Neue Forschungsergebnisse

Covid-Langzeitfolgen: Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn kann jahrelang anhalten

Verlust des Geruchs- oder Geschmackssinn aufgrund einer Corona-Infektion: Neurale Auswirkungen von Covid-19 stellen die Wissenschaft noch immer vor ein Rätsel.

  • Corona in Deutschland: Neue Studie aus Essen untersucht „Neuro Covid“-Symptome.
  • Die Corona-Pandemie stellt die Wissenschaft immer wieder vor neue Herausforderungen.
  • Corona-News: Es besteht laut der Studie wohl auch ein Zusammenhang zwischen der Sterblichkeit und den neuronalen Auswirkungen einer Covid-19 Erkranung.

Update vom Dienstag, 11.05.2021, 15.47 Uhr: Der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns infolge einer Corona-Infektion kann laut einem Experten monatelang anhalten. Bei 80 bis 95 Prozent der betroffenen Corona-Infizierten sei der Riech- und Geschmackssinn binnen ein bis zwei Monaten wieder normal oder fast wieder normal, sagt der Mediziner Thomas Hummel der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Bei 5 bis 20 Prozent könne es aber länger dauern. „Das geht dann über Monate oder Jahre“, so Hummel, der Leiter des Interdisziplinären Zentrums für Riechen und Schmecken am Universitätsklinikum Dresden ist. „Bei manchen aus dieser Gruppe kommt er auch gar nicht wieder.“

Nach mehr als einem Jahr Corona-Pandemie gelten plötzlich auftretende Riech- und Schmeckstörungen als eines der bekanntesten Symptome einer Covid-19-Erkrankung. Hummel erklärte weiter, dass etwa 50 Prozent der an dem Virus erkrankten Menschen solche Störungen entwickelten.

Essen genießen - für viele Corona-Betroffene ist das nicht mehr möglich: Einige an Covid-19 Erkrankte verlieren den Geschmack- und Geruchssinn. Dieses Neuro-Covid genannte Phänomen stellt Forscher vor ein Rätsel.

„Neuro-Covid“: Corona-Langzeitfolgen und Symptome stellen Forscher vor Rätsel

Erstmeldung vom Mittwoch, 24.03.2021, 7.37 Uhr: Kassel - Die Corona-Pandemie stellt die Wissenschaft immer wieder vor neue Rätsel. Das wohl bekannteste Corona-Symptom, der Verlust von Geruchs - oder Geschmackssinn zählt dazu. Diese Symptome, die eine Covid-19 Erkrankung überdauern können, sind auf das Nervensystem zurückzuführen.

Diese Art der neurologischen Langzeitfolgen, welche im Vergleich zu anderen Krankheiten eine Besonderheit darstellen, werden nun unter „Neuro-Covid“ zusammengefasst. Auch schwerere Auswirkungen auf das neuronale System des Menschen sind mittlerweile im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion bekannt. Hierzu zählen unter anderem Schlaganfälle.

Coronavirus und das Gehirn: Studie zu neuralen Auswirkungen

Wodurch diese neuronalen Symptome und Schäden verursacht werden, wird seit Monaten von internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern untersucht. Gerade die Frage, ob es das Coronavirus bis in das Gehirn von Betroffennen schafft, ist für die Forscher interessant.

An der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen beschäftigt sich ebenfalls ein Forscherteam mit dem Phänomen der „Neuro-Covid“. Hierzu haben die Wissenschaftler eine neue Corona-Studie veröffentlicht.

„Neuro Covid“ nach Corona-Infektion: Studie wertet Daten von über 100 Patienten aus

Das Team um Prof. Dr. Christoph Kleinschnitz, dem Direktor der Klinik für Neurologie in Essen, untersuchte mehr als 100 Patientinnen und Patienten die an Covid-19 erkrankten. Die Probanden waren im Alter zwischen 20 und 95 Jahren. Bei 60 Prozent der Patienten kam es laut der Veröffentlichung der Forscher zu sogenannten „Neuro-Covid“-Symptomen, also Corona-Symptomen im Bereich der Neurologie.

Zu schweren neurologischen Beschwerden, wie Hirnblutungen oder Schlaganfällen, kam es bei fast einem Viertel der Patienten, so die Forscher. Leichte Symptome, wie allgemeine körperliche Schwäche, zeigten sich ebenfalls bei einem Viertel der Studienteilnehmer.

Neue Corona-Studie: 80 Prozent hatten Vorerkrankung

Die Studie zeigte aber auch, dass bei 80 Prozent der Patienten mit schweren Symptomen bereits eine neurologische Vorerkrankung bestand. Die Sterblichkeit liegt bei Patienten mit schweren „Neuro-Covid“-Auswirkungen fast dreimal höher als bei solchen ohne, so Kleinschmitz. Von den an Covid-19 erkrankten Personen, die keine „Neuro-Covid“ aufweisen, sterben rund 15 Prozent.

„Je heftiger sich COVID-19 auf die Atemwege auswirkt, desto schwerer verläuft auch Neuro Covid“

Prof. Dr. Christoph Kleinschnitz, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen

Bei der Hälfte der Erkrankten mit schwerem Verlauf war die sogenannte Blut-Hirn-Schranke beschädigt. Diese stellt die körpereigene Barriere zwischen dem Blutkreislauf und dem Gehirn dar. In der Hirngewebsflüssigkeit wurden bei diesen Personen zudem Entzündungsstoffe nachgewiesen. Bei 35 Prozent der „Neuro Covid“-Fälle konnten sogar Antikörper gegen das körpereigene Nervengewebe festgestellt werden. Laut den Forschern spielen diese Faktoren eine Rolle bei der Entstehung der sogennanten „Neuro-Covid“-Symptome. (Lucas Maier)

Rubriklistenbild: © Jake Jakab/imago

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