StVO-Novelle

Neuer Bußgeldkatalog: So teuer wird Rasen und Falschparken ab jetzt für Autofahrer

Der neue Bußgeldkatalog tritt am 9. November in Kraft. Für Falschparken und Rasen müssen Autofahrer künftig tiefer in die Tasche greifen. Alle Details im Überblick.

Frankfurt – Am 9. November 2021 tritt der neue Bußgeldkatalog in Kraft. Einige Verkehrssünden kommen den Auto- und Motorradfahrern in Deutschland damit bald besonders teuer zu stehen. Vor allem die Bußgelder bei Geschwindigkeitsverstößen und Parkvergehen haben es in sich.

Im Fokus der StVO-Novelle, auf die sich die Verkehrsminister von Bund und Ländern in der Verkehrsministerkonferenz (VMK) geeinigt hatten, steht das Vorhaben, den Straßenverkehr künftig sicherer, gerechter und klimafreundlicher zu machen. Das geht aus einem Beitrag auf der Webseite des Bundesverkehrsministeriums hervor. Angesichts der Probleme beim Bußgeldkatalog 2020 sprach Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) nach der Einigung von einem „Riesendurchbruch“. Der Bundesrat hatte dem neuen Bußgeldkatalog am 8. Oktober zugestimmt.

Bußgeldkatalog 2021: So teuer werden Verstöße im Straßenverkehr bald

Eine zuvor angedachte Verschärfung von Fahrverboten bleibt den Autofahrern in Deutschland künftig zwar erspart, die Erhöhungen der Bußgelder haben es aber teilweise in sich. Aber worauf müssen Verkehrsteilnehmer in Zukunft besonders achten?

Autofahrer aufgepasst: Nach der Reform der Straßenverkehrsordnung wird es für Temposünder künftig richtig teuer. (Symbolbild)

Neuer Bußgeldkatalog für Autofahrer – Parkverstöße werden nach StVO-Reform teurer

Vor allem das Bußgeld fürs Falschparken steigt künftig an. So werden für das Parken auf Geh- oder Radwegen, unerlaubtes Halten auf Schutzstreifen und das Parken oder Halten in zweiten Reihe fortan bis zu 110 Euro fällig. Auch die Kosten für das unberechtigte Abstellen des Fahrzeugs auf einem ausgewiesenen schwerbehinderten Parkplatz kostet nach Verabschiedung der Reform der Straßenverkehrsordnung steigen von 35 Euro auf 55 Euro an. Tiefer in die Tasche müssen Verkehrsteilnehmer auch bei Parkverstößen in amtlich gekennzeichneten Feuerwehrzufahrten greifen. Dabei wird das Bußgeld auf 100 Euro erhöht. Darunter fällt auch die Behinderung von Rettungs- und Einsatzfahrzeugen durch das Falschparken.

Gänzlich neu im Bußgeldkatalog taucht dagegen die Strafe für das Blockieren von ausgewiesenen E-Auto-Ladestationen auf. Dafür werden 55 Euro fällig. Die Regelung gilt auch für das Zustellen von Parkplätzen, die für Carsharing-Poolfahrzeuge vorgesehen sind. Grundsätzlich lässt sich festhalten: Nach der Reform der StVO sind auch kleinere Parkvergehen eine teure Angelegenheit. Denn auch das klassische „Knöllchen“ nehmen Auto- und Motorradfahrer künftig wohl nicht mehr billigend in Kauf. Es kostet dann nicht wie bisher 15 Euro, sondern satte 55 Euro.

Reform der StVO: Missachten der Rettungsgasse wird durch neuen Bußgeldkatalog teuer

Ebenfalls in den Neurungen der StVO enthalten, sind teurere Bußgelder für das Nichtbilden oder das Durchfahren der Rettungsgasse im Stau. Neben einem vierwöchigen Fahrverbot droht den Verkehrsteilnehmern eine Geldstrafe in Höhe von 200 bis 320 Euro. Auch teuer wird das vorschriftswidrige Nutzen von Geh- und Radwegen und Seitenstreifen durch Fahrzeuge. Kostenpunkt: Nicht mehr wie bisher 25 Euro, sondern bis zu 100 Euro.

