alle Speditionen und Transporteure nicht mehr mit ihren Sattelschleppern auf den Straßen unterwegs wären, um Waren für Supermärkte und Händler anzuliefern. Firmen, Tankstellen und Supermärkte wie Aldi, Lidl, Rewe und Co. bekämen große Lieferprobleme. Und das könnte zur nächsten Teuerungswelle führen. Schon jetzt hat die Gas-Krise Auswirkungen auf den Warenbestand bei den Einzelhändlern.

AdBlue-Mangel und leere Supermärkte: Die Ursache liegt in der Gas-Krise

AdBlue ist eine flüssige Harnstofflösung und wird bei Fahrzeugen mit SCR-Katalysator zur Reduzierung der Stickoxidemissionen eingespritzt. Dort reagiert sie mit den Schadstoffen und wandelt sie fast vollständig in Wasserdampf und ungefährlichen Stickstoff um. Eine saubere Sache, solange sich AdBlue im Tank befindet.

AdBlue
Inhaber:Verband der Automobilindustrie (VDA)
Einführungsjahr:2009
Vertrieb:weltweit

Die Lösung fällt als Nebenprodukt der Düngemittel-Herstellung an. Doch auch diese Branche leidet stark unter der Gas-Knappheit und der Energiekrise. Die Produktion benötigt viel Gas. So droht beispielsweise bei einem der größten Düngemittelproduzenten in Deutschland, der SKW Stickstoffwerke Piesteritz in Wittenberg, angesichts der Gaskrise ein Produktionsstopp und Kurzarbeit im Oktober, wie die dpa berichtete.

Leere Supermarkt-Regale bei Aldi, Lidl & Co.: Hersteller SKW droht ein Produktionsstopp im Oktober

SKW stellt jedoch neben Düngemittel auch AdBlue her. Nahezu jeder Lastwagen der Speditions-, Logistik und Transportbranche in Deutschland fährt mit Diesel und benötigt daher AdBlue. „Die Fahrzeuge bringen auch die Lebensmittel in die Supermärkte“, sagte ein Sprecher von SKW gegenüber der dpa.

Ist der AdBlue-Tank leer, verweigert die Motorsteuerung in modernen Fahrzeugen einen Neustart, das Fahrzeug – egal ob Pkw oder Lkw, Lieferwagen, Rettungs- oder Löschfahrzeug – bleibt dann stehen, erklärt der ADAC. Betroffen wären also deutlich mehr Fahrzeuge, als nur Lkw.

Leere Regale bei Aldi, Lidl, Rewe durch AdBlue-Mangel?

Bereits Ende des Jahres 2021 wurde AdBlue knapp – die Gas-Krise könnte diese Entwicklung nun noch zusätzlich anfeuern. Schon kurz nach dem sich der Ukraine-Konflikt zu einem Krieg ausgeweitet hatBeginn des Ukraine-Kriegs hatte sich der Preis für AdBlue nach Angaben des Handelsblatts verdoppelt, mittlerweile vervierfacht. Und mittlerweile sind die Vorräte von AdBlue bei den meisten Speditionen größtenteils aufgebraucht, wie beispielsweise Transportunternehmer Georg Mayer gegenüber BR24 erklärte.

Doch auch die alternativen Antriebe haben mit Nachteilen zu kämpfen: Auch sie leiden unter den hohen Energiekosten, das gilt insbesondere für Fahrzeuge mit Erdgas-Motoren.

AdBlue-Mangel und leere Supermärkte: Güterverkehr oder Umwelt – ein Dilemma

In Deutschland werden jedes Jahr rund 3,1 Milliarden Tonnen Güter per Lkw angeliefert, ist einer Statistik des Statistischen Bundesamtes zu entnehmen. Diese würden dann größtenteils stehen bleiben, denn auch wenn alternative Antriebe bei den Lkw im Kommen sind, sind sie noch nicht weit verbreitet. Nach Angaben des europäischen Automobilherstellerverbands ACEA hatten 2020 weniger als 5 Prozent der in Deutschland zugelassenen Lkw einen alternativen Antrieb.

Könnten also aufgrund des AdBlue-Mangels bereits in wenigen Wochen die Supermarkt-Regale leer bleiben? Im Ernstfall müssten die Fahrzeuge entweder stehenbleiben oder der Ausstoß deutlich dreckigerer Abgase von der Politik erlaubt werden, erklärte Mayer BR24. Doch letzteres würde die Umwelt stark belasten. (con)

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