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Stromverträge für mehreren Edeka-Filialen gekündigt: „Dann vergammelt alles in unseren Kühltruhen“

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Von: Karolin Schäfer

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Fünf Edeka-Filialen in Osnabrück wurde zum Jahresende der Stromvertrag gekündigt, einen Anschlussvertrag gibt es nicht,
Fünf Edeka-Filialen in Osnabrück wurde zum Jahresende der Stromvertrag gekündigt. (Symbolfoto) © Michael Bihlmayer/imago

Mehr als 1000 Verbrauchern wurde der Stromvertrag von den Stadtwerken Osnabrück gekündigt, auch mehreren Edeka-Filialen. Einen Anschlussvertrag gibt es nicht.

Kassel/Osnabrück – Auch angesichts des zum Krieg eskalierten Ukraine-Konflikts steigen die Energiepreise ins Unermessliche. Das veranlasst Stromversorger immer wieder dazu, Verbraucherinnen und Verbraucher aufgrund der hohen Beschaffungskosten zu kündigen.

Medienberichten zufolge wurden auch in Osnabrück mehr als 1000 Kundinnen und Kunden von den Stadtwerken gekündigt. Von den Kündigungen betroffen seien auch fünf Edeka-Filialen. Die Möglichkeit für einen Anschlussvertrag gibt es offenbar nicht.

Edeka
Gründung25. November 1907
VorstandsvorsitzenderMarkus Mosa
Umsatz (2021)62,7 Milliarden Euro

Edeka-Filialen bald ohne Strom: Verträge zum Jahresende gekündigt

Zum Jahresende haben die Stadtwerke die auslaufenden Verträge gekündigt, berichtete das Magazin Wirtschaftswoche. Was eigentlich ein normaler Vorgang ist, wird jetzt zur Tortur. In den vergangen 24 Jahren seien immer Anschlussverträge angeboten worden, erklärte Mechthild Möllenkamp, die in Osnabrück die Edeka-Märkte leitet. Nun stehe man ohne da. „Die Stadtwerke haben gar nichts angeboten, das ist die große Enttäuschung für mich“, sagte Möllenkamp gegenüber dem Magazin. „Jetzt beschäftige ich mich nur noch mit Energiepreisen.“

Wenn Stromanbieter die Belieferung stoppen oder Verträge kündigen, stehen Kundinnen und Kunden in der Regel nicht ohne Strom dar. Dann fallen Betroffene in den Ersatz- oder Grundversorgungstarif ihres Grundversorgers, informierte die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Aufgrund der Energiekrise gibt es derzeit beim Grundversorger allerdings besonders teure Tarife für Neukundinnen und -kunden.

Edeka-Filialen ohne Anschlussverträge: Mehr als eine Million Euro an Mehrkosten

Die Grundversorgung der Stadtwerke Osnabrück für drei Monate sei für die Leiterin der Edeka-Filialen allerdings keine Alternative. Damit würde sich nämlich der Preis auf bis zu 80 Cent erhöhen. Das würde im Umkehrschluss mehr als eine Million Euro an Mehrkosten für ihre fünf Filialen bedeuten, wird die Unternehmerin von der Wirtschaftswoche zitiert. „Wir können nicht einfach mal zwei Monate zumachen, schon gar nicht ohne Strom, dann vergammelt ja alles in unseren Tiefkühltruhen und Kühlhäusern.“

Ein Sprecher der Stadtwerke Osnabrück bestätigte auf Nachfrage der Wirtschaftswoche, dass eine „kleinere vierstellige Anzahl“ von den Kündigungen betroffen sei. Dabei handele es sich überwiegend um Geschäftskundinnen und -kunden. Anschlussverträge könne man aktuell nicht anbieten, da die Preise zu stark schwanken. „Die Kalkulierbarkeit von Preisen bei stichtagsbezogenen Verträgen ist de facto unmöglich geworden“, erklärte der Sprecher.

Angesichts der Energiekrise wächst die Angst vor einem längerfristigen Stromausfall. Das zuständige Bundesamt liefert Tipps und rät zu einem Notfallvorrat.

Strom in Deutschland wird teurer: Auch Bäckereien in Sorge wegen hohen Energiekosten

Nicht nur in Osnabrück, auch in anderen Regionen Deutschlands wächst die Sorge, die Stromrechnungen nicht mehr zahlen zu können. Vor allem Bäckereien sehen sich den hohen Energiekosten hilflos ausgesetzt. Die Calenberger Backstube aus der Region Hannover machte zuletzt bei Instagram auf ihre Situation aufmerksam. „Das deutsche Bäckerhandwerk steht aufgrund der aktuellen Steigerungen der Energiepreise für Strom und Gas vor einer noch nie da gewesenen Herausforderung“, hieß es in dem Beitrag.

Zwischen Anfang Juli und Anfang September 2022 hat sich der Preis für kurzfristigen Strom an der Börse von etwa 240 auf über 500 Euro pro Megawattstunde mehr als verdoppelt, berichtete das Wirtschaftsmagazin Forbes. Unternehmen, deren vereinbarte Bestellmenge an Strom nicht ausreicht, müssen an der Börse immer wieder teuren Strom nachkaufen. Der hohe Börsenpreis lässt dann auch etwas zeitversetzt den Preis pro Kilowattstunde Strom für Verbraucherinnen und Verbraucher steigen. Allerdings würden Kundinnen und Kunden erst in ein bis zwei Jahren die Auswirkungen der Erhöhung auf der Stromrechnung bemerken, zitierte Forbes Wirtschaftsexperten. (kas)

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