Auch LKW-Fahrer sollten sich insbesondere beim innerörtlichen Rechtsabbiegen an die vorgeschriebene Schrittgeschwindigkeit halten. Bei Überschreitung wird ein Bußgeld von 70 Euro fällig.

Hohe Bußgelder für Autofahrer bei Tempoverstößen – Diese Kosten kommen auf Raser zu

Ein wesentlicher Bestandteil der Reform ist auch der Klimaschutz. Neben der Stärkung des Radverkehrs und Maßnahmen für saubere Mobilität, beispielsweise für das Carsharing-Modell, wird das sogenannte Autoposing härter bestraft. Die Geldstrafe dafür wird von 20 auf 100 Euro angehoben. Unter das Autoposing fällt beispielsweise das Verursachen von unnötigem Lärm, vermeidbarer Abgasbelastung sowie das belästigende und unnötige Hin- und Herfahren, das berichtet bild.de. Nicht zuletzt werden auch Geschwindigkeitsverstöße härter bestraft.

Geschwindigkeitsvergehen (innerorts)Geldstrafe nach der StVO-Novelle
bis zu 10 km/h zu schnell30 Euro (bislang 15 Euro)
11 bis 15 km/h zu schnell 50 Euro (bislang 30 Euro)
16 bis 20 km/h zu schnell70 Euro (bislang 35 Euro)
21 bis 25 km/h zu schnell115 Euro (bislang 80 Euro)
26 bis 30 km/h zu schnell180 Euro (bislang 100 Euro)
31 bis 40 km/h zu schnell260 Euro (bislang 160 Euro)
41 bis 50 km/h zu schnell400 Euro (bislang 200 Euro)
51 bis 60 km/h zu schnell560 Euro (bislang 280 Euro)
61 bis 70 km/h zu schnell 700 Euro (bislang 480 Euro)
über 70 km/h zu schnell800 Euro (bislang 680 Euro)
Quelle: ADAC

Raser müssen tief in die Tasche greifen: Neuer Bußgeldkatalog

Zwar bleiben die bisherigen Fahrverbotsregelungen mit den Punkten in der Verkehrssünderkartei in Flensburg und einem möglichen Entzug des Führerscheins bestehen, jedoch geht es den Rasern künftig an die Brieftasche. „Es geht an den Geldbeutel, aber nicht an den Führerschein*“, fasst Andreas Scheuer zusammen.

Geschwindigkeitsvergehen (außerorts)Geldstrafe nach der StVO-Novelle
bis zu 10 km/h zu schnell20 Euro (bisher 10 Euro)
11 bis 15 km/h zu schnell40 Euro (bislang 20 Euro)
16 bis 20 km/h zu schnell60 Euro (bislang 30 Euro)
21 bis 25 km/h zu schnell100 Euro (bislang 70 Euro)
26 bis 30 km/h zu schnell150 Euro (bislang 80 Euro)
31 bis 40 km/h zu schnell200 Euro (bislang 120 Euro)
41 bis 50 km/h zu schnell320 Euro (bislang 160 Euro)
51 bis 60 km/h zu schnell480 Euro (bislang 240 Euro)
61 bis 70 km/h zu schnell 600 Euro (bislang 440 Euro)
über 70 km/h zu schnell700 Euro (bislang 600 Euro)
Quelle: ADAC e. V.

Einigung bei StVO-Reform: Wann gilt der neue Bußgeldkatalog für Autofahrer?

Von einem „fairen Kompromiss“ sprach Andreas Scheuer nach der Einigung mit den Verkehrsministern der Länder. „Die Verkehrssicherheit ist gestärkt, Verkehrsrowdys werden härter bestraft, aber die Verhältnismäßigkeit der Bußgelder ohne zusätzliche Fahrverbote ist gewahrt. Wir schützen schwächere Verkehrsteilnehmer wie Radfahrer und Fußgänger besser, erleichtern die Arbeit der Rettungskräfte und schaffen so mehr Rücksicht im Straßenverkehr. Miteinander statt Gegeneinander der Verkehrsteilnehmer“, fasste er die Reform der Straßenverkehrsordnung zusammen.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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