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Gas-Preise steigen: Verbraucher müssen mit „Verdreifachung der Abschläge“ rechnen

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Von: Karolin Schäfer

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Die steigenden Energiepreise treffen Verbraucherinnen und Verbraucher besonders hart.
Die steigenden Energiepreise treffen Verbraucherinnen und Verbraucher besonders hart. © Weingartner-Foto/dpa

Gas-Kunden müssen sich auf eine teure Heizperiode im Herbst und Winter einstellen. Ab 2023 ist sogar mit einer „Verdreifachung der Abschläge“ zu rechnen.

Kassel – Nicht nur die hohen Lebensmittelpreise, sondern auch die enorm gestiegenen Energiekosten werden für viele Verbraucherinnen und Verbraucher zur Belastung. Ein Ende der Verteuerung der Lebenshaltungskosten scheint derzeit nicht in Sicht zu sein.

Die Sorge, dass Russland seine Gas-Lieferungen an Deutschland vollständig einstellt, ist groß. Die Drosselungen aufgrund der Wartungsarbeiten der Pipeline Nord Stream 1 sorgte bereits für einen Anstieg der Kosten. Ob Russland die Lieferungen nach Abschluss der Wartungsarbeiten am 21. Juli wieder hochfährt, ist noch unklar.

Gas-Preise werden steigen: „Verdreifachung der Abschläge“ ab 2023

Mit Blick auf die Heizperiode im Herbst und Winter geht die Bundesnetzagentur von großen Preissprüngen aus. „Ab 2023 müssen sich Gaskunden auf eine Verdreifachung der Abschläge einstellen, mindestens“, sagte Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Wie sich der Gaspreis über die Heizperiode entwickeln wird, hängt in erster Linie von den Beschaffungskosten für Erdgas ab. Laut Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) ist der Importpreis seit Mitte des vergangenen Jahres 2021 stark gestiegen. So lag der Preis für importiertes Gas im April 2022 in Deutschland bei 6,46 Cent pro Kilowattstunde. Zwischen 2015 und 2019 beliefen sich die Kosten durchschnittlich auf 1,76 Cent pro Kilowattstunde.

Infolge des Ukraine-Krieges erlebt die Energiebörse einen noch drastischeren Anstieg. „Wer Anfang des Sommers Gas für den Rest des Jahres einkauft, zahlt rund 13,5 Cent pro Kilowattstunde“, schrieb das Verbraucherportal finanztip.de. Das sei das Doppelte gegenüber dem Importpreis im April.

Hohe Gas-Preise: Kundinnen und Kunden finanziell am Limit

Bereits jetzt sind viele angesichts der hohen Kosten am finanziellen Limit, erklärte Philipp Wendt, Vorstand der Verbraucherzentrale Hessen. Sollte die Bundesregierung die Gasmangellage ausrufen und es dann weitere Preisaufschläge geben, „dann werden wir überrannt mit Anfragen besorgter Verbraucherinnen und Verbraucher.“ Besonders Menschen, die „bisher gerade so hinkommen mit ihrem Einkommen und nichts auf die hohe Kante legen können, werden von Energieschulden geradezu aufgefressen werden“, sagte Wendt.

Dabei seien die aktuellen Gas-Preise nur der Anfang. „Wir erleben jetzt die ersten Vorboten teurer Energie“, kündigte Christian Rumpke, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Brandenburg, an. Die Entwicklung werde sich beschleunigen. „Energie wird ein knappes und sehr teures Gut.“ Auch Energieökonom Lion Hirth rechnet im Gespräch mit ntv.de mit einem enormen Anstieg: „Eine Altbauwohnung oder ein unsaniertes Einfamilienhäuschen mit Gastherme hatte bisher schätzungsweise Heizkosten in Höhe von 100 Euro monatlich. Bei den aktuellen Börsenpreisen dürften die Kosten auf 300 bis 400 Euro ansteigen.“

Gas einsparen: Weniger und bewusster heizen

Wichtig sei es den Verbraucherzentralen zufolge daher, Energie einzusparen und Rücklagen für die absehbar hohen Kosten zu bilden. Das bedeutet auch, weniger und bewusster zu heizen. „Wenn es vier Grad weniger warm ist, spart man in Bezug auf die Raumheizung ein Viertel Energie“, erklärte Peter Kafke, Teamleiter Energieberatung beim Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Viele fragen sich deshalb auch, wie sinnvoll es ist, auf Gas-Alternativen umzusteigen.

In jeden Fall wird Deutschland die Gas-Krise teuer zu stehen kommen. „Nächstes Jahr muss man schauen, wie man die Haushalte entschuldet bekommt: Der Staat wird Geld bereitstellen müssen und die Energieversorger werden auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten müssen“, so Verbraucherschützer Wendt.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck will daher Verbraucherinnen und Verbraucher auch im kommenden Jahr unterstützen. Die Auswirkungen der Krise bekomme jeder zu spüren, sagte der Grünen-Politiker dem RND. „Selbst Gutverdiener schlucken, wenn sie statt 1500 plötzlich 4500 Euro im Jahr fürs Heizen bezahlen müssen.“ Für Menschen mit geringerem Einkommen seien die Summe „schlicht nicht darstellbar“, so Habeck. (kas/dpa)

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