Studie über Superspreader Orte

Fitnessstudio oder Restaurant? An diesen Orten verbreitet sich das Coronavirus am stärksten

Wo verteilt sich das Coronavirus am stärksten, im Fitnessstudio oder doch im Restaurant? Forscher liefern dazu neue Erkenntnisse. Auch das RKI hat eine Studie gestartet.

  • Corona*-Studie aus den USA gibt Aufschluss über Superspreader-Orte.
  • RKI startet mit Studie mit gleichem Ziel für Deutschland.
  • Studie aus den USA stützt die Entscheidung für den Lock-Down Light in Deutschland.

Kassel - Ende November 2020 sind die Kontaktbeschränkungen in Deutschland noch einmal verschärft worden. Grund hierfür sind die stark angestiegenen Corona-Fallzahlen. Doch die Debatte um die Sinnhaftigkeit und Effektivität eine Lockdowns zur Bekämpfung der Pandemie hält an.

In der Debatte tauchen immer wieder ähnliche Fragen auf: An welchen Orten verbreitet sich das Corona-Virus eigentlich am stärksten? Ist es richtig, Restaurants und Fitnessstudios geschlossen zu halten? Eine neue Studie brachte jetzt neue Erkenntnisse zu diesen Fragen. Auch das RKI startet eine eigene Corona-Studie zu der Thematik in Deutschland.

Begriffserklärung:
Hotspot Ort/Region mit sehr hoher Anzahl an Infektionen.
Superspreader Einzelperson, die das Corona-Virus an sehr viele Menschen übertragen hat und/oder das Virus über weite Strecken transportiert hat.
Superspreader-Event Veranstaltung, bei der sich besonders viele Menschen infiziert haben
Superspreader-Orte Orte, an denen es häufig zu Superspreader-Events kommt

Corona-Infektionen: Superspreader-Orte geschlossen - Studie gibt dem Lock-Down light recht

Aufgrund der aktuellen Corona-Beschränkungen bleiben Restaurants, Fitnessstudios und andere Einrichtungen weiterhin geschlossen. Aber sind das wirklich Orte, an denen sich besonders häufig viele Menschen infizieren.

Eine Studie der Northern- und der Stanford University gibt den neuen Verordnungen recht. Laut dieser sind nicht nur Restaurants, sondern auch Fitnessstudios und Hotels Superspreader-Orte. Eine vorschnelle Wiedereröffnung dieser Einrichtungen, könnte einen starken Anstieg der Corona-Infektionen mit sich bringen.

Wo ist die Gefahr sich mit Corona zu infizieren am größten: Im Restaurant oder im Fitnessstudio? Eine neue Studie gibt Aufschluss. (Symbolbild)

Superspreader-Orte: So wurde die Corona-Studie durchgeführt

Die Forscher in Amerika haben für die Corona-Studie Handy-Daten ausgewertet. Insgesamt wurden Daten von 98 Millionen Menschen anonym analysiert. Gesammelt wurden diese zwischen dem 1. März 2020 und dem 2. Mai 2020. Die Daten wurden in 10 verschiedenen Metropolen der USA gesammelt. Darunter auch Chicago und New York.

Die Handy-Daten glichen sie mittels Computersimulation mit den Corona-Infektionszahlen der jeweiligen Orte ab. Sie kamen zu dem Ergebnis, das die meisten der Infektionen auf sogenannte Superspreader-Orte zurück zu führen sind.

Corona-Verteilung: Superspreader-Orte am Beispiel von Chicago

Ein Test-Szenario innerhalb der Corona-Studie macht deutlich, welche Auswirkungen die Corona-Regeln und der Lockdown einzelner Teilbereiche haben. Wären in Chicago beispielsweise Restaurants und Bars früher wieder eröffnet worden, hätte das einen massiven Anstieg der Corona-Infektionen zur Folge gehabt.

Laut den Berechnungen der Wissenschaftler, wären durch eine verfrühte Öffnung von Bars und Restaurants in diesem Monat, zirka 600.000 Menschen mehr mit Corona infiziert worden. Hätte man die Fitnessstudios in Chicago wiedereröffnet, wären es 149.000 Corona-Fälle mehr gewesen.

Corona-Studie wirklich mit Deutschland vergleichbar? Betroffene erheben Zweifel

Ob die Studie mit der Situation in Deutschland vergleichbar ist, wird von Akteuren der betroffenen Branchen bezweifelt. Der Landesgeschäftsführer des baye

rischen Hotel- und Gaststättenverband, Thomas Geppert, äußerte sich gegenüber merkur.de* wie folgt: „Anders als die USA haben wir Hygienekonzepte entworfen und damit aus vermeintlich unsicheren sichere Orte gemacht. Die Vergleichbarkeit ist deshalb nicht gegeben.“

Der Mediziner und SPD-Politiker Karl-Lauterbach, bewertet die Ergebnisse der Studie grundlegend anders. Demnach seien die Erkenntnisse zur Verbreitung des Corona-Virus durchaus von Wichtigkeit für die Republik. Der Politiker warnt vor einem Rückfall, wenn Fitnessstudios, Restuarents und ähnliches wieder geöffnet werden sollte.

 „Wir dürfen nicht im Dezember in Tagen verspielen, was im ganzen November erreicht wird“, mahnte Lauterbach auf Twitter. Auf der Plattform sprach er sich für eine sogenannte Wellenbrecher-Aufhebung der Maßnahmen aus. Bei einer solchen würde beispielsweise die Anzahl der Gäste in Restaurants auf 20 Prozent gesenkt werden. Die Studie legt laut Lauterbach nahe, dass diese bei einer solche niedrigen Anzahl an Personen sicher betrieben werden könnten.

RKI: Corona-Studie für Deutschland - Wo kommt es zu den meisten Infektionen?

An welchen Orten sich die Infektions-Zahlen in Deutschland am stärksten erhöhen, will nun das RKI (Robert-Koch-Institut) in einer eigenen Corona-Studie genauer herausfinden. Hintergrund ist, dass bei drei Viertel der Corona-Infizierten in Deutschland nicht nachvollziehbar sei, wo diese sich infiziert haben, so das RKI auf ihrer Website.

Anderes als bei der Studie aus den USA werden in Deutschland keine Handy-Daten verwendet. Bei der „CoViRiS-Studie“ werden die Daten durch befragung von Corona-Infizierten erhoben. Das ganze wird Hygiene-Konform per Telefon durchgeführt.

Corona-Studie des RKI: Stellen Kneipen-Besuche eine Gefahr dar?

Die Studie des RKI zur Corona-Ausbreitung, wurde im November 2020 gestartet. Sie wird weiter geführt bis insgesamt Daten von 1200 Personen erhoben werden konnten. Ein Ergebnis wird im Frühjahr 2021 erwartet. Die Studie soll als wissenschaftliche Grundlage für Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandmie dienen.

Laut dem RKI hat zur Verdeutlichung des Studienziels Beispielfragen veröffentlicht, auf die die Corona-Studie Antworten liefern soll:

  • „Sind Kneipen- und Restaurantbesuche mit einem erhöhten Infektionsrisiko verbunden?“
  • „Macht es einen Unterschied, ob man sich mit Freund*innen drinnen oder draußen trifft?“
  • „Bei Veranstaltungen welcher Art besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko und bei welchen nicht?“

Spätestens nach Veröffentlichung der Ergebnisse 2021 wird klar sein, ob die Studien-Ergebnisse aus den USA, auch auf Deutschland zutreffen. (Lucas Maier) *hna.de und merkur.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © Sarah Reingewirtz via www.imago-images.de

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