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Millionen Führerscheine bald ungültig: Ist der Umtausch auch online möglich?

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Von: Paul Bröker

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Warum kommt der neue Führerschein nicht wie die Pizza per Online-Bestellung? Leider müssen Antragssteller häufig mehr Mühe auf sich nehmen.

Kassel – Immer wieder war es in den vergangenen Monaten Thema in den Nachrichten: Viele Menschen müssen ihren alten Führerschein gegen einen neuen umtauschen. Das betrifft Führerscheine, die vor dem 19. Januar 2013 ausgestellt wurden.

Hintergrund: Ab dem Jahr 2033 sollen nur noch fälschungssichere Führerscheine im Umlauf sein. Bis dahin müssen bundesweit rund 43 Millionen Führerscheine gegen neue Führerscheinkarten eingetauscht werden. Für die allermeisten Führerschein-Inhaber besteht jedoch noch keine Eile, ihren alten Papierlappen oder ihre bisherige Plastikkarte abzugeben. Der Umtausch geschieht nach einem Stufenplan.

Führerschein umtauschen: Viele Betroffene wünschen sich Online-Antrag als Option

Nach dem Stufenplan richten sich die Fristen entweder nach dem Geburtsjahr oder nach dem Ausstellungsdatum.

Bei Führerscheinen mit Ausstellungsdatum bis 31. Dezember 1998 ist das Geburtsjahr des Fahrerlaubnis-Inhabers ausschlaggebend für die Frist:

Bei Führerscheinen mit einem Ausstellungsdatum ