Klagen und Abmahnungen

Bestellungen verschollen: Verbraucherzentrale kritisiert Online-Händler scharf

Obwohl die Ware längst bezahlt ist, können Händler oft kein Lieferdatum der Bestellung angeben. Die Verbraucherzentrale kritisiert solche Vorgehen.
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Obwohl die Ware längst bezahlt ist, können Händler oft kein Lieferdatum der Bestellung angeben. Die Verbraucherzentrale kritisiert solche Vorgehen.

Die Ware wird vom Kunde bezahlt, geliefert wird die Bestellung aber in unbekannter Zukunft. Solche Vorgehen werden von der Verbraucherzentrale scharf kritisiert.

Kassel – Seit mehr als einem Jahr boomt der Online-Handel wegen Corona mehr denn je. Doch nicht immer werden die Lieferfristen eingehalten oder gar nicht erst bekannt gegeben. Damit hat sich die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen beschäftigt, da immer wieder Beschwerden über nicht gelieferte Produkte eingehen.

Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, erklärte dazu auf der Jahrespressekonferenz: „Durch Corona bestellen die Leute mehr. Deshalb fällt uns das Ganze derzeit immer mehr auf“.

Wenn die Bestellung auf sich warten lässt: Verbraucherzentrale rät, Nachfristen zu beachten

Unter anderem entdeckte man bei den Onlinehändlern Otto und Gravis, dass Produkte häufig als „bald lieferbar“ deklariert werden, es aber überhaupt keine Angabe darüber gibt, was „bald“ denn eigentlich bedeutet. Gegenüber rundschau-online.de erklärt Rechtsexpertin Iwona Husemann, dass ein Verbraucher im Onlineshop erkennen muss, „an welchem Tag sein Produkt spätestens kommt“. Gegen Otto und Gravis habe es bereits Klagen und Abmahnungen gegeben.

Solche Probleme gebe es laut Husemann vor allem im Bereich Elektronik, Möbel und Kleidung. Diese Problematik werde den Verbraucher häufig aber erst bewusst, wenn diese merken, dass die Produkte nicht geliefert werden: „Die Menschen kommen erst zu uns, wenn es schon zu spät ist.“ Zu spät, weil viele Kunden die Ware des Öfteren schon per Vorkasse bezahlen.

Die Verbraucherzentrale rät daher, Nachfristen zu beachten. Demnach sei eine Frist angemessen, die sich am ursprünglichen Lieferzeitraum orientiere. Wird also ursprünglich beispielsweise eine Lieferzeit von vier Tagen angegeben, würde die Nachfrist zwei Tage betragen, also die Hälfte des angegebenen Lieferzeitraums. Kommt das Produkt bis dahin nicht an, könne der Käufer vom Vertrag allerdings zurücktreten.

Bestellungen und Urlaub während Corona beschäftigen Verbraucherzentrale

Probleme gibt es in Augen der Verbraucherzentrale allerdings nicht nur, wenn ein Kunde seine Bestellung nicht erhält, sondern auch bei der anstehenden Reisesaison. Denn da die Corona-Zahlen in Deutschland weiter sinken und auch die Impfkampagne täglich Fortschritte macht, scheint ein Sommerurlaub für viele Menschen immer wahrscheinlicher. Besonders verlockend: Viele Reiseveranstalter werben aktuell mit kostengünstigen oder gar kostenfreien Stornierungen.

Wolfgang Schuldzinski warnt jedoch, dass Kunden das Kleingedruckte lesen sollten: „Es wird wieder zu einigen Rücktritten kommen und wir erwarten deshalb eine erhöhte Nachfrage der Verbraucher.“ Zudem stellt sich für die Verbraucherzentrale die Frage, welche Nachweise „überall anerkannt werden“ und „wer Schuld ist, wenn ich meine Reise nicht antreten kann.“ Schon im vergangenen Jahr habe man ähnliche Probleme gehabt. „Ärger“ gab es vor allem „mit großen Anbietern wie Tui oder Lufthansa“, so Schuldzinski. (Nail Akkoyun)

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