Corona

Thrombose-Gefahr nach Astrazeneca-Impfung: Rechner zeigt, wie hoch das Risiko ist

Das Misstrauen gegenüber dem Astrazeneca-Impfstoff ist immer noch groß. Ein Risiko-Rechner zeigt, wie hoch die Thrombose-Gefahr nach der Corona-Impfung wirklich ist. 

Kassel - Der Corona-Impfstoff des Herstellers Astrazeneca hat in Deutschland für einen großen medialen Wirbel gesorgt. Erst war er nicht für Menschen über 65 Jahre zugelassen, dann ausgesetzt, dann wieder zugelassen - nun sollen sich auf Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) nur noch Menschen über 60 Jahre damit impfen lassen. Wer jünger und trotzdem impfwillig ist, kann sich jedoch in Sachsen, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern trotzdem mit Astrazeneca impfen lassen.

Wegen des medialen Wirbels um den Impfstoff herrscht in Deutschland in weiten Teilen große Verunsicherung. Zu groß ist die Angst, dass Thrombosen durch die Verabreichung der Impfung von Astrazeneca entstehen. Nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) gab es in Deutschland 63 Fälle von Sinus- und Hirnvenenthrombosen nach der Impfung mit dem Vakzin (Stand: 21.04.2021). Davon betroffen waren 49 Frauen und 14 Männer. Zwölf Menschen seien gestorben, sechs Männer und sechs Frauen.

Corona: Risiko-Rechner der Cambridge University wiegt Vorteile und Schäden ab

Corona: Risiko-Rechner der Cambridge University wiegt Vorteile und Schäden ab

Aber wie wahrscheinlich ist es, dass man eine Thrombose nach der Impfung bekommt? Ein neuer Risiko-Rechner der Cambrige University soll genau dies ermitteln. Die Forscher teilten für ihre Schaden-Nutzen-Rechnung fünf Altersgruppen zwischen 20 und 69 ein. Diese umfassten jeweils 10 Jahre. Im Anschluss berechneten sie, wie viele Menschen aufgrund einer Impfung mit einer Covid-Infektion nicht auf einer Intensivstation landen. Zudem berechneten sie wie viele dieser Menschen statistisch an einer Thrombose leiden. Je nach Inzidenz wurden das Risiko in niedrig, mittel und hoch betitelt.

Bei einer niedrigen Inzidenz zeigte sich, dass in der Gruppe der unter 30-Jährigen das Risiko einer Thrombose größer ist als der Nutzen einer Impfung. In ihrer Grafik verdeutlichten die Forscher zudem, dass das Thrombose-Risiko durch eine Impfung mit zunehmenden Alter deutlich geringer wird. Die Anzahl der Menschen, deren Aufenthalt auf der Intensivstation verhindert wurde, wächst hingegen.

Corona in Deutschland: Ab mittlerer Inzidenz überwiegt der Impf-Nutzen

Bei mittlerer Inzidenz zeigt sich bereits in der jüngsten Altersgruppe eine Umkehrung: Der Nutzen durch die Impfung überwiegt, da 2,2 Intensiv-Fälle potenziell verhindert werden können, aber nur in 1,1 der Fälle eine Thrombose auftritt. Der Nutzen der Impfung pro Altersgruppe überwiege demnach deutlich die Thrombose-Gefahr. Bei einer hohen Inzidenz überwiegt jedoch der Nutzen der Impfung über alle Altersgruppen hinweg.

Mögliche Vorteile (Geringere Auslastung Intensivstationen)AltersgruppenMögliche Schäden (Erhöhtes Thrombose-Risiko)
2,220-291,1
8,030-390,8
16,740-490,5
31,050-590,4
41,360-690,2

Die Wissenschaftler konnten feststellen, dass das Risiko der Impfung allgemein eher überschätzt wird. Die Gefahr für eine schwere Covid-19-Infektion sei demnach größer sei, als das Risiko einer durch die Impfung ausgelösten Thrombose.

Zuletzt kam es nach Biontech-Impfungen vereinzelt zu Herzmuskelentzündungen in Israel. Einen möglichen Zusammenhang untersucht nun auch die EU. (Luisa Ebbrecht)

Rubriklistenbild: © Jens Büttner/dpa

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