Corona in Deutschland

Deshalb erkranken immer mehr jüngere Menschen schwer – und liegen auf Intensivstationen

Trotz steigender Impfzahlen sind die Corona-Stationen in vielen Kliniken Deutschlands voll. Dort liegen mittlerweile auch viele junge Menschen.

Kassel – Als Deutschland im vergangenen Jahr von der zweiten Corona-Welle getroffen wurde, infizierten sich immer mehr Menschen mit dem Virus. Zum Jahreswechsel vermeldete das Robert Koch-Institut binnen weniger Wochen zehntausende Fälle, auch die Todeszahlen kletterten rasch nach oben.

Bereits damals warnten Experten vor möglichen Überlastungen der Intensivstationen. Auch aktuell, Monate später, ist dieselbe Gefahr in den Kliniken noch immer groß. Der Unterschied: Mittlerweile befinden sich deutlich mehr jüngere Patienten auf den Corona-Stationen.

Corona in Deutschland: Altersdurchschnitt der Covid-19-Patienten ist gesunken

Im Gespräch mit ntv.de betont Christoph Boesecke, Oberarzt im Bereich Infektiologie am Universitätsklinikum Bonn, dass der Altersdurchschnitt „im Vergleich zur zweiten Welle“ auf den Corona-Normalstationen „etwa 10 Jahre drunter“ liegen würde, „im Intensivbereich sind es ungefähr 5 Jahre“. Den Hauptanteil würden in Deutschland inzwischen 50- bis 70-Jährige ausmachen, so der Experte.

„Das sind durchaus noch Leute, die bis zu ihrer Erkrankung noch voll berufstätig waren“, sagt Boesecke. Außerdem würden auch deutlich mehr jüngere Menschen mit schweren Verläufen in den Kliniken aufgenommen werden als noch im Dezember 2020.

Britische Corona-Mutante B.1.1.7 dominiert Infektionsgeschehen in Deutschland

Grund für diese Entwicklung sei die britische Mutante B.1.1.7. Die als deutlich ansteckender geltende Corona-Variante dominiere inzwischen das Infektionsgeschehen in Deutschland: „Wir sehen im Wesentlichen nur noch die B.1.1.7-Variante. Das führt dazu, dass auch jüngere Leute eher auf die Intensivstation müssen“, so Boesecke.

In Deutschland erkranken inzwischen immer mehr jüngere Menschen an Corona. Ein wesentlicher Faktor ist die als ansteckender geltende Virusvariante B.1.1.7.

Zahlen des Robert-Koch-Institut zeigen, dass die Todesfälle unter jungen Menschen trotz hoher Inzidenzen nur minimal zugenommen haben. „Ihre Organe sind zum Teil noch wesentlich fitter als bei den älteren Patienten“, erklärt der Bonner Oberarzt gegenüber ntv.de. Krankenhäuser würden dennoch zusätzlich belastet, da auch jüngere Menschen, trotz besserer Überlebenschancen, teilweise längere Zeit auf die Intensivstationen müssten.

Impfungen machen sich in Deutschland langsam bemerkbar - Corona-Stationen nach wie vor ausgelastet

Zahlen zu einer veränderten Altersstruktur auf Intensivstationen in Deutschland gibt es bislang nicht. Die Notfallmedizinervereinigung Divi berichtet jedoch, dass nur noch sehr wenige Patienten über 80 Jahre auf die Intensivstationen müssen, während ihr Anteil in der ersten und der zweiten Corona-Welle noch bei rund 25 Prozent lag. Dies kann auch Boesecke bestätigen: „Wir haben kaum noch über 80-Jährige, vor allem nicht auf den Intensivstationen“, sagt der Oberarzt. Man sehe auch an der Universitätsklinik Bonn schon erste Impferfolge.

Eine Entspannung sei auf den Corona-Stationen laut Boesecke aber noch nicht in Sicht, da man nach wie vor „voll belegt“ sei. In dem Bericht von ntv.de heißt es, dass sich die Ansteckungen und Erkrankungen zunehmend in jüngere Altersgruppen verlagert hätten. Schulen und Kitas könnten sich demnach zu wahren Hotspots entwickeln. „Das Virus sucht sich andere Wirte“, sagt Boesecke. „Die jüngeren Leute haben letztlich mehr soziale Kontakte. Die Älteren waren besorgter und haben sich daher eher freiwillig isoliert.“

Corona-Pandemie: Steigende Mobilität in Deutschland

Mit Sorge blickt Christoph Boesecke daher auf eine drohende Corona-Müdigkeit: „Die Mitarbeit im Lockdown klappt gerade im Vergleich zur ersten Welle zurzeit weniger gut“. Die Mobilität sei in ganz Deutschland wieder auf einem höheren Nivaeu, was angesichts der Mutante B.1.1.7 durchaus problematisch sei, so der Mediziner weiter. Durch die neue Virusvariante habe sich das Risiko, schwer zu erkranken, erhöht, während sich die gefährdeten Altersgruppen aufgrund der fortschreitenden Impfungen verlagert hätten.

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Neben drohenden Überlastungen auf Intensivstationen, bedeute eine hohe Zahl an erkrankten jüngeren Menschen auch, dass die Infizierten eventuell ihr Leben lang mit mittel- oder langfristigen Einschränkungen aufgrund ihrer Erkrankung leben müssten. Vor allem die Menschen, die auf Intensivstationen beatmet werden müssen, könnten bis an ihr Lebensende mit schweren gesundheitlichen Folgen kämpfen. (Nail Akkoyun)

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