Neue Bundesregierung

Verlängerte Probezeit und TÜV-Alternative: So sehen die Verkehrspläne der Ampel aus

Die Ampel-Koalition plant einige Änderungen im Verkehr. Diese betreffen vor allem Fahranfänger.
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Die Ampel-Koalition plant einige Änderungen im Verkehr. Diese betreffen vor allem Fahranfänger.

Die Ampel-Koalition plant große Änderungen im Verkehr. Besonders Fahranfänger können sich auf deutliche Verschärfungen einstellen.

Berlin/Kassel – Am 7. Dezember haben SPD, FDP und Grüne den Koalitionsvertrag unterzeichnet, dementsprechend steht es nun fest: Die nächste Bundesregierung in Deutschland wird von den Ampel-Parteien unter Kanzler Olaf Scholz (SPD) geführt.

Die Pläne aus dem Koalitionsvertrag der Ampel sind bereits bekannt - besonders im Verkehr soll sich hierzulande vieles ändern. Ein großer Punkt ist die Verkehrswende, die weiter vorangetrieben werden soll. Demnach wollen SPD, FDP und Grüne gemeinsam in nachhaltige, innovative sowie bezahlbare Mobilität investieren und insbesondere den öffentlichen Nah- und Fernverkehr attraktiver gestalten. Aber auch für Autofahrer soll sich künftig einiges ändern - vor allem für neue Verkehrsteilnehmer.

Mehr Sicherheit im Verkehr: Ampel will Probezeit für Fahranfänger verlängern

Laut einem Bericht der Rheinischen Post sollten sich besonders Fahranfänger auf verschärfte Regelungen einstellen. Die Verkehrsminister der Bundesländer planen demnach eine „umfassende Reform“ für junge Autofahrer, um für mehr Sicherheit zu sorgen und Unfällen vorzubeugen. Dies gehe aus einer Beschlussvorlage einer geplanten Verkehrsministerkonferenz hervor. Insbesondere die Probezeit für Fahranfänger soll angepasst werden. Diese beträgt aktuell zwei Jahre, soll aber auf drei Jahre verlängert werden.

Eine Reduzierung um ein Jahr soll dann möglich sein, wenn die neuen Verkehrsteilnehmer rund vier Monate nach dem Erhalt des Führerscheins freiwillig zwei sogenannte „Feedbackfahrten“ von jeweils 90 Minuten absolvieren. In dieser bekommen die Autofahrer eine professionelle Rückmeldung auf ihr Verhalten und Können am Steuer. Eine weitere Option seien noch spezielle Fahrsicherheitstrainings.

Bis zum Frühjahr 2022 soll die Reform schließlich umgesetzt werden. Notwendig sei sie außerdem, weil die Ampel-Koalition plant, das Alter für das begleitete Fahren auf 16 Jahre herabzusetzen. „Längere assistierte Fahrpraxis führt zu mehr Erfahrung, wenn man dann alleine am Steuer sitzt“, sagte Saarlands Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD) der Rheinischen Post.

Im Video: Das sind die Pläne der Ampel-Koalition für den Verkehr

Ampel-Pläne für den Verkehr: Kommt Konkurrenz für TÜV und Dekra?

Neuregelungen soll es auch für Führerscheinprüfungen geben. Einem Bericht von focus.de zufolge sollen künftige Fahranfänger nicht mehr so lange auf einen Prüfungstermin warten müssen. Sechs Wochen seien in vielerorts die Regelwartezeit, die neue Regierungskoalition wolle das nun ändern. Auf Druck der FDP soll „das Monopol bei der Fahrerlaubnisprüfung unter Wahrung geltender Qualitätsstandards“ aufgehoben werden. Doch was bedeutet das?

Im Großen und Ganzen sollen die derzeit einzigen Prüfstellen TÜV und Dekra in Deutschland Konkurrenz bekommen. Beide Organisationen haben in Bundesländern jeweils das Monopol auf die Prüfungsabnahme - der TÜV eher im Westen und die Dekra im Osten. Die derzeitigen langen Wartezeiten liegen laut TÜV jedoch an der Corona-Pandemie. Lockdowns sowie Hygienebestimmungen hätten die Situation nochmal verschärft. Auch fehle an vielen Stellen das Personal für die praktischen Fahrprüfungen, heißt es.

Pläne der Ampel-Koalition: FDP-Chef Christian Lindner befürwortet weitere Prüfstellen für die Abnahme der Fahrerlaubnis im Verkehr.

Fahrerlaubnis im Verkehr: Ampel plant Berechtigung weiterer Prüfstellen

In der aktuellen Situation wittern besonders Konkurrenten von TÜV und Dekra eine Chance - darunter die Gesellschaft für Technische Überwachung GTÜ. Die Organisation beschäftige unter anderem ehemalige Prüfer von TÜV und Dekra und wolle gegen die langen Wartezeiten Abhilfe schaffen. „Das bestehende Monopol der Fahrerlaubnisprüfung muss dringend geöffnet werden“, sagte Robert Köstler, Sprecher der GTÜ.

Mit FDP-Chef Christian Lindner habe bereits ein Treffen stattgefunden, um über das Thema zu sprechen. Mit Erfolg: Im Koalitionsvertrag steht nun, dass sich die Regeln zur Fahrerlaubnisprüfung so ändern, dass die GTÜ sowie andere Mitbewerber zum Zuge kommen können. Die endgültige Entscheidung muss dann der neue Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) treffen.

Fahrlehrer und Prüflinge begrüßen den Vorschlag, dass weitere Prüfstellen für die Abnahme der Fahrerlaubnis berechtigt werden sollen. Der TÜV hingegen zeigt sich eher weniger begeistert. Alle Schritte, „die zu einer höheren Qualität der Fahrausbildung führen, um die hohen Durchfallquoten bei den Fahrprüfungen zu senken und einen Beitrag zur Verkehrssicherheit zu leisten“, seien grundsätzlich wichtig. Schließlich seien Fahranfänger überdurchschnittlich häufig an Verkehrsunfällen beteiligt. Dennoch habe sich das bisherige System bewährt. Allerdings sieht es derzeit ganz so aus, als müssten TÜV und Dekra in Zukunft einen Teil ihrer Fahrprüfungen abgeben. (Alina Schröder)

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