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Elektronisches Rezept wird verschoben: Projekt „auf Grund gelaufen“

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Von: Helena Gries, Nail Akkoyun

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Eine App für das E-Rezept wird bereits zum kostenlosen Download in den App-Stores von Apple und Google angeboten. Eingeführt wird der Service aber nun doch nicht im Januar.
Eine App für das E-Rezept wird bereits zum kostenlosen Download in den App-Stores von Apple und Google angeboten. Eingeführt wird der Service aber nun doch nicht im Januar. © Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Ursprünglich sollte das E-Rezept im Januar 2022 in Deutschland flächendeckend eingeführt werden. Der Start verschiebt sich jedoch, ein neuer Termin ist ungewiss.

Kassel – Der rosa Zettel soll bald der Vergangenheit angehören. Ob Antibiotikum, Schmerztabletten oder Blutdrucksenker: Künftig soll ein digitaler Code ausreichen, um Rezepte in der Apotheke einzulösen. Die Einführung des elektronischen Rezeptes startete jüngst bereits mit einem Feldversuch.

Eine offizielle App namens „Das E-Rezept“ wird bereits zum kostenlosen Download in den App-Stores von Apple und Google angeboten. Zum kommenden Jahr sollte das elektronische Rezept mittels QR-Code dann flächendeckend in Deutschland erfolgen. Doch daraus wird vorerst nichts, die als verpflichtend angedachte Einführung wird verschoben.

Elektronisches E-Rezept in Deutschland: Neuer Starttermin nicht bekannt

Ein Pilotversuch mit rund 50 Arztpraxen und 120 Apotheken in Berlin und Brandenburg wurde längst gestartet, teilnehmenden Praxen und Apotheken sollten das neue E-Rezept testen und bewerten. Mittlerweile sei aber deutlich geworden, dass „die erforderlichen technischen Systeme noch nicht flächendeckend zur Verfügung stehen“, heißt es in einem Schreiben des Bundesgesundheitsministeriums. Das Papier liegt der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vor.

Das Schreiben ist an die für das E-Rezept zuständige Firma Gematik gerichtet. Vor Monaten hatte es in der Ärzteschaft starke Bedenken gegeben, der ursprüngliche Zeitplan sei unrealistisch und das Vorhaben bis Anfang 2022 nicht umsetzbar. Markus Leyck Dieken, Geschäftsführer der mehrheitlich dem Bund gehörenden Gematik GmbH, bezeichnete das E-Rezept noch im Sommer 2021 als eine Zeitersparnis in den Arztpraxen. Da bislang Arzneimittel, die von den Krankenkassen bezahlt werden, ausschließlich in Papierform ausgestellt werden, solle das System des E-Rezeptes vor allem für mehr Wirtschaftlichkeit sorgen.

E-Rezept sollte für mehr Wirtschaftlichkeit sorgen: Firma Gematik muss zurückrudern

Bereits im Oktober 2021 musste Gematik jedoch zurückrudern, als die bundesweite Testphase auf Dezember verschoben wurde. Im November hieß es, dass der Pflichtstart ab Januar nur für diejenigen gelte, „die dazu technisch in der Lage sind“ – doch selbst dieses vage Vorhaben wandert nun in den Mülleimer.

Geplant ist nun, den kontrollierten Test- und Pilotbetrieb in den kommenden Wochen schrittweise fortzusetzen und auszuweiten. Ein neuer Termin, ab dem die Pflicht greift, steht allerdings nicht fest.

Einführung von E-Rezept wird verschoben: Gesundheitsbranche zwiegespalten

Die Gesundheitsbranche reagierte erleichtert auf die Verschiebung des Pflichtstarts. „Die erschreckend geringe Anzahl an erfolgreich ausgestellten E-Rezepten zeigt, dass eine echte und erfolgreiche Testphase fehlt“, hieß es vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen. Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt wies darauf hin, dass Anfang Dezember lediglich 42 E-Rezepte ausgestellt und erfolgreich abgerechnet worden seien. Intensive flächendeckende Tests seien daher notwendig. In Kassel kritisieren Apothekerinnen und Apotheker jedoch die geplante E-Rezept-Testphase.

Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, zeigte sich verärgert, das Projekt sei „auf Grund gelaufen.“ Während der damalige Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) versucht habe „endlich Schwung in die flächendeckende Einführung des E-Rezepts“ bringen zu wollen, sei es jetzt „gerade die Ärzteschaft, die gern an alten Zöpfen zulasten der Patientinnen und Patienten festhält.“ (hg/nak/dpa)

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