1. Startseite
  2. Verbraucher

Konditoreien in der Krise: Ohne Hilfe „schaffen es 30 Prozent der Betriebe nicht mal bis Dezember“

Erstellt:

Von: Lucas Maier

Kommentare

Die Energiekrise überrollt in Deutschland eine Branche nach der anderen. Jetzt hoffen die Konditoreien auf Hilfe aus der Politik.

Berlin – In Deutschland greift die Energiekrise weiter um sich: Nach Landwirtschaft und Logistikbranche trifft es nun auch Konditorinnen und Konditoren. Mit der Kampagne „Kein Dichtmachen bleibt folgenlos!“ macht der Deutsche Konditorenverband (BIV) über die sozialen Medien auf die dramatische Lage vieler Betriebe aufmerksam - und verweist zur Veranschaulichung der Probleme auf reale Beispiele.

Um ganze 600 Prozent seien in einem der Betriebe die Kosten für Gas gestiegen, schreibt der BIV. Hätten vorher 800 Euro im Monat ausgereicht, um die Gasrechnung der Konditorei bezahlen zu können, würden mittlerweile satte 4800 Euro fällig.

Energie-Krise: Betriebe in Deutschland stehen „mit dem Rücken zur Wand stehen“

„Wenn jegliche Unterstützung ausbleibt, schaffen es 30 Prozent der Betriebe nicht mal mehr bis Dezember“, verdeutlichte BIV-Präsident Gerhard Schenk die drastische Situation der Konditoreien in Deutschland gegenüber der Welt. Wegen der hohen Energiepreise würden viele der Betriebe „mit dem Rücken zur Wand stehen“.

Insgesamt gibt es in Deutschland aktuell 3.396 Konditoreien, die einen Gesamtumsatz von 1,69 Milliarden Euro (Stand: 2021) erwirtschaften, heißt es auf der Website des BIV. Für die Handwerksbranche begann das Jahr eigentlich vielversprechend. Im ersten Quartal 2022 gab der Verband eine Steigerung des Gesamtumsatzes um 27,9 Prozent bekannt. Im Laufe des Jahres hat sich das Blatt aufgrund der steigenden Energie- und Rohstoffpreise allerdings dramatisch gewendet.

Konditoreien in der Krise: Die Energie-Krise überrollt die nächste Branche.
Konditoreien in der Krise: Die Energiekrise überrollt die nächste Branche. (Archivbild) © Fabian Strauch/dpa

Preis-Eskalation bei Konditoreien: Geschäftsführer wendet sich mit offenem Brief an Habeck

Die gesteigerten Ausgaben für Energie könnten die Betriebe „in der aktuellen Situation nicht an die Kunden weitergeben“, wie der BIV schreibt. „Wenn ich alle Kostensteigerungen weitergeben würde, müsste ich für ein Stück Kuchen sieben bis zehn Euro verlangen statt 3,50 Euro“, veranschaulicht der Konditor Bernd Siefert die Zwickmühle gegenüber Welt.

Die Kritik der Konditorei-Betriebe richtet sich teilweise auch direkt an die Politik. Der Geschäftsführer des Unternehmens „Kuchenmeister“, Hans-Günter Trockels, hat sich mit einem offenen Brief direkt an Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) gewandt, wie das Branchenblatt Rundschau für den Lebensmittelhandel berichtet.

Energie-Krise in Deutschland: Gasumlage „weder sozial noch wirtschaftlich vertretbar“

In seinem Brief kritisiert Trockels das Energiekostendämpfungsprogramm der Bundesregierung. Die Maßnahmen würden den Industriezweig der Herstellung von Backwaren nicht unterstützen, habe der Trockels dem Wirtschaftsminister geschrieben, berichtet das Branchenblatt. Drei Schreiben habe Trockels an Habeck geschickt. Eine Antwort auf seine Briefe habe er bislang jedoch nicht bekommen.

Zur Entscheidung, im Binnenmarkt die Mehrkosten für Energie auf die Verbrauchenden umzuwälzen, sagte Trockels gegenüber der Rundschau für den Lebensmittelhandel: „Diese politische Entscheidung ist weder sozial noch wirtschaftlich vertretbar.“ (Lucas Maier)

Auch interessant

Kommentare