Studien

Corona-Herdenimmunität nicht erreichbar? Forscher nennen 5 Gründe – und fordern neue Strategie

Eine Frau zieht eine Spritze auf
+
Wann wird das Leben wieder normal? Mit der Herdenimmunität durch Impfungen? Oder wird es eine andere neue Normalität geben? (Symbolbild)

Ist der Weg zur Herdenimmunität, um der Corona-Pandemie noch Herr zu werden, der Richtige? Wissenschaftler nennen fünf Gründe, die dagegen sprechen.

Kassel – Die Hoffnungen auf ein Ende der Corona-Pandemie liegt bei vielen auf den Impfungen. Und auf die damit erhoffte Herdenimmunität, die eintreten soll, wenn genug Menschen geimpft sind. Doch verschiedene Wissenschaftler ändern nun ihre Sichtweise. Ziel ist laut einem Bericht von spektrum.de nicht mehr, die Herdenimmunität zu erreichen. Dafür gibt es fünf Gründe.

Herdenimmunität entsteht, wenn genug Menschen gegen das Coronavirus immun sind. Das kann entweder durch eine überstandene Infektion mit dem Virus geschehen, oder wenn die Menschen gegen das Virus geimpft wurden. Wenn dies der Fall ist, sind nicht mehr genug Wirte vorhanden, um die Krankheit übertragen zu können.

Corona-Herdenimmunität: Unklar, ob Impfungen vor Übertragungen schützen

Derzeit ist noch unklar, ob die Impfstoffe auch gegen asymptomatische Infektionen schützen, und ob geimpfte Menschen das Virus trotzdem weiterverbreiten können. Das führt zu einem Problem für die Herdenimmunität. Die Wirksamkeit der Impfstoffe müsse laut einer Fachfrau für Mathematik in der Biologie an der Georgetown University in Washington DC, die von spektrum.de zitiert wird, „verdammt hoch“ sein. Die Impfstoffe von Moderna und Biontech würden dahingehend sehr vielversprechend aussehen.

Theoretisch hätte eine perfekt koordinierte, globale Impfkampagne das Coronavirus auslöschen können, so Matt Ferrari, ein Epidemiologe am Center for Infectious Disease Dynamics der Pennsylvania State University. In der Realität sei das aber sehr unwahrscheinlich. Denn es gebe im Vergleich aller Länder enorme Unterschiede in der Effizienz der Impfkampagnen.

Alle Corona-News finden Sie auf unserer Themenseite.

Keine Corona-Herdenimmunität erreichbar? Ungleiche Verteilung des Impfstoffs

Israel wird oft als positives Beispiel genannt. Zu Beginn der Impfkampagne soll das Land täglich 1 Prozent der Bevölkerung geimpft haben, sodass Mitte März bereits ungefähr die Hälfte der Bevölkerung vollständig geimpft gewesen sein soll. Im Gegensatz dazu läuft die Impfkampagne in Deutschland schleppend.

Auch für Israel ist es problematisch, dass andere Länder nicht so schnell ihre Bevölkerungen durchimpfen. Israels Nachbarstaaten Libanon, Syrien, Jordanien und Ägypten haben laut dem Bericht erst etwa einen Prozent ihrer Einwohner vollständig geimpft. Ein weiteres Problem soll sein, dass sich die jungen Menschen in Israel nicht impfen lassen wollen. Zudem komme bei der Effizienz der Impfstoffverteilung hinzu, dass es bis jetzt noch keinen Impfstoff für Kinder gibt.

Corona-Mutationen stellen ein Problem zum Erreichen der Herdenimmunität dar

Inzwischen sind bereits mindestens drei Corona-Mutationen bekannt. Dazu zählen die britische Mutation B.1.1.7, die brasilianische P.1 und die südafrikanische B.1.351. Diese sollen ansteckender sein und könnten auch resistenter gegen die Impfstoffe sein. „Wir befinden uns in einem Wettlauf mit den neuen Varianten“, sagt Sara Del Valle, Epidemiologin am Los Alamos National Laboratory in New Mexico laut spektrum.de. Je länger es dauere, die Übertragung des Virus einzudämmen, desto mehr Zeit hätten neue Varianten, sich zu entwickeln.

Abwenden von der Herdenimmunität: Immunität hält möglicherweise nicht ewig an

Es ist bisher nicht klar, wie lange ein Mensch, der mit dem Coronavirus infiziert war und die Erkrankung überstanden hat, tatsächlich immun ist. Ehemals infizierte Menschen scheinen einen gewissen Schutz vor Corona zu haben, jedoch weiß man bisher nicht, für wie lange dieser anhält.

Laut spektrum.de scheint es so, dass die Immunität mit der Zeit schwächer wird. Dazu fehlen jedoch noch ausreichend Daten. Auch die Impfstoffproduktion könnte deshalb weiter unter Zeitdruck geraten. Schließlich ist auch unklar, wie lange die impfstoffbasierte Immunität anhält. Es muss sich erst zeigen ob Impf-Auffrischungen notwendig sind.

Corona-Herdenimmunität überhaupt erreichbar? Nach Impfungen ändern Menschen ihr Verhalten

Menschen, die bereits geimpft sind, könnten daraufhin ihr vorsichtiges Verhalten ändern. Wenn sie sich auf die Wirksamkeit der Impfungen verlassen und alle Vorsicht über Bord werfen, könnte das einen nachteiligen Effekt auf die Eindämmung der Corona-Pandemie haben. Das wiederum verändere die Gleichung der Herdenimmunität, die eben unter anderem davon abhänge, wie viele Menschen dem Virus ausgesetzt seien, so Dvir Aran, ein biomedizinischer Datenwissenschaftler am Technion – Israel Institute of Technology in Haifa.

Wenn Israel seine Impfquote wie bisher beibehält, dann nähert sich das Land laut Aran der Herdenimmunität an. Eine Impfung biete jedoch keinen hundertprozentigen Schutz gegen das Coronavirus, sondern eher einen 90-prozentigen. Wenn sich nach den Impfungen nun also wieder mehr Menschen treffen, könne das problematisch werden. „Wenn Sie vor der Impfung höchstens eine Person getroffen haben und jetzt mit der Impfung zehn Personen treffen, kommt das auf das Gleiche raus“, rechnet Aran vor. (Sandra Böhm, Luisa Ebbrecht)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.