Pandemie

Private Grillparty und Co.: Sollten sich auch Geimpfte und Genesene weiter testen lassen?

Grillen gehört zum Sommer dazu. Doch sollten sich Geimpfte und Genesene vor einer Party testen lassen? (Symbolbild)
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Grillen gehört zum Sommer dazu. Doch sollten sich Geimpfte und Genesene vor einer Party testen lassen? (Symbolbild)

Treffen mit vielen Personen sind wieder möglich: Wenn alle Teilnehmenden geimpft oder genesen sind, müssen Corona-Tests nicht sein. Sind sie dennoch sinnvoll?

Kassel - Im Sommer ist trotz Corona wieder einiges möglich: Einer Feier im Freien etwa steht nichts im Wege, wenn alle Beteiligten vollständig geimpft oder genesen sind. Doch sollten sich die Gäste weiterhin auf das Coronavirus testen?

Eigentlich sind bei einer Gartenparty ausschließlich mit vollständig Geimpften und Genesenen keine Tests nötig. Das stimmt zwar, falls allerdings auch nicht immunisierte Personen anwesend sind, raten Experten zu Testungen.

Keine Corona-Tests notwendig: Mehr Freiheiten für Genesene und Geimpfte

Für den Gesetzgeber ist die Sache klar: Seit 9. Mai gibt es für vollständig Geimpfte und Genesene von Corona mehr Freiheiten. Das heißt: Das Infektionsschutzgesetz und dessen Testpflicht „gilt nicht für eine private Zusammenkunft, an der ausschließlich geimpfte Personen oder genesene Personen teilnehmen“, heißt es in Paragraf 4 der Covid-19-Schutzmaßnahmen-Ausnahmeverordnung.

Heißt das aber auch, dass von diesen Menschen hinsichtlich Corona keine Gefahr mehr ausgeht? Das Robert Koch-Institut (RKI) schränkt ein: „Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person trotz vollständiger Impfung PCR-positiv wird, ist niedrig, aber nicht Null.“ Es müsse davon ausgegangen werden, dass „einige Menschen nach Kontakt mit SARS-CoV-2 trotz Impfung (asymptomatisch) PCR-positiv werden und dabei auch infektiöse Viren ausscheiden“. Das Risiko muss laut RKI durch das Einhalten der Maßnahmen wie Abstand halten und Maske tragen reduziert werden.

Tests bei Geimpften und Genesenen: Das Risiko einer Infektion mit Corona sinkt mit der Impfung deutlich 

Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI), gibt für eine Gartenparty mit vollständig Geimpften trotzdem grünes Licht. Seine Rechnung: Das Risiko, dass ein vollständig Geimpfter mit Corona infiziert sei, reduziere sich je nach Vakzin deutlich – um etwa 90 Prozent bei Biontech und etwa 70 Prozent bei Astrazeneca. Diese Zahlen decken sich mit denen des RKI. Ein Test ist also nicht notwendig.

Und selbst wenn sich ein Geimpfter infiziere, sei seine Viruslast deutlich geringer und er dadurch deutlich weniger ansteckend, erklärt Watzl. Wenn alle Teilnehmer doppelt geimpft seien und das Ganze im Sommer draußen stattfinde, gehe „das Risiko gegen null“. Schnelltests bei den Teilnehmern einzufordern wäre also schlicht Verschwendung.

Video: So erkennt man, ob der Corona-Test richtig durchgeführt wurde

Corona-Test trotz Impfung und Genesung? Expertin äußert sich

Allerdings wird noch immer vor Nachsicht gewarnt. Die Delta-Variante des Corona-Virus ist auch in Deutschland auf dem Vormarsch. Laut Gesundheitsminister Jens Spahn könnte das auch Öffnungsschritte wieder infrage stellen.

Corona-Genesene können sich aber nach Ansicht der DGfI-Präsidentin Christine Falk immunologisch von vollständig Geimpften unterscheiden. Vergleichbar seien die Gruppen erst dann, wenn die Genesenen etwa sechs Monate nach der Infektion mit einer einmaligen „Auffrisch“-Impfung immunisiert würden.

Tests bei Corona-Geimpften und Genesenen: Was gilt, wenn auch Nicht-Geimpfte an der Party teilnehmen? 

Auch für Watzl ist die Gruppe der Genesenen aus immunologischer Sicht „heterogen“. Das heißt: Einige, die die Krankheit durchgemacht haben, zeigen Antikörperspiegel wie Geimpfte und „haben wahrscheinlich auch einen vergleichbaren Schutz“. Aber es komme auch vor, dass Genesene keine nachweisbaren Antikörper haben. Trotzdem, so Watzl, könnten sie durch T-Zellen – also Gedächtniszellen – vor einer schwer verlaufenden Corona-Infektion geschützt sein.

Anders sieht es aus, wenn an der Party auch Nicht-Geimpfte teilnehmen: Dann ist Watzl zufolge die Gefahr größer, dass sie infektiös sind. Diese Menschen könnten sich auch leichter mit Corona anstecken. Für diesen Fall rät der Immunologe zu Antigen-Schnelltests, auch wenn die Inzidenzen gerade niedrig sind.

Das sieht DGfI-Präsidentin Falk ähnlich: So lange etwa die Hälfte der Bevölkerung noch nicht geimpft sei, „wäre es sehr sinnvoll, dem Virus keinen Raum für eine Ausbreitung zu geben“. Sie empfiehlt deshalb, im Sommer Partys oder Veranstaltungen mit Schnelltests abzusichern. (luw/dpa)

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