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Markt „aus den Fugen“ geraten: Bierbrauer mit eindringlicher Warnung

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Von: Vivian Werg

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Aktuell explodieren die Kosten in der Brauereibranche. Der Mangel an Kohlensäure droht die Lage nun noch weiter zu eskalieren.

Kassel – Bereits in der Corona-Krise hatten Lieferengpässe und Kostensteigerungen den Brauereien in Deutschland schwer zugesetzt. Der zum Krieg ausgeartete Ukraine-Konflikt hat die Situation weiter zugespitzt und Kostenexplosionen sind die Folge. Nun plagt der Mangel an Kohlensäure die Brauereien und Mineralwasserhersteller in Deutschland.

Nach Angaben des Deutschen Brauer-Bunds (DBB) sei die Mangelsituation aktuell das größte Problem. Betriebe müssen noch immer die Produktion einschränken oder unterbrechen, weil Kohlensäure fehlt, so Hauptgeschäftsführer des DBB Holger Eichele, gegenüber der Lebensmittel Zeitung (LZ). Kostete eine Tonne Kohlenstoffdioxid vor dem Ukraine-Krieg weniger als 100 Euro, treten laut Brauer-Bund mittlerweile Zwischenhändler auf den Markt, die 800 Euro fordern – zuzüglich Provision in selber Höhe.

Kohlensäure knapp: Brauereien vor ernsten Problemen

Was derzeit geschehe, sprenge alle Dimensionen, so Eichele weiter. Die Kostensteigerungen bei Rohstoffen (insbesondere Braumalz), Verpackungen (vor allem Neuglas), Energie und Logistik setze sich fort und wirke sich auf die gesamte Produktion aus. Der Markt sei „aus den Fugen“ geraten. Neben der allgemeinen Preisexplosion nennt Eichele gegenüber der LZ Ausfälle und Engpässe in der Lieferkette beziehungsweise die eingeschränkte Verfügbarkeit von Vorprodukten als weitere Probleme.

Kohlensäuremangel hat drastische Auswirkung auf viele Betriebe:

Bier von Veltins
Bald kein Bier mehr? Brauer-Bund warnt vor Chaos wegen des Kohlensäuremangels. (Symbolfoto) © RHR-FOTO/Imago

Kohlensäuremangel: Brauerei-Wirtschaft fordert schnelle Hilfsmaßnahmen

Eichele äußert sich zwar dankbar für die Unterstützung der BMWK und BMEL bei der Düngemittelversorgung. Jedoch teile er nicht die Einschätzung, dass die Versorgungskrise überwunden sei. Denn: Die gravierende Mangelsituation bestehe weiterhin. Daher erwarte die Brauerei-Wirtschaft von der Politik beziehungsweise von Bund und Ländern schnelle Hilfsmaßnahmen, die unbürokratisch umgesetzt werden sollen.

In der Corona-Krise haben viele Brauereien durch die Lockdowns und den Zusammenbruch des Fassbiermarktes beträchtliches Kapital verloren, das jetzt fehle, wenn Anlagen modernisiert werden müssen. Die große Investitionszurückhaltung sei laut Eichele spürbar. Die anhaltende Energiekrise würden die ohnehin angeschlagenen Betriebe nun weiter zurückwerfen. Wie ernst die Lage eingeschätzt wird, zeigen zudem Zahlen aus der aktuellen Auswertung des Deutschen Industrie und Handelskammertags (DIHK).

Deutsche Brauereien in Sorge: Steigende Energiepreise stellen hohes Geschäftsrisiko dar

Angesichts der steigenden Energiepreise geben immer mehr Betriebe ihre Produktion in Deutschland auf oder haben ihren Geschäftsbetrieb eingeschränkt, so die DIHK. Demnach sehen sich insgesamt 16 Prozent der Industriebetriebe gezwungen, auf die aktuelle Energielage mit einem Zurückfahren der Produktion zu reagieren.

Die BMEL steht dem Thema Kohlensäureknappheit optimistisch gegenüber. In einer der Lebensmittel Zeitung vorliegenden Antwort des BMEL auf eine Anfrage des CSU-Politikers Arthur Auernhammer heißt es, dass die Bundesregierung davon ausgehe, dass die Umsetzung der von der Bundesregierung angekündigten Gaspreis- und Strompreisbremse die angespannte Situation in der chemischen Industrie weiter verbessern wird, sodass künftig wieder mehr CO2 zur Verfügung stehen sollte. (Vivian Werg)

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