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Von Fiebersaft bis Krebsmittel: Apotheken schlagen wegen Medikamenten-Knappheit Alarm

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Von: Lucas Maier

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Knappheit gibt es aktuell an fast allen Ecken und Enden. Jetzt schlägt der Apothekerverband Alarm. Lieferengpässe erreichen Rekordniveau.

Kassel – Ob Klopapier, Sonnenblumenöl oder AdBlue: In Deutschland ist man Knappheiten seit Beginn von Corona- und Energiekrise fast schon gewohnt. Während die Knappheit in manchen Bereich gut zu verkraften ist, kann sie in anderen schnell zur Gefahr werden.

Zum Welttag der Patientensicherheit warnt der Apothekerverband jetzt vor einer Zunahme der Lieferengpässe bei Medikamenten in Deutschland. Auch das Gesundheitsmagazin Apotheken Umschau schlägt Alarm.

Krise in den Apotheken: Über 250 Medikamente nicht lieferbar

Von der immer häufiger werdenden Knappheit sind ganz verschiedene Medikamente betroffen. Aktuell sind über 250 Präparate als nicht lieferfähig gemeldet, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet.

Gründe für die Häufung von Engpässen sehen Expertinnen und Experten in „der Globalisierung der Pharmaindustrie und der Konzentration der Herstellung auf einige wenige Unternehmen“, wie die Apotheken Umschau schreibt. „Das Problem ist schon sehr bedeutend, das muss man klar sagen“, sagte der Vizevorsitzende des Apothekerverbands, Hans-Peter Hubmann, gegenüber der dpa.

Medizinische Versorgung in der Krise: Verband warnt vor Lieferengpässen bei Medikamenten.
Medizinische Versorgung in der Krise: Der Apothekerverband warnt vor Lieferengpässen bei Medikamenten. (Symbolfoto) © IMAGO-Images/Wolfgang Maria Weber

Medikamente sind an manchen Stellen Mangelware: Problem im Vergleich verdoppelt

Im Vergleich zu der Situation von vor fünf Jahren, sind heute mehr als doppelt so viele Produkte betroffen. Darunter finden sich neben Nischenprodukten auch gängige Präparate wie Ibuprofen, teilt der Apothekerverband mit.

Für Hubmann sind vor allem zwei Ursachen für die Verknappung ausschlaggebend, wie er gegenüber der dpa angibt. Ähnlich wie die Apotheken Umschau sieht der Vertreter des Apothekerverbandes ein Hauptproblem in der „Verminderung der Produktionsvielfalt in Europa“. Als Beispiel führt er die Produktion von Fiebersaft an.

Krise in Europa: Fiebersaft wird nur noch an einem Standort produziert

Da sich die Produktion von Fiebersaft in Europa aufgrund von „Festbeträgen und des Drucks der Kassen“ nicht mehr wirtschaftlich rentiere, seien bis auf eine alle Produktionen geschlossen worden. Als zweite Ursache benennt Hubmann sogenannte „Lieferkettenabrisse“. Da die Wirkstoffe zum Großteil im globalen Süden produziert werden, kommt es auch in Europa zum Produktionsstillstand, wenn diese nicht mehr geliefert werden können. „Deshalb ist unsere Forderung seit längerem, dass auch die Wirkstoffproduktion wieder in Europa stattfinden muss“, schließt Hubmann gegenüber der dpa.

Der Gesundheitsökonom Professor Volker Ulrich von der Universität Bayreuth hält im Gespräch mit der Apotheken Umschau dagegen: „Globalisierte Lieferketten sind aus ökonomischer Sicht grundsätzlich wichtig und richtig“. Nach seiner Auffassung reiche es, dieses globalisierte System, das von anderen stark kritisiert wird, möglichst robust zu gestalten. Hier könnte ein erster Schritt ein europaweites Meldesystem für Engpässe sein. An einem solchen wird derzeit bereits gearbeitet, wie die Apotheken Umschau schreibt.

Apotheken retten, was noch zu retten ist: Mehraufwand steigt immens

Ob ein solches System die Probleme der Medikamentenknappheit beseitigen kann, scheint durchaus fraglich. Aber den Apotheken würde es ihre Arbeit durchaus erleichtern, wie die Apotheken Umschau schreibt. Denn in Zeiten des Medikamentenmangels liegt es häufig an Apothekerinnen und Apothekern, den Ausfall zu kompensieren.

Sind die Wirkstoffe vorrätig, können Medikamente von Apotheken selbst hergestellt werden. Ansonsten wird versucht, das Medikament aus dem Ausland zu importieren oder auf einen alternativen Wirkstoff umzustellen. Das führt bei den Apothekenteams in Europa zu einem wöchentlichen Mehraufwand von etwa 5,1 Stunden, wie eine Studie des Zusammenschlusses der Apotheker in der Europäischen Union (ZAEU) herausfand. In den Apotheken hält mit den Lieferengpässen auch der Frust Einzug. (Lucas Maier)

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