Forschung

Universeller Corona-Impfstoff? Forscher wollen einen Schutz gegen alle Viren entwickeln

Forschende entwickeln derzeit einen Corona-Impfstoff, der nicht nur gegen ein spezifisches Virus, sondern gegen eine ganze Virengruppe wirken soll.

Kassel - Weil sich die Corona*-Viren ständig weiterentwickeln, ist es schwierig bis unmöglich, eine weltweite Ausbreitung des neuartigen Krankheitserregers zu verhindern. Derzeit arbeiten Forschende daran, einen Impfstoff zu entwickeln, der dieses Problem umgeht. Der neue Impfstoff soll nicht nur vor Infektion oder Erkrankung mit einem bestimmten Virus oder seiner Varianten schützen, sondern vor einer ganzen Virusgruppe.

Diese „universellen“ Impfstoffe werden schon länger erforscht, beispielsweise beim Grippevirus Influenza. Die Ansätze werden in Fachkreisen als vielversprechend angesehen. Eine Gruppe von Forschenden hat die Ergebnisse der Influenza-Studie in einer neuen Studie genutzt, um einen universellen Impfstoff gegen Coronaviren zu entwickeln.

Forschende können erste Erfolge bei der Entwicklung eines universellen Corona-Impfstoffs vorweisen. Dazu wurden auch die Coronaviren bei infizierten Fledermäusen weiter erforscht. (Symbolbild)

Universeller Impfstoff gegen Covid-19: Erste Erfolge bei Schutz gegen alle Viren

Im ersten Schritt konnten Mäuse vor Sars-Cov-2, dessen Varianten, dem Vorgänger Sars-Cov-1 und verwandten Fledermaus-Coronaviren geschützt werden. Basis des neuen Impfstoffs sind – so wie beim Biontech- und Moderna-Impfstoff* – RNA-Moleküle. Diese tragen die Bauplaninformation für das „Spike“-Protein, dem „Stachel“, mit dem die Viren sich Zugang zu den Zellen verschaffen.

Wenn die Zellen mit Hilfe der gespritzten RNA-Baupläne das S-Protein selbst hergestellt haben, wirken die Proteinmoleküle als Impfstoff. Sie provozieren also eine Immunreaktion und damit einen Schutz vor den echten Viren. Da der Bauplan des S-Proteins in den aktuell eingesetzten RNA-Impfstoffen allerdings nur aus dem Sars-Cov-2-Erbgut stammt, schützt der Impfstoff nur vor diesem Coronavirus.

Universeller Corona-Impfstoff: Forscher verändern S-Protein

Damit daraus ein universeller Schutz gegen verschiedene Coronaviren entsteht, veränderten David Martinez von der University of North Carolina in Chapel Hill (USA) und seine Kollegen und Kolleginnen das S-Protein. Sie erstellten einen neuen RNA-Bauplan, aus dem ein Mix-Protein, eine Chimäre, aus den drei Teilen der S-Proteine verschiedener Coronaviren entsteht.

Die Ergebnisse der Studie wurden nun im Fachmagazin „Science“ veröffentlicht. Der Studie zufolge schützte der Impfstoff die getesteten Mäuse sowohl vor Sars-Cov-1, das 2002 fast eine Pandemie verursacht hätte, als auch vor Sars-Cov-2, dessen Varianten und einigen Fledermaus-Coronaviren – je nach Zusammensetzung des neuen Impfstoffs.

Immunologe: mRNA-Impfstoffe sind „kein Allheilmittel“

Die Studien-Ergebnisse deuten laut Martinez darauf hin, „dass wir universelle Coronavirus-Impfstoffe entwickeln können, mit denen wir uns proaktiv gegen Viren schützen können, von denen wir wissen, dass sie ein Risiko bergen, auf den Menschen überzuspringen.“ Mit dieser Impf-Strategie könnte man eventuell die Weiterentwicklung der Viren zu Sars-CoV-3 verhindern. Tests des Impfstoffs an menschlichen Proband:innen werden schon im nächsten Jahr beginnen.

Florian Krammer, Immunologe von der Mt. Sinai School of Medicine/New York, gibt jedoch zu bedenken, dass die RNA-Impfstofftechnik nicht jedes immunologische Problem lösen kann. „Es gibt biologische Gründe, warum es noch keinen universellen Impfstoff gegen Influenza, kein Vakzin gegen Malaria oder gegen Tuberkulose oder HIV gibt. Die mRNA-Impfstoffe seien demnach „kein Allheilmittel“. (Luisa Ebbrecht) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Ennio Leanza/dpa

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