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Wie viel Strom brauchen eine Milliarde E-Autos?

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Von: Lukas Zigo

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Bis 2040 sollen eine Milliarde E-Autos auf den Straßen sein. Aber reicht die Energieversorgung dafür überhaut aus? Ein Analyst klärt auf.

Frankfurt am Main – Europa hat beschlossen, ab 2030 sollen in der EU ausschließlich Elektroautos verkauft werden. Angesichts der Energiekrise, in der sich Europa aktuell befindet, stellt sich die Frage, wie viel mehr Strom benötigt werden würde, sollten Elektroautos zur Norm werden. Die Bedenken sind nicht weit hergeholt, wie das Beispiel Kaliforniens zeigt. Im Spätsommer kam es dort aufgrund von hohem Energiebedarf während einer Hitzewelle fast zu Stromausfällen. Daher rief Tesla seine Kunden dazu auf, ihre Autos möglichst außerhalb der Spitzenzeiten zu laden. Später tat der Netz-Betreiber das gleiche für alle E-Auto-Fahrer in Kalifornien.

Der Morgen in Schleswig-Holstein
Ein Elektroauto wird an einer Ladesäule der Kieler Stadtwerke geladen. © Frank Molter/dpa

Vorkommnisse wie diese zeigen, wie wichtig es ist, solche Belange im Vorfeld zu diskutieren und durchzurechnen. Zu diesem Thema äußerte sich nun Colin McKerracher, leitender Analyst bei der Energie-Marktforschungsfirma BloombergNEF, mit trockenen Fakten.

Eine Milliarde Elektroautos: Das Problem mit der Energieversorgung

Laut McKerrachers Daten-Sammlung zu dem Thema sei das Problem der Energieversorgung für Elektroautos weit weniger gravierend als man glaube. Laut der BNEF-Prognosen werde es bis Ende des Jahres 2022 weltweit 27 Millionen von außen aufladbare Pkw geben, die zusammen etwa 60 Terawattstunden Strom pro Jahr benötigen. Zwar ist dies eine große Zahl, im Verhältnis zum Gesamtbedarf in 2022 macht diese jedoch nur 0,2 Prozent aus. Demnach hätte die globale Elektroautoflotte ungefähr denselben Stromverbrauch wie der Stadtstaat Singapur.

Prognosen sagen bis 2040 eine Milliarde Elektroautos auf den Straßen voraus. McKerracher kommt zu dem Schluss, dass sich der Strombedarf für eine Milliarde Elektroautos gerade mal um 9 Prozent erhöhen würde. Rechne man E-Busse und elektrische Schwerlaster hinzu, käme man auf 15 Prozent. McKerracher ist davon überzeugt, dass es bei entsprechender Vorbereitung verkraftbar wäre, wenn 2050 fast alle elektrisch unterwegs wären. Dies würde eine Steigerung des Energiebedarfs um 27 Prozent im Vergleich zu heute bedeuten.

Energiebedarf für eine Milliarde E-Autos: Norwegen stützt optimistische Prognose

Als Feldtest und Beispiel zieht McKerracher Norwegen heran. In dem Land liegt der Anteil an Elektroautos bei den Neuzulassungen inzwischen bei 80 Prozent. Schon heute ist jeder Fünfte in Norwegen elektrisch unterwegs. Dem Analysten zufolge sei der Stromverbrauch dadurch jedoch nur um 1,4 Prozent gestiegen. McKerracher räumt ein, dass sich Norwegen als Beispiel nur bedingt übertragen lässt, da wegen der niedrigen Temperaturen im skandinavischen Land ohnehin viel Strom gebraucht werde, wodurch der E-Auto-Anteil möglicherweise kleiner erscheint.

McKerracher kommt zu dem Schluss, dass die Integration von E-Autos in das Energiesystem nach wie vor eine sorgfältige Planung sowie Anreize für das Laden außerhalb der Spitzenzeiten benötigt, um den Spitzenbedarf zu reduzieren. Vielerorts seien auch lokale Netzverstärkungen vonnöten. Als Anteil am weltweiten Strombedarf wird der Beitrag von E-Fahrzeugen jedoch noch einige Jahre lang sehr bescheiden sein. (lz)

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