Pandemie

Johnson & Johnson: Das ist der Unterschied zu anderen Corona-Impfstoffen

Der Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson wurde von der EU-Kommission zugelassen. Zu anderen Vakzinen bestehen deutliche Unterschiede.

  • Inzwischen wurden vier Corona-Impfstoffe in der EU zugelassen.
  • Auch der Johnson & Johnson-Impfstoff hat nun seine Zulassung von der EU-Kommission erhalten.
  • So unterscheidet sich dieser Impfstoff von Astrazeneca, Moderna und Biontech/Pfizer.

Update vom Freitag, 12.03.2021, 16.45 Uhr: Die Europäische Union hat nun den vierten Corona-Impfstoff zugelassen. Auch das Mittel des US-Herstellers Johnson & Johnson darf ab sofort genutzt werden. Die EU-Kommission genehmigte dies am Donnerstag (11.03.201) auf Empfehlung der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA). Anders als bei anderen Präparaten reicht bei Johnson & Johnson eine Spritze. Zudem kann dieser Impfstoff im Kühlschrank gelagert werden.

„Mehr sichere und wirksame Impfstoffe kommen auf den Markt“, schrieb EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf Twitter. „Mit den Dosen, die wir geordert haben, können wir bis zu 200 Millionen Menschen in der EU impfen.“ Davon würde Deutschland 36,7 Millionen erhalten. Die ersten Impfdosen sollen im April kommen, bis Ende Juni dann insgesamt 55 Millionen für alle EU-Staaten.

Johnson & Johnson-Impfstoff zugelassen: Verzögerungen möglich

Jedoch werden Verzögerungen befürchtet, da der Impfstoff in den USA abgefüllt wird und dort ein Exportstopp für Corona-Impfstoffe gilt. Die EU-Kommission ist nach eigenen Angaben im Gespräch mit den US-Behörden, um die Lieferungen trotzdem zu ermöglichen..

Das zugelassene Präparat wurde von der Johnson-Tochter Janssen in den Niederlanden entwickelt. Nach Angaben der EMA liegt die Wirksamkeit bei etwa 67 Prozent. Bei einer schweren Covid-19-Erkrankung lag der Schutz in den Studien sogar bei mehr als 85 Prozent - das gilt auch für Ältere. Das Vakzin soll auch gegen Virus-Varianten effektiv sein.

Die US-Behörde FDA hat den Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson zugelassen. Doch wie unterscheidet er sich von den anderen bereits zugelassenen Impfstoffen?

Johnson & Johnson: EMA empfiehlt vierten Corona-Impfstoff - Das sind die Vorteile

Update vom Donnerstag, 11.03.2021, 14.47 Uhr: Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat die Zulassung des Corona-Impfstoffes des US-Herstellers Johnson & Johnson in der EU empfohlen. Das teilte die EMA am Donnerstag (11.03.2021) in Amsterdam mit. Die endgültige Entscheidung über die bedingte Marktzulassung muss nun die EU-Kommission treffen – das gilt als Formsache und kann ebenfalls am Donnerstag (11.03.2021) geschehen.

Im Kampf gegen das mutierende Coronavirus könnte die Zulassung eines vierten Impfstoffs ein entscheidender Vorteil sein. Die EU-Kommission hat bereits Impfdosen für 200 Millionen Menschen bestellt. Davon würde Deutschland 36,7 Millionen erhalten. Derzeit gibt es allerdings Befürchtungen, dass das Unternehmen nicht rechtzeitig liefern könne. Der Hersteller sicherte zu, dass er sich an die Absprachen halten und ab April liefern werde.

Ein großer Unterschied des Vakzins von Johnson & Johnson im Vergleich zu anderen Corona-Impfstoffen besteht in der Zahl der nötigen Dosen: Denn bei Johnson & Johnson ist nur einmaliges Spritzen notwendig – alle anderen weltweit bislang zugelassenen Präparate müssen zweimal gespritzt werden, berichtet fr.de*.

EMA prüft Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson

Erstmeldung vom Freitag, 05.03.2021, 12:54 Uhr: Kassel – Die US-Arzneimittelbehörde Food and Drugs (FDA) hat am vergangenem Wochenende (27./28.02.2021) den Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson zugelassen. Das war erwartet worden, nachdem sich bereits am Freitag (26.02.2021) externe Gutachter für eine Zulassung des Impfstoffs ausgesprochen hatten.

Der Impfstoff von Johnson & Johnson könnte laut dem Deutschen Ärzteblatt noch im März auch in der EU zugelassen werden. Doch welche Unterschiede gibt es zwischen den drei bereits zugelassen Impfstoffen von Astrazeneca, Moderna und Biontech/Pfizer?

Corona-Impfung: Johnson-&-Johnson-Impfstoff unterscheidet sich zu anderen Vakzinen

Der Impfstoff von Johnson & Johnson ist dem Astrazeneca-Impfstoff am ähnlichsten, auch wenn es auch zwischen diesen beiden Stoffen Unterschiede gibt. Wie bei Astrazeneca handelt sich bei der Impfung von Johnson & Johnson um einen Vektorimpfstoff. Um genau zu sein: Beide basieren auf dem Adenovirus, um das Spikeprotein in die Zellen zu transportieren.

Während Johnson & Johnson laut dem Ärzteblatt das Adenovirus Ad26 verwendet, welches auch in der ersten Dosis des ebenfalls in der EU noch nicht zugelassenen russischen Impfstoffes Sputnik V genutzt wird, wird beim britisch-schwedischen Impfstoff von Astrazeneca das Adenovirus ChAdOx1 verwendet. Das sei bei Schimpansen verbreitet, so das Ärzteblatt.

