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Amazon: Das Unternehmens-Imperium

Amazon
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Amazon ist einer der großen Player im Onlinehandel.

Amazon ist der weltweit größte Onlinehändler. Alles zur Geschichte und den angebotenen Diensten dieses Unternehmens.

Seattle – Amazon ist der größte Onlinehändler weltweit. Im Pandemie-Jahr 2020 erzielte das Unternehmen einen Rekordumsatz von 386,06 Milliarden US-Dollar, was im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung von rund 38 Prozent bedeutet.

Amazon: Über 286 Milliarden US-Dollar Umsatz im Corona-Jahr 2020

Der Ursprung des Erfolges von Amazon liegt allerdings nicht, wie man vermuten würde, im kalifornischen Silicon Valley – sondern an der New Yorker Wall Street. 1990 arbeitet Jeff Bezos beim Vermögensverwalter D. E. Shaw & Co.

D. E. Shaw & Co. hatte durch die Einführung von Datenanalysen die Wall Street revolutioniert. Die Aufgabe von Amazons Firmengründer Jeff Bezos war es, für das Unternehmen nach neuen Geschäftsfeldern zu suchen – insbesondere im damals noch frischen Internet. Sehr schnell kamen er und David E. Shaw auf die Idee, einen Onlinehandel für Bücher einzurichten. Der Grund: Bei Büchern gibt es außergewöhnlich viele unterschiedliche Artikel. Im Gegensatz zum Buchhändler um die Ecke verfolgte man das Ziel, alle Bücher anzubieten. Wirklich alle. Das war die erste große Innovation.

NameAmazon.com, Inc.
Gründung1994
SitzSeattle, USA
LeitungJeff Bezos
Mitarbeiterzahl1.298.000
Umsatz386 Milliarden US-Dollar

Im Juli 1995 ging Amazon online. Zuvor hatte er sich von D. E. Shaw & Co getrennt, um seine Idee alleine weiterzuverfolgen. Er nahm geschätzte 300.000 Dollar von seinen Eltern an und investierte sie in Amazon. Das Geschäft wuchs relativ schnell, weshalb man bald auf die Idee kam, andere Produkte als Bücher zu verkaufen. Die nächste große Neuerung betraf die Analyse des Kundenverhaltens, die durch das Internet ermöglicht wurde. Mithilfe dieser Datenanalyse gelang es Amazon sehr schnell, neue Kunden zu erreichen. Gleichzeitig verfolgte man eine aggressive Strategie, um die Konkurrenz vom Markt zu drängen: 20 Jahre lang machte Amazon keine Gewinne, um einen Service anzubieten, den sich die Konkurrenz nicht leisten konnte. So befreite Amazon seine Kunden beispielsweise von der Mehrwertsteuer.

Mit der Zeit übte Amazon stetig größeren Druck auf Buchhändler aus

Die nächste große Neuerung war, dass Amazon seine Produkte nicht mehr nur selbst verkaufte, sondern sich als Plattform für andere Verkäufer öffnete. Das bescherte Amazon nicht nur einen enormen Kundenzuwachs. Die Plattform bekam bei jedem verkauften Produkt eine Provision. Doch der eigentliche Vorteil bestand darin, dass Amazon die Regeln diktieren konnte. Sehr schnell verschärfte man unter den Anbietern den Konkurrenzdruck. Insbesondere Buchverlage litten darunter.

Der Konflikt zwischen Amazon und den Verlagen spitzte sich zu, als Amazon den ersten E-Reader auf den Markt brachte. Hiermit konnte Amazon die Oberhand in der Preisgestaltung mit den Verlagen erlangen. 2005 folgte die nächste Innovation: Das Abo-Angebot Amazon Prime, welches die Kunden nicht nur von den Versandkosten entband, sondern eine Lieferung innerhalb von zwei Tagen versprach, was zu der Zeit in den USA noch sehr ungewöhnlich war. Amazon Prime sollte in der Folge das erfolgreichste Abonnement weltweit werden.

Amazon Prime ist das weltweit erfolgreichste Abonnement

Die schnelle Lieferzeit bei Amazon-Prime benötigte eine große Infrastruktur. Daher ließ Amazon überall in den USA Logistikzentren bauen. Seitdem steht der Konzern allerdings auch wegen der teils prekären Arbeitsbedingungen in der Kritik. So ließ man seine Mitarbeiter überwachen, um mithilfe von Datenanalysen die Logistik zu optimieren.

Jeff Bezos hat seine unternehmerische Tätigkeit auch auf andere Felder ausgeweitet. So gründete der bekennende Fan von Star Trek im Jahr 2000 das private Raumfahrtunternehmen Blue Origin. Dessen Hauptsitz befindet sich in Kent (Bundesstaat Washington). Die ursprüngliche Vision des Unternehmens ist die Entwicklung von wiederverwendbaren Raumfahrzeugen, um Menschen an den Rand des Weltraums zu befördern. Des Weiteren wird darauf hingearbeitet, dass private Dienstleister bemannte Flüge zur ISS durchführen können. Außerdem arbeitet Blue Origin an dem Mondlandegerät Blue Moon.

2013 blätterte Jeff Bezos 250 Millionen US-Dollar für die renommierte Tageszeitung Washington Post hin. Am 2. Februar 2021 gab Jeff Bezos bekannt, im dritten Quartal 2021 von seiner Funktion als CEO bei Amazon zurückzutreten und stattdessen den geschäftsführenden Vorsitz des Verwaltungsrats zu übernehmen.

Welche Dienste bietet Amazon an?

Neben dem klassischen Amazon Marketplace bietet der Konzern eine ganze Reihe weiterer Services an. Dazu gehört zum Beispiel Amazon Prime Video, wo man Filme streamen kann. Im Markt um Musik-Streaming-Dienste stieg Amazon mit Amazon Music ein. In deutschen Großstädten wie Berlin, Hamburg oder München gibt es AmazonFresh: Hier lassen sich Lebensmittel online bestellen und innerhalb von zwei Stunden nach Hause liefern.

Ein besonders lukratives Geschäft dieses Unternehmens heißt Amazon Web Services. Hierbei handelt es sich um einen Cloud-Computing-Anbieter. Zahlreiche große Unternehmen wie Netflix, Dropbox oder Reddit nehmen diesen Dienst in Anspruch. 2017 wurde Amazon Web Services als führender internationaler Anbieter von Cloud Computing eingestuft.

In den USA existiert Amazon Go. Hierbei handelt es sich um einen Supermarkt, der vollständig ohne Kassenbereich auskommt. Zwar plante Amazon von diesen Supermärkten bis 2021 mehr als 3000 zu eröffnen, 2020 waren jedoch nur 27 in Betrieb.

Nicht jeder Amazon Dienst war erfolgreich

Nicht alle Services, die Amazon in der Vergangenheit angeboten hat, waren mit Erfolg gekrönt. So startete das Unternehmen Amazon Dash. Hierbei handelt es sich um einen drahtlosen, batteriebetriebenen Knopf, bei dessen Drücken automatisch ein Produkt des täglichen Bedarfs bestellt wird.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen mahnte Amazon wegen dieses Dienstes jedoch ab: Auf der Schaltfläche fehlte der vorgeschriebene Hinweis, dass beim Drücken des Knopfes automatisch eine kostenpflichtige Bestellung ausgelöst wurde. In der Folge erklärten einige deutsche Gerichte den Dienst in der Bundesrepublik für rechtswidrig. Ende Februar 2019 wurde bekannt, dass Amazon den Dienst vollständig einstellt. (Joshua Schößler)

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