Wissenschaftler warnen

Corona-Impfstoff bei neuen Mutationen nicht wirksam? Hoffen auf die zweite Generation

Bisher zeigen die Impfstoffe auch gegen die Corona-Mutationen Wirkung. Das könnte sich allerdings ändern. Nun machen neue Impfstoffe Hoffnung. 

  • Einige Coronavirus-Mutationen wurden bereits entdeckt.
  • Bereits zugelassene Impfstoffe könnten aber gegen neue Corona*-Mutanten nicht schützen.
  • Die Ergebnisse von zwei weiteren Impfstoffen sind vielversprechend.

Kassel - Die neuen Corona-Mutanten aus Großbritannien, Brasilien und Südafrika breiten sich immer weiter aus - und mit ihnen die Sorge, wie viele weitere Mutationen es geben wird. Gleichzeitig stellt sich die Frage: Können uns die bisherigen Corona-Impfstoffe auch gegen diese neuen Virus-Varianten schützen?

Die Erkenntnisse über die Wirksamkeit der bislang zugelassenen Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer gegen die neuen Coronavirus-Varianten aus Großbritannien, Brasilien und Südafrika lassen zwar aufatmen, doch einige Wissenschaftler warnen. Denn die Zulassung der Impfstoffe bedeutet noch nicht, dass die Corona-Pandemie unter Kontrolle ist.

Weitere Corona-Mutationen zu erwarten: Impfstoff könnte nicht wirksam sein

„Ich denke, dass sich dieses Virus verändern wird und dass die derzeit zugelassenen Impfstoffe einfach nicht so effektiv sein werden, wie wir glauben“, sagt der britische Immunologe Danny Altmann, Professor für Immunologie am Imperial College London, dem Magazin Spektrum.

Mit den bisher zugelassenen Impfstoffen allein wird die Corona-Pandemie also vermutlich nicht zu bekämpfen sein. „Wir haben keine Ahnung, welche Überraschungen ein Virus für uns parat haben könnte, das wir gerade erst seit einem Jahr kennen“, warnt auch der Impfspezialist Gregory Poland, des US-Forschungszentrums Mayo Clinic.

Die Hoffnung liegt daher auf den Impfstoffen, die noch in der Entwicklung sind: also den Corona-Impfstoffen der zweiten Generation. Einige dieser Impfstoffe nutzen anderen Methoden, als die bislang zugelassenen und könnten zum Beispiel ohne Auffrisch-Impfung langfristig wirken.

Wissenschaftler warnen, dass die zugelassenen Impfstoffe uns nicht gegen weitere neue Corona-Varianten schützen könnten. (Symbolbild)

Corona: Wie lange wirken die Impfstoffe und ist eine Übertragung des Virus noch möglich?

Denn bei den zugelassenen Impfstoffen sind noch einige Fragen offen: Über die mRNA-Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer ist unter anderem noch nicht bekannt, wie lange sie wirken und ob eine Übertragung des Virus trotz Impfung möglich ist. Die beiden Impfstoffe basieren auf der mRNA-Technik.

Sie basiert auf künstlich hergestellten mRNA, also Boten-RNA. Diese enthalten Teile der Erbinformationen des Coronavirus in Form von RNA und damit sozusagen den Bauplan für die viruseigenen Proteine. Die verabreichte RNA enthält damit aber nur einen harmlosen Bestandteil des Coronavirus. Es können daher keine kompletten, sich vervielfachende Viren entstehen.

Jüngst wurde am Freitag (29.01.2021) auch der Impfstoff von Astrazeneca für die EU zugelassen - allerdings empfiehlt die ständige Impfkommission für Deutschland eine Verwendung nur für Menschen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren. Grund: Die Datenlage für ältere Menschen sei zu gering, da es zu wenige ältere Probanden gab. Bei dem Impfstoff des britisch-schwedishcne Herstellers handelt es sich um einen Vektor-Impfstoff.

Corona-Pandemie: Diese Impfstoffe sind in der EU bereits zugelassen

Dabei dient ein harmloses Schimpansen-Schnupfenvirus als Transportmittel (Vektor). Dieses wird mit Bestandteilen des Coronavirus angereichert, die einen Teil der Erbinformationen der Coronaviren enthalten. Unser Organismus reagiert auf das verabreichte Virus, indem es Antigene gegen das tatsächliche Coronavirus bildet.

Sollten die Impfstoffe nur für einen kurzen Zeitraum wirksam sein, bedeutet das eine große Hürde auf dem Weg, die Corona-Pandemie einzudämmen. In einigen Punkten unterscheiden sich die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna enorm. Diese Impfstoffe sind bereits zugelassen:

  • Biontech/Pfizer: mRNA-Impfstoff, BNT162b2 - Wirksamkeit: etwa 95 Prozent
  • Moderna: mRNA-Impfstoff, mRNA-1273 - Wirksamkeit: etwa 94 Prozent
  • Astrazeneca: Vektor-Impfstoff AZD1222 - Wirksamkeit: etwa 70 Prozent

Vielversprechender Corona-Impfstoff: Auffrischimpfung könnte mit neuem Wirkstoff nicht notwendig sein

Einer der vielversprechendsten Corona-Impfstoffe, die derzeit entwickelt werden, ist laut Spektrum eine neuartige Technologie des Imperial College London. Dieser basiert auf saRNA: sich selbst vervielfältigender RNA. Ähnlich wie bei den ebenfalls neuartigen mRNA-Impfstoffen wird das genetische Material des Virus - jedoch nicht das Coronavirus selbst - in den Körper geschleust. Der Körper wird dann angeregt das „Spike“-Protein herzustellen, mit dem die Oberfläche des Coronavirus bedeckt ist.

Was den in der Entwicklung steckenden Corona-Impfstoff besonders vielversprechend macht: Eine Auffrischimpfung ist nicht notwendig, da der Impfstoff es körpereigenen Zellen ermöglicht, das Spike-Protein herzustellen. „Ich bin sehr gespannt darauf, ob sich dieser Ansatz vielleicht als ähnlich wirksam wie die Impfstoffe von Pfizer und Moderna erweist – nur noch besser“, sagt Altmann gegenüber Spektrum. Der Impfstoff könnte in den nächsten Monaten marktreif werden, schreibt die Ärztezeitung. Mit einem Online-Tool lässt sich der mögliche persönliche Impftermin berechnen.

Corona-Impfstoff aus den USA: Bereits in dritter Erprobungsphase - einfache Lagerung

Auch ein potenzieller Corona-Impfstoff aus den USA ist vielversprechend. Das Start-up Novavax aus dem US-Bundesstaat Maryland entwickelt einen Impfstoff, der darauf beruht das Spike-Protein selbst zu verabreichen. Dafür entwickeln die Wissenschaftler Mottenzellen, mit denen Spike-Proteine kostengünstig produziert werden können. Für den Impfstoff werden derzeit Phase-3-Studien durchgeführt, berichtet das Ärzteblatt.

Ein Vorteil: Der Novavax-Impfstoff muss lediglich bei Temperaturen von zwei bis acht Grad gelagert werden. Zudem ist die Technologie bereits bekannt: „Die Technologie der künstlichen Proteine wurde in der Vergangenheit getestet und hat sich bewährt – ihre Herstellung dauert nur etwas länger als bei RNA“, erklärt Gregory Glenn von Novavax.

Während in Deutschland der Lockdown verlängert wurde, fliegen Superreiche nach Dubai, um sich gegen Corona impfen zu lassen. (Sarah Neumeyer) *hna.de ist Teil des bundeswieiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © James Arthur Gekiere/dpa

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