Corona-Forschung

Long-Covid: Hörverlust und Tinnitus nach Covid-19-Erkrankung? Neue Symptome entdeckt

Junge Frau hat Ohrenschmerzen hält sich die Ohren zu
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Forscher haben nun eine Studie vorlegt, aus der hervorgeht, dass Corona-Patienten auch Probleme mit den Ohren bekommen können. Tinnitus, Schwindel und Hörverlust könnten Long-Covid-Folgen sein (Symbolbild).

Auch Monate nach der Corona-Infektion haben viele Menschen mit Langzeitfolgen zu kämpfen. Offenbar haben Forscher nun ein weiteres Long-Covid-Symptom entdeckt.

  • Bereits bekannt ist, dass einige Corona*-Patienten oft noch Monate mit Langzeitfolgen kämpfen müssen.
  • Forscher haben nun ein mögliches neues Long-Covid-Symptom entdeckt.
  • Corona-News*: Eine Corona-Infektion könnte demnach Auswirkungen auf das Hörvermögen haben.

Kassel – Einige Menschen, die an Corona erkrankt waren, berichten noch Wochen und Monate nach der Genesung von Spätfolgen der Erkrankung. Es können viele verschiedene Organe betroffen sein. Unter anderem die Lunge, das Herz, das Nervensystem, die Nieren, der Darm und das Gehirn. Letzteres kann dazu führen, dass selbst bei milden Covid-19-Krankheitsverläufen neurologische Folgen auftreten können, wie zum Beispiel Störungen beim Riechen, Konzentrationsprobleme und auch Hirnentzündungen. Diese Symptome werden, obwohl sie sich in ihrer Art und Ausprägung stark unterscheiden können, zusammenfassend als Long-Covid*, also langeanhaltendes Corona, bezeichnet.

In einer Meta-Analyse von 56 Studien haben nun zwei Wissenschaftler ein mögliches weiteres Long-Covid-Symptom entdeckt, über das ehemalige Corona-Erkrankte klagen. Focus berichtet von der Analyse von zwei Wissenschaftlern der Universität Manchester, Ibrahim Almufarrij und Kevin J. Munro, und bezieht sich auf ihren Artikel, der am Montag (22.03.2021) im International Journal of Audiology veröffentlicht wurde.

Hörverlust, Tinnitus, Schwindel – Möglicherweise Long-Covid-Symptome?

Das News-Portal zitiert Munro folgendermaßen: „In den letzten Monaten habe ich unzählige E-Mails von Menschen erhalten, die über Veränderungen ihres Hörens oder Tinnitus nach Covid-19 berichteten.“ Daher gebe es eine dringende Notwendigkeit, die Langzeiteffekte von Covid-19 auf das auditorische System, also auf das menschliche Hören und die dafür zuständigen Organe, genauer zu untersuchen.

Daraufhin hätten die beiden Wissenschaftler nach Veröffentlichungen gesucht, in denen Corona-Patienten über bestimmte Symptome klagen, wie zum Beispiel Hörstörungen, Tinnitus und Innenohr-bedingten Schwindel. In 56 Studien, die sich auf Patientenbefragungen und ausgewerteten Patientenakten beziehen, seien Munro und Almufarrij auf solche Symptome gestoßen.

Studienergebnis: Tinnitus hat sich bei Corona-Patienten verschlimmert

14,8 Prozent der Corona-Patienten hätten demnach berichtet, dass sich ihr Tinnitus verschlimmert habe oder neu aufgetreten sei. Bei 7,6 Prozent soll ein sich das Hörvermögen verschlechtert haben. Laut Munro und Almufarrij ist dieser Hörverlust meist abrupt aufgetreten und betrifft beide Ohren. Es habe aber auch wenige Fälle gegeben, in denen die Schwerhörigkeit allmählich eingesetzt und sich entwickelt habe oder nur ein Ohr betreffe.

Corona-Pandemie
ErregerSars-Cov-2
ErkrankungCovid-19

An einem Drehschwindel, der durch gestörte Funktionen des Innenohrs ausgelöst wird, litten laut der Studie 7,2 Prozent. Interessant ist demnach auch, dass diese Hörstörungen sowohl bei Patienten mit schwerem Verlauf aufgetreten sind, als auch bei solchem mit einem milden Verlauf. Die beiden Forscher gehen anhand dieser Ergebnisse davon aus, dass das Coronavirus auch das Gehör beeinträchtigen kann.

Long-Covid-Symptom: Ursache für potenziellen Hörverlust noch nicht geklärt

Eindeutig beantworten können die Wissenschaftler laut Focus nicht, warum diese Hörstörungen auftreten. Es gebe mehrere Mechanismen, die eine solche Beeinträchtigung auslösen könnten. Einerseits sei es denkbar, dass Sars-Cov-2 direkt Entzündungen am Hörnerv oder im Innenohr auslöse. Andererseits könne auch eine Reaktion des Immunsystems auf das Virus zu einer Entzündung im Hörsystem führen. Zudem könne eine Autoimmunreaktion fehlgeleitete Angriffe von Abwehrzellen auf Gewebe im Ohr veranlassen.

Die Forscher können demnach auch nicht ausschließen, dass der Hörverlust oder die Störungen auf eine Durchblutungsstörung zurückzuführen sei. „Die Cochlea und die Hörkanäle haben keine zusätzliche, alternative Blutversorgung, daher sind sie größtenteils anfällig gegenüber einer Durchblutungsstörung“, erklären Munro und Almufarrij laut Focus. Dass das Coronavirus die Blutgerinnung stören könne und Thrombosen auslösen könne, sei bereits bekannt.

Long-Covid: Hörstörungen von Corona-Patienten sollten genauer untersucht werden

Um den möglichen Zusammenhang zwischen einer Covid-19-Erkrankung und den Hörstörungen besser zu verstehen, brauche es noch genauere Untersuchungen. Bislang sei immer noch unklar, ob die Hörveränderungen direkt auf Covid-19 zurückgehen oder auf andere Faktoren wie die Behandlung oder das Immunsystem, so Munro. Trotz der „alarmierenden Zahlen“ sei die Datenlage dafür zu dünn. Man brauche jetzt Studien, die die Covid-19-Fälle systematisch mit Kontrollpersonen verglichen.

Es ist bereits bekannt, dass andere Virus-Infektionen wie Masern, Mumps oder Hirnhautentzündungen sich in manchen Fällen auf das Gehör auswirken können. (Sandra Böhm) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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