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Nebenkosten-Nachzahlung: So minimieren Mieter das Kündigungsrisiko

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Von: Teresa Toth

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Im Zuge des Ukraine-Kriegs steigen die Energiepreise massiv. Mieter müssen sich auf hohe Nachzahlungen gefasst machen – Kündigungen drohen.

Kassel – Die Preise von Öl und Gas explodieren – und damit auch die Nebenkosten. Zwar steht die nächste Abrechnung erst im kommenden Jahr an, dennoch versuchen sich viele Mieter sich schon jetzt gegen deutlich höhere Nebenkosten zu wappnen. Sind Vorauszahlungen eine sinnvolle Lösung, um enorme Nachzahlungen abzufedern?

Einige Vermieter bestehen bereits darauf, die monatlichen Vorauszahlungen für die warmen Nebenkosten, also für Heizung und Warmwasser, zu erhöhen. Pauschale Vorgaben dafür, wie wieviel höher die Vorauszahlungen sein sollen, gibt es nicht: mal steigen sie um zehn Prozent, mal um 20 Prozent oder mehr.

Hohe Nebenkosten-Nachzahlung: „Die Situation ist mehr als dramatisch“

In vielen Fällen überlassen Vermieter den Mietern selbst, ob und um wieviel sie die Vorauszahlung der Nebenkosten erhöhen möchten. Das gilt jedoch nicht für große Wohnungsunternehmen und Hausverwaltungen: Diese legen klare Beträge fest, an die sich die Mieter halten sollen – jedoch oft in enger Abstimmung mit den Mietern, erklärt Präsident des Spitzenverbands der Wohnungswirtschaft GdW Axel Gedaschko gegenüber Welt.

Laut GdW werden die üblichen Vorauszahlungen in keinem Fall ausreichen, um die derzeitigen Kosten für Öl und Gas zu decken. So haben sich etwa die Kosten für Heizöl bis Juli im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Bis Jahresende könnte die Preissteigerungen zwischen 71 und knapp 200 Prozent liegen. Für einen Single-Haushalt kann das zusätzliche Kosten von 1000 bis 2700 Euro im Jahr bedeuten, zwei Personen müssen mit Zusatzausgaben von 1400 bis 3800 Euro im Jahr rechnen, warnt Gedaschko. „Die Situation ist mehr als dramatisch.“

Mit den steigenden Nebenkosten droht einigen Mietern die Kündigung. Vorauszahlungen sind nicht immer sinnvoll.
Mit den steigenden Nebenkosten droht einigen Mietern die Kündigung. Höhere Vorauszahlungen sind nicht immer sinnvoll. (Symbolbild) © Ralf Hirschberger/dpa

Nebenkosten-Nachzahlung stemmen: Nach 30 Tagen droht eine fristlose Kündigung

Neben der Abgabe von höheren Abschlägen haben Mieter – in Abstimmung mit dem Vermieter – auch die Möglichkeit, selbst monatlich Geld zurückzulegen, um die Nachzahlung im kommenden stemmen zu können. Jutta Hartmann, Sprecherin des Deutschen Mieterbunds in Berlin, plädiert für letztere Option. Denn: Wer sich auf höhere Vorauszahlungen einlässt, den Zuschlag langfristig aber nicht finanzieren kann, riskiert eine fristlose Kündigung.

Der Vermieter darf kündigen, sobald der rückständige Betrag mehr als eine Monatsmiete beträgt. „Das Risiko sollte jeder bedenken, der seine finanziellen Möglichkeiten falsch eingeschätzt hat“, gibt Hartmann zu bedenken. Aber auch eigenständiges Sparen auf die kommende Nachzahlung birgt Risiken. Denn eine Nachforderung muss innerhalb von 30 Tagen bezahlt werden. Andernfalls droht ebenfalls eine fristlose Kündigung.

Menschen, die schon jetzt sicher sind, dass sie höhere Nebenkosten nicht zahlen können, rät Hartmann, sich frühzeitig um staatliche Unterstützung zu kümmern. Dazu zählen etwa Wohngeld oder ein Heizkostenzuschuss. Mietvereine vor Ort bieten hierfür Beratungsangebote. Zudem können Verbraucher im Alltag darauf achten, weniger Energie zu verbrauchen. (tt)

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