Trendwende bei der DB

Wird Wunsch der Kunden Realität? Deutsche Bahn will ICE-Züge umgestalten

Die Deutsche Bahn will offenbar ihre ICE-Züge umgestalten. Ein Wunsch der Kunden steht dabei besonders im Fokus.

Frankfurt - Die Deutsche Bahn verabschiedet sich seit Jahren immer mehr vom kleinen Abteil. In jeder neuen Generation von Zügen überwiegen mehr und mehr offene Sitzreihen und Großraumwagen. Am Hauptbahnhof Frankfurt* in einen ICE einzusteigen und Platz in einem kleinen, ruhigen Abteil zu bekommen, diese Chance besteht für Reisende kaum noch. Und das nicht ohne Grund.

Denn dadurch ist es möglich, mehr Menschen mit der DB zu befördern. Das ist auch das erklärte Ziel der Deutschen Bahn. Schon bald sollen 180 Millionen Menschen im Fernverkehr transportiert werden. Dahingehend müssen auch die Züge mehr Reisende fassen, was sich nicht selten auf die Abteile auswirkt. Wie die Deutsche Presse Agentur (dpa) mitteilt, waren noch knapp ein Drittel der Sitzplätze im ältesten ICE 1 Abteilplätze.

Sieht das Innenleben der ICEs bei der DB bald wieder ganz anders aus? Die Deutsche Bahn liebäugelt mit einer Renaissance. (Symbolbild)

Im ICE 4 sei dieser Luxus nur noch für Familien mit Kleinkindern vorgesehen. Betrachtet man die Pläne des Unternehmens, scheint sich dieser Trend fortzusetzen. Denn laut einer Mitteilung der DB sollen erst einmal nur Züge des Flaggschiffs ICE 4 folgen. Die Zahl der anderen ICE-Modelle bleibt gleich. Doch jetzt hat das Bahn-Vorstandsmitglied Berthold Huber verraten, dass der Trend einen ganz anderen Weg einschlagen könnte.

Anzahl der Züge bei der DB im Jahr 2020Geplante Anzahl der Züge im Jahr 2026
ICE 1: 58ICE 1: 58
ICE 2: 44ICE 2: 44
ICE T: 70ICE T: 70
ICE 3: 82ICE 3: 82
ICE 4: 49ICE 4: 137
Quelle: Deutsche Bahn AG, Stand Juli 2020

Deutsche Bahn: Trendwende bei der DB? Vorstandsmitglied macht Hoffnung für Abteil-Fans

Denn Abteile könnten eine kleine Renaissance bei der Deutschen Bahn feiern. Wie DB-Vorstandsmitglied Berthold Huber verrät, denkt das Unternehmen darüber nach, die Reisewagen wieder stärker zu untergliedern. „Unsere Kunden wünschen sich mehr Rückzugsmöglichkeiten und dafür wieder mehr abteilähnliche Räume“, sagte Huber gegenüber der dpa. Eine Konzeptstudie bis Herbst soll erste Ideen dazu liefern, wie diese Räume aussehen könnten.

Man denke über eine ganz neue Generation von Hochgeschwindigkeitszügen nach, erklärt das Vorstandsmitglied der DB. Bis diese mit möglicherweise sogar mehr Abteilen auf die Schienen kommen, dürften aber noch Jahre vergehen. „Das sind Überlegungen für die zweite Hälfte dieses Jahrzehnts“, fügt Huber an. Fakt ist jedoch, die Deutsche Bahn hat viel vor. Laut des integrierten Jahresberichts von 2020 hat das Unternehmen ehrgeizige Pläne. 2024 sollen im Fernverkehr 180 Millionen Reisende transportiert werden. Verglichen mit dem Corona-Jahr 2020 sind diese Zahlen hoch. In der Pandemie zählte das Unternehmen gerade einmal 81 Millionen Reisende in dieser Kategorie. Doch das DB-Vorstandsmitglied gibt sich optimistisch.

Deutsche Bahn (DB) mit Trendwende: Abteile wieder hoch im Kurs?

Ziel der Deutschen Bahn ist es, so die dpa, 2030 im Fernverkehr 260 Millionen Reisende in ihren Zügen zu zählen. „Wir verlieren das Ziel überhaupt nicht aus den Augen“, sagte Huber dahingehend. Der Hunger auf Reisen sei bei den Menschen groß, erklärt er und betont: „Die Nachfrage wird viel schneller zurückkommen, als manche jetzt sagen.“ Sonderrechte für Geimpfte werde es dabei nicht geben, so das DB-Vorstandsmitglied. Der wieder steigenden Nachfrage im Fernverkehr der Bahn kann unter anderem der neue ICE 4 Rechnung tragen. Der XXL-ICE, der auch am Hauptbahnhof in Frankfurt* halten soll, wird in seiner 13-teiligen Form 375 Meter lang sein, und Platz für stolze 918 Sitzplätze haben. Als längster Zug der Bahngeschichte soll der XXL-Zug der DB erstmals in der zweiten Jahreshälfte 2021 regelmäßig im Schienenverkehr eingesetzt werden.

Mehr Fahrgäste und gleichzeitig mehr „abteilähnliche Räume“? Wie sich die ehrgeizigen Fahrgastziele auf die mögliche Trendwende in Sachen Abteil auswirken, bleibt abzuwarten. Eine steigende Anzahl an Abteilen würde in jedem Fall den Vorstellungen im Buch „Demokratieverstärker“ entgegenkommen. Dort stellt Laura-Kristine Krause eine ganz neue Vision von Abteile bei der Deutschen Bahn vor. (Sophia Lother) *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: ©  Jan Huebner/Imago

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