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„Hunderte Betriebe und Tausende Arbeiter“ vor Existenzverlust: Verbände warnen wegen Energiekrise

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Von: Lucas Maier

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Unter der Energiekrise leiden viele Unternehmen. In der Getränkeindustrie spitzt sich die Situation so weit zu, dass diese sich jetzt an die Regierung wendet.

Berlin – Hohe Gaspreise, Teuerungen bei Strom und Rohstoffen: Die Krise hat Deutschland weiterhin fest im Griff. Jetzt schlägt eine bisher eher wenig in Erscheinung getretene Branche Alarm.

Mehrere Vertreter aus der Getränkewirtschaft haben unter dem Motto „Handeln, bevor es zu spät ist“ einen Hilferuf an Regierung und Öffentlichkeit gerichtet. Bereits seit Beginn der Corona-Krise leiden viele Teile der Getränkewirtschaft. Die Energiekrise verschärft die Situation nun nochmals, wie es in der Erklärung der Verbände heißt.

Energiekrise in Deutschland: Verbände greifen Staat direkt an

Zu wenige Überbrückungshilfen des Staates sind ein Punkt des Kritikschreibens der Verbände der deutschen Getränkewirtschaft. Um die Zukunft sicherer zu gestalten, haben die Verbände fünf Felder benannt, in denen aus ihrer Sicht dringender Handlungsbedarf besteht.

Ohne ein schnelles Eingreifen des Staates und ohne wirksame Hilfen werden allein in der deutschen Getränkewirtschaft hunderte Betriebe und tausende Mitarbeiter ihre Existenz verlieren.

Verbände der deutschen Getränkewirtschaft

Das Anfang September von der Bundesregierung beschlossene „Entlastungspaket“ kritisieren die Verbände als „bei weitem nicht ausreichend, um betroffene Betriebe substanziell und zeitnah zu entlasten“. Eine Hoffnung der Branche ist, dass sich Unterstützungen nicht erneut auf Kredite beschränkt, denn die Frage der Zeit sei in Betrieben momentan die des „wirtschaftlichen Überlebens“ und nicht die von neuen Investitionen.

Getränkeindustrie mit dem Rücken zur Wand: Kostendeckend produzieren nur die Wenigsten

Die Energiekrise belastet momentan auch die Getränkeindustrie direkt. Durch die aktuellen Marktpreise und der mittlerweile einsetzenden Umlage, sei es nur noch für wenige Unternehmen überhaupt möglich, kostendeckend zu produzieren, kritisieren die Verbände.

Den Beschluss der Ampel-Koalition, das Energiekostendämpfungsprogramm auszuweiten, begrüßen die Verbände hingegen. Ein weiterer Punkt, der die Getränkewirtschaft momentan belastet, ist die Verknappung von Kohlensäure. Derzeit liegt die am Markt verfügbare Menge an Kohlensäure lediglich bei 30 bis 40 Prozent, beklagen die Verbände.

Energiekrise in Deutschland: Verbände setzen sich auch für andere Zweige ein

Doch nicht nur die Getränkewirtschaft wird von der aktuellen Krise getroffen. Wie die Verbände deutlich machen, gibt es ebenfalls Probleme in der Transport- und Logistikbranche, was wiederum auf die Getränkebranche zurückfällt. Deshalb wird von den Verbänden der Deutschen Getränkewirtschaft auch eine Unterstützung dieser Betriebe gefordert. Neben der generellen Knappheit an Benzin und Diesel kommt hier die Verknappung des Harnstoffes „AdBlue“ erschwerend hinzu.

Krise in Deutschland: Getränke-Branche schlägt Alarm.
Energiekrise in Deutschland: Auch die Getränkebranche schlägt inzwischen Alarm. (Archivfoto) © Jan Woitas/dpa

Zur kritischen Infrastruktur werden Berufe und Wirtschaftszweige zusammengefasst, die zum Erhalt des Lebens in Deutschland unumgänglich sind. Pflege- und Sanitätsberufe zählen beispielsweise dazu, aber auch die Lebensmittelindustrie. Die Verbände der Getränkewirtschaft fordern nun, diesen Status „der gesamten Ernährungsindustrie und ihren Lieferketten“ zuzugestehen. Unternehmen der kritischen Infrastruktur werden bei der Energieversorgung bevorzugt berücksichtigt.

Weniger Belastungen wegen Energiekrise: Der Versuch, Pflichten zu umgehen?

Als fünfte und letzte Forderung haben die Verbände ein „Belastungsmoratorium“ benannt. Gemeint ist damit eine Aussetzung von gewissen Pflichten, zu welchen die Unternehmen eigentlich verpflichtet sind. Es werden Aufschübe unter anderem für „Dokumentations-, Prüfungs-, Zertifizierungs- und Auditierungspflichten“ gefordert.

„Immer mehr Unternehmen stehen mit dem Rücken zur Wand.“ Ob sich die Bundesregierung dieses Schlusswort zu Herzen nimmt und den Forderungen der Verbände der Deutschen Getränkewirtschaft Gehör schenkt, bleibt abzuwarten. (Lucas Maier)

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