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„Alle warten darauf und bestellen gleichzeitig“: Drastische Engpässe in Apotheken

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Von: Victoria Krumbeck

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Der Zustand in den Apotheken ist besorgniserregend. Lieferengpässe lösen einen Medikamenten-Mangel aus, der selbst gängige Schmerzmittel betrifft.

München - Apotheken sind von starken Lieferengpässen betroffen. Seit Monaten sind Arzneimittel wie Ibuprofen oder Paracetamol knapp. Der Deutsche Apothekenverband (DAV) alarmierte Mitte September, dass über 250 Medikamente nicht lieferbar sind. Apotheken berichten von akuten Engpässen. Doch schon vor dem Coronavirus gab es das Problem von nicht-lieferbaren Medikamenten. Ihre Produktion verlagert sich ins Ausland, da es sich für die Hersteller in Deutschland wirtschaftlich nicht mehr rentiert, berichtet merkur.de.

Engpässe in Apotheken: Lieferprobleme bei Medikamenten

Seit mehreren Monaten beklagen Apotheken einen Medikamenten-Mangel. „Lieferengpässe gibt es immer wieder mal, weil ein Produzent ausfällt, aber die Menge und die Länge des Ausfalls ist deutlich dramatischer geworden“, erläuterte Dr. Hans-Peter Hubmann stellvertretenden Vorsitzenden der DAV. Mitte September erklärte er die Lage der Deutschen-Presse-Agentur (dpa).

Apotheken haben Lieferschwierigkeiten bei Medikamenten. Der Deutsche Apothekenverband beklagt Lieferengpässe bei 250 Mitteln.
Apotheken haben Lieferschwierigkeiten bei Medikamenten. © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Die Engpässe gibt es schon seit einigen Jahren. „Lieferengpässe sind für uns seit mindestens fünf Jahren ein Thema“, sagte Dr. Johannes Benner, Inhaber der Eder-Apotheke in Frankenberg der Waldeckischen Landeszeitung. Dennoch sei die Zahl der betroffenen Produkte gestiegen. Hinzukommt, dass nicht nur Nischenprodukte betroffen sind, sondern auch Mittel gegen Bluthochdruck, Diabetes und Schmerzmittel. Besonders dramatisch - im April und Mai gab es „einen absoluten Mangel am Brustkrebsmittel Tamoxifen“, wie Hubmann berichtete.

Lieferengpässe bei Medikamenten - Hersteller wanden aus dem europäischen Raum ab

An dem hohen Ausfall hat sich weiterhin nicht viel getan. Apotheken beklagen immer wieder starke Engpässe. „Alle warten darauf und bestellen gleichzeitig“, sagte Lukas Frigger, Inhaber der Akazien-Apotheke in Bad Arolsen der Waldeckischen Landeszeitung.

Der Grund für den Medikamenten-Mangel sei unter anderem die Abwanderung der Hersteller ins Ausland. Viele verlassen den europäischen Raum - die Produktion findet vor allem in China und Indien statt, wie Hubmann erklärte. Corona habe die Situation dennoch verschlimmert. Wenn in China Produktionsstätten geschlossen werden oder Lieferungen aufgrund geschlossener Häfen nicht angelaufen werden dürfen, fehlen die Medikamente in Deutschland.

Es gibt kaum noch Fiebersafthersteller in Europa. Viele haben die Produktion eingestellt, weil die Herstellung durch Festbeträge und durch den Druck der Kassen nicht mehr rentabel sei, erklärte Hubmann. Für die Apotheken in Deutschland heißt es weiter warten. Apotheker bitten die Verbraucher, keine Hamsterkäufe zu tätigen. (vk)

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