Russischer Impfstoff Sputnik V

Corona-Impfchaos in Europa - Bestellt die EU doch Putins Impfstoff? 

Impfungen
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In Europa herrscht ein Impf-Chaos. Nun berät sich die EU über eine mögliche Zulassung des Corona-Wirkstoffs von Wladimir Putin. (Symbolbild)

Die Kritik an der europäischen Impfstrategie wird immer lauter. Die EU hat dennoch Putins umstrittenen Impfstoff Sputnik abgelehnt. Bis jetzt. 

  • Die Corona-Impfkampagnen laufen in vielen EU-Ländern nur schleppend.
  • Grund für den langsamen Verlauf ist der Mangel an Impfdosen.
  • Die EU verhandelt derzeit mit weiteren Impfstoff-Herstellern - darunter auch der russische Impfstoff Sputnik V von Putin.

Kassel - Viele EU-Länder liegen im internationalen Vergleich mit ihren Corona-Impfkampagnen deutlich hinten. In Brüssel versucht man indes verzweifelt an mehr Impfstoffdosen zu kommen - auch das russische Vakzin Sputnik V von Putin ist nun in der engeren Auswahl.

Der europaweite Durchschnitt der Corona-Impfungen pro 100 Einwohner liegt gerade einmal bei 2,24, berichtet die Welt. Nationen, wie Großbritannien, die USA oder Impf-Weltmeister Israel sind mittlerweile meilenweit voraus. In Europa stößt die vergleichsweise langsame Impfstoff-Beschaffung auf Kritik.

Sputnik V: Corona-Impfstoff aus Russland soll EU-Impfkampagnen helfen

Der Mangel der Impfdosen ist auch in Deutschland ein großes Problem, da die bisher schleppend laufende Corona-Impfkampagne sich weiter zu verlangsamen droht. Hinzu kommt noch ein Streit zwischen der EU und dem Pharmakonzern Astrazeneca. Dieser will lediglich 31 Millionen statt der zugesicherten 80 Millionen Dosen liefern. Allerdings beteuert Astrazeneca-Chef Pascal Soriot, dass sich das Unternehmen nie zu festen Liefermengen verpflichten hätte.

Um die Kampagnen trotzdem weiter voranzutreiben befindet sich die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) derzeit mit 50 verschiedenen Impfstoffherstellern in Verhandlungen. Dazu zählt auch der Corona-Impfstoff Sputnik V von Wladimir Putin, der bereits in Russland und Ungarn seit einigen Monaten verabreicht wird. Nun hat der Russische Fonds für Direktinvestitionen (RDIF) bei der EMA einen Zulassungsantrag eingereicht.

Auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) äußerte sich vor dem Impf-Gipfel am Montag (01.02.2021) zu einem möglichen Einsatz des russischen Corona-Impfstoffs Sputnik V. Er sei dafür offen - aber nur im Falle einer erfolgreichen EU-Zulassung, sagte Spahn der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: „Wenn ein Impfstoff sicher und wirksam ist, egal in welchem Land er hergestellt wurde, dann kann er bei der Bewältigung der Pandemie natürlich helfen.“

NameSputnik V (Gam-COVID-Vac)
Staatliche Registrierung11. August 2020
Start der Massenimpfung in Russland5./6. Dezember 2020

Putin-Impfstoff bekam Notzulassung - Wirksamkeit gegen Corona noch nicht bewiesen

Obwohl bereits zahlreiche Impfungen durchgeführt worden sind, ist die Wirksamkeit von Sputnik V nach internationalen Standards noch nicht endgültig bewiesen. Im Gegensatz zu dem Vakzin von Pfizer und Biontech, hat der russische Impfstoff die dritte Erprobungsphase noch nicht durchlaufen. Das bedeutet, dass dieser bisher nur an wenigen freiwilligen Probanden getestet werden konnte.

Damit die Impfungen in Russland vorzeitig starten konnten, wurde für den selbst entwickelten Wirkstoff eine Notzulassung erteilt. Trotz allem trauen einige Länder, wie die potenziellen Hauptabnehmer Indien und Brasilien, dem Corona-Impfstoff Sputnik V noch nicht so recht. Sie beantragten bereits eine landeseigene dritte Erprobungsphase.

Putin versorgt weitere Länder mit Corona-Wirkstoff - EU weit hinten in der Warteschlange

Doch obwohl es in Russland eine Notzulassung für den Impfstoff gab und die Pharmaindustrie wohl genug produziert, kommen die Corona-Impfungen seit fast zwei Monaten selbst nur langsam voran. Präsident Wladimir Putin rief erst im Dezember eine landesweite Massenimpfkampagne aus, viel geändert hat das allerdings nicht. Zudem gab es seit mehreren Wochen keine Veröffentlichung der Impfzahlen und aus der Provinz wurde immer wieder Kritik laut, es würde an Impfdosen mangeln.

Falls Sputnik V also für die EU als weiterer Corona-Impfstoff infrage kommen sollte, müsste zunächst wohl die Herstellung des Wirkstoffs erheblich hochgefahren werden. Auch Länder, wie Mexiko, Ägypten und Nepal haben bereits ihre Bestellungen von Vakzin-Lieferungen bei Putin eingereicht. Für den russischen Hersteller offenbar kein Problem: Am Freitag (29.01.2021) hat Russland angekündigt, die EU im zweiten Quartal mit 100 Millionen Dosen des Impfstoffes Sputnik V versorgen* zu können, berichtet unter anderem merkur.de. (Alina Schröder, Diana Rissmann) *merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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