„Dämliche Entscheidung“

Deutschland: Corona-Kontrollen an Grenzen - Verband warnt vor leeren Regalen im Supermarkt

Die Kontrollen an den Grenzen zu Tschechien und Tirol könnten sich auf unsere Supermarkt-Regale auswirken. Für die EU hagelt es Kritik seitens der Straßentransportunion.

  • Im Kampf gegen Corona* herrschen strenge Grenzkontrollen zu Tschechien und Tirol.
  • Die Internationale Straßentransportunion kritisiert das Vorgehen der EU scharf.
  • Aufgrund von Lieferengpässen könnten in den Supermärkten bald wieder Hamsterkäufe starten.

Kassel - Nicht nur der Lockdown hat in Zeiten der Corona-Pandemie Auswirkungen auf die Wirtschaft, sondern auch vermeintlich kleinere Maßnahmen, wie die verschärften Grenzkontrollen zu Tschechien und Tirol. Die genaue Begutachtung ist nicht nur zeitaufwendig, sondern sorgt zudem für lange Staus, immensen Zeitverlust und möglicherweise bald schon für leere Supermarkt-Regale.

Die verschärften Kontrollen wurden angeordnet, weil Teile Tirols und das Nachbarland Tschechien zum Risikogebiet erklärt wurden. Gegenüber dem Spiegel betont Matthias Maedge, dass man diese Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus unterstütze, aber auch gleichzeitig für problematisch halte. Maedge ist der Politische Direktor der International Road Transport Union, der Internationalen Straßentransportunion (IRU).

Corona in Deutschland: Grenzkontrollen sorgen derzeit für reichlich Unmut. Der Politische Direktor der Internationalen Straßentransportunion prognostiziert bereits Produktengpässe im Supermarkt. (Symbolfoto)

IRU-Direktor kritisiert Corona-Grenzkontrollen: Weniger Produkte im Supermarkt-Regal?

Laut Maedge sei es schlichtweg „gefährlich“, dass „sich jetzt Hunderte Fahrer Schulter an Schulter“ vor Corona-Testzentren anstellen müssten. Zugleich würde es sich dabei um eine „unwürdige Behandlung dieser Menschen“ halten. Darüber hinaus warnt er weiter vor der Lahmlegung ganzer Betriebe: Demnach könnte es sein, dass im Supermarkt gewisse Produkte demnächst nicht mehr angeboten werden können.

Nun käme es darauf an, wie sich das Geschehen an den Grenzen weiter entwickle und ob die Lkw-Fahrer Unterstützung bekämen. Die seien nämlich „kein Risikoherd“, da jeglicher menschlicher Kontakt seitens der Unternehmen minimiert worden sei. Fahrer seien isoliert in ihren Fahrzeugen unterwegs und hätten mit Be- und Abladung meist gar nichts zu tun.

Corona in Deutschland: Lieferengpässe möglich - Drohen Hamsterkäufe im Supermarkt?

Über die derzeitigen Zustände sei man „tief enttäuscht und sauer“, so Matthias Maedge weiter im Spiegel-Interview. Noch am Freitag (12.02.2021) habe EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) schriftlich mitgeteilt, dass man die Grenzen für den Güterverkehr offen lassen wolle. Dann habe aber „eine einseitige und unbedachte, dämliche Entscheidung der deutschen Seite zum Chaos geführt“.

Bezüglich möglichen Panikkäufen aufgrund von drohenden Produktengpässen in Supermarkt-Regalen, glaubt Matthias Maedge, dass es vielleicht noch einige Tage lang gut gehen könne. Es komme ganz darauf an, wie sich das Geschehen an den Grenzen entwickelt. Fahrer, die sich „minütlich wegen kilometerlangen Staus oder stundenlangen Warteschlangen vor Corona-Testzentren“ melden sollen, seien dringend auf Hilfe angewiesen.

Hilfe aus Brüssel, sodass Fahrer wieder „ihren Job machen und ungehindert die Grenze passieren können“, sagt Maedge. Jetzt könne die EU zeigen, wozu sie gut sei, so der IRU-Direktor. (Nail Akkoyun) *hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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