Klage gegen Discounter

„Systematische Kundentäuschung“ bei Aldi? Preisschilder sorgen für Ärger

Zeichnet Aldi Nord Produkte systematisch falsch aus? Die Verbraucherzentrale verklagt den Discounter.
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Zeichnet Aldi Nord Produkte systematisch falsch aus? Die Verbraucherzentrale verklagt den Discounter.

Aldi muss sich gerade vor Gericht verantworten. Verbraucherschützer werfen dem Discounter Schludrigkeit mit System vor. Was es damit auf sich hat.

Kassel/Hamburg - Eine 70 Gramm-Packung mit veganem Aufschnitt wird für Aldi aktuell zu einem großen Problem. Denn der Discounter hat den Preis nicht ordnungsgemäß ausgezeichnet. Die Verbraucherzentrale Hamburg verklagt Aldi Nord deswegen jetzt.

Konkret geht es darum, dass Aldi in mindestens zwei Fällen Verpackungen mit diesem Inhalt verkauft haben soll, ohne den Grundpreis, den Preis pro 100 Gramm oder pro Kilo, korrekt am Regal anzugeben. Diesen Fehler hat die Verbraucherzentrale jetzt zum Anlass genommen, um zu handeln und die Regionalgesellschaft Horst vor dem Landgericht Itzehoe zu verklagen.

Verbraucherzentrale verklagt Aldi: „Schlampigkeit hat System“

Eine Klage wegen zwei falsch gekennzeichneten Verpackungen? Ganz so einfach ist der Fall nicht, denn die Verbraucherzentrale sieht ein viel größeres Problem. „Die Schlampigkeit hat anscheinend System“, sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Damit meint er, dass den Kontrolleuren der Verbraucherzentrale bei Stichproben in fünf weiteren Aldi-Märkten in Hamburg mehr als 100 weitere Verstöße aufgefallen sind - und das nicht nur bei der Auszeichnung des Grundpreises. „Es gab fehlende Grundpreise, falsche Grundpreise, fehlende und falsche Preisschilder, auch vereinzelt irreführende Angaben zu Preissenkungen sowie verwirrende Angaben mit Beispielpreisen auf dem Preisschild“, sagte die Verbraucherschützer. In einer Filiale fanden die Kontrolleure offenbar 30 Verstöße.

UnternehmenAldi
Gründung1946
HauptsitzEssen
Umsatz91,9 Milliarden USD (2018)

Aldi Nord wegen falscher Preisauszeichnungen vor Gericht: Discounter wehrt sich

Dass die Auseinandersetzung zwischen Aldi Nord und der Verbraucherzentrale nun vor Gericht gelandet ist, hat einen weiteren Grund. Der Discounter hat sich geweigert, für die fehlenden Grundpreise beim veganen Aufschnitt eine Unterlassungserklärung zu unterzeichnen, teilt die Verbraucherzentrale Hamburg mit. Mit der Klage wolle man den vielen Verbraucherbeschwerden zu diesem Thema Gehör verschaffen.

Aldi Nord wehrte sich gegen die Feststellungen und weist die Vorwürfe „in aller Deutlichkeit“ zurück. „Hier wird uns unverblümt vorsätzliche und systematische Täuschung unserer Kundinnen und Kunden bei den Preisauszeichnungen vorgeworfen“, heißt es in einer Stellungnahme, berichtet die Welt. Im gesamten Gebiet von Aldi Nord gebe es jedoch mehr als 2200 Märkten - und zu diesem Thema habe Aldi keine Kundenbeschwerde erreicht. Da die Klage bisher nicht zugestellt sei, könne man inhaltlich dazu noch nicht Stellung beziehen.

Video: Verbraucherzentrale warnt vor Corona-Mogelpackungen

Verbraucherzentrale klagt an: Fehlerhafte Grundpreise nicht nur bei Aldi ein Problem

Zudem argumentiert Aldi, die Preisangabenverordnung greife bei dem Aufschnitt nicht. Diese gelte nur, wenn ein Produkt unter anderem nach Gewicht angeboten werde. Dies sei bei dem Produkt aber nicht so. Es werde eine „Packung“ angeboten, zitiert die Süddeutsche Zeitung eine E-Mail des Unternehmens. Aldi betont zudem, alle Vorgaben der Preisangabenverordnung „selbstverständlich“ einzuhalten.

Die Verbraucherzentrale hat jedoch nicht nur Aldi im Visier, die Klage kann als Warnschuss für die gesamte Branche verstanden werden. „Wir gehen davon aus, dass andere Supermärkte auch nicht sorgfältiger bei der Angabe von Grundpreisen sind“, so der Vorwurf der Verbraucherzentrale Hamburg. „Fehlende oder fehlerhafte Grundpreisauszeichnungen gelten im Einzelhandel als Kavaliersdelikt. Die Supermärkte und Discounter wissen, dass praktisch niemand die Grundpreise kontrolliert und die Rechtsvorschriften durchsetzt“.

Verbraucherzentrale: Grundpreis ermöglich Preisvergleich von verschiedenen Produkten

Und das, obwohl der Grundpreis laut den Verbraucherschützer in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat. In der Preisangabenverordnung ist geregelt, welche Informationen Händler bei verschiedenen Produkten angeben müssen. Die Angabe des Grundpreises soll einen Preisvergleich zwischen verschiedenen Produkten ermöglichen. Denn seit einer Gesetzesreform dürfen Lebensmittel in der Europäischen Union in verschiedenen Füllmengen angeboten werden. Nur bei sehr wenigen Waren gibt es Ausnahmen von der Kennzeichnungspflicht.

Die Verbraucherschützer wiesen zuletzt auf ein weiteres Problem hin. In Supermärkten und wie Rewe und Edeka und Discountern wie Lidl und Aldi werden oft identische Obst- und Gemüsesorten zu unterschiedlichen Preisen verkauft. (Sarah Neumeyer)

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