Sowohl bei Moderna als auch bei Biontech/Pfizer werden Lipidnanopartikel eingesetzt, um die Gene in die Zellen zu transportieren. Bei beiden handelt es sich um mRNA-Impfstoffe.

Johnson & Johnson: Corona-Impfstoff im Vergleich

Alle drei bereits in der EU zugelassenen Impfstoffe benötigen zwei Dosen. Der von Johnson & Johnson nur eine. Laut dem Ärzteblatt handelt es sich dabei um eine strategische Entscheidung, die vor der klinischen Entwicklung getroffen wurde. Derzeit werde auch die zweifache Gabe getestet. Sie könnte also zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls zugelassen werden. 

Johnson & JohnsonAstrazenecaModernaBiontech/Pfizer
EMA-Zulassungin Prüfungzugelassenzugelassenzugelassen
Wirksamkeit*67* Prozent, 77 bis 85 Prozent**62,1 bis 90 Prozent***94,1 Prozent95 Prozent*gegen mittelschwere bis schwere/kritische Verläufe, **gegen schwere/lebensgefährliche Verläufe, *** je nachdem, ob die 1. Dosis hoch oder niedrig gewählt wurde
Kühlung2-8 Grad2-8 Grad-15 bis -25 Grad -60 bis -80 Grad
Erforderliche Impfdosen1222
Impfstoff-TypVektor-ImpfstoffVektor-ImpfstoffmRNA-ImpfstoffmRNA-ImpfstoffQuelle: aerzteblatt.de

Auch Impfstoff von Johnson & Johnson schützt vor schweren Corona-Verläufen

Auch hinsichtlich der Wirksamkeit ist der Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson dem von Astrazeneca am ähnlichsten. Das Ärzteblatt beruft sich auf Zahlen der FDA, wonach die Johnson-&-Johnson-Impfung zu 67 Prozent mittlere bis schwere Verläufe verhindere. Bei Astrazeneca liege die Wirksamkeit demnach zwischen 62,1 und 90 Prozent. Das sei laut dem Ärzteblatt davon abhängig, wie hoch die erste Dosis des Impfstoffes dosiert war. 

Die Wirksamkeit der Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer liegen hingegen bei über 90 Prozent: 94,1 Prozent bei ersterem und 95 Prozent bei letzterem. Alle vier Impfstoffe zeigten jedoch laut dem Ärzteblatt die beste Schutzwirkung gegen schwere Erkrankungen. Die Corona-Impfung von Johnson & Johnson soll zu 77 bis 85 Prozent gegen schwere und lebensbedrohliche Corona-Verläufe wirken. In den klinischen Studien soll es nach der Impfung auch keine Covid-19-Todesfälle gegeben haben.

Corona: Impfstoff von Johnson & Johnson soll vor Mutanten schützen

Der Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson wurde laut dem Ärzteblatt auch an einer großen Anzahl von Probanden aus Brasilien und Südafrika getestet. Dort sind die beiden Corona-Varianten P.1. (Brasilien) und B.1.351 (Südafrika) weit verbreitet.

In beiden Ländern schnitt die Impfung von Johnson & Johnson nur etwas geringer ab als in den USA: 68,1 Prozent in Brasilien und 64 Prozent in Südafrika im Vergleich zu 72 Prozent in den USA. Das Ärzteblatt berichtet, dass der Impfstoff von Astrazeneca bei den beiden Varianten wahrscheinlich eine schwächere Wirkung hat.

Zu der Wirksamkeit der beiden mRNA-Impfstoffe gebe es in Südafrika nur Laborstudien mit einer unsicheren Aussagekraft, so das Deutsche Ärzteblatt. In Großbritannien sei der Impfstoff von Johnson & Johnson nicht im Einsatz, deswegen sei die Schutzwirkung für die dort zuerst entdeckte Variante B.1.1.7. unklar. Die anderen Vakzine schützen nach bisherigen Studien vor dieser Variante.

Johnson & Johnson – Corona-Impfstoff bietet großen Vorteil

Der Vorteil des Johnson-&-Johnson-Impfstoffs ist die einfache Lagerung. Denn er könne laut dem Ärzteblatt für drei Monate bei normalen Kühlschranktemperaturen zwischen zwei bis acht Grad aufbewahrt werden. Das Gleiche gilt auch für den Astrazeneca-Impfstoff. Das Vakzin von Moderna muss hingegen bei minus 15 bis minus 25 Grad und das von Biontech/Pfizer sogar bei minus 60 bis minus 80 Grad gelagert werden.

In den klinischen Studien kam es bei Johnson & Johnson auch zu keinen anaphylaktischen Reaktionen. Seither gebe es in Südafrika jedoch zwei Fälle von allergischen Reaktionen.

Das Deutsche Ärzteblatt betont jedoch, dass es „trotz der Unterschiede zwischen den Impfstoffen, es nach Ansicht der Impfexperten keinen Grund gibt, wählerisch zu sein.“ Seit wenigen Tagen werden in Kassel nun auch Lehrer und Erzieher mit Astrazeneca gegen Corona geimpft.

Die aktuelle Lage können Sie in unserem Corona-Ticker für Kassel nachlesen. Die aktuellen Corona-Infos für Niedersachsen lesen Sie hier. (Sandra Böhm) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © David Zalubowski/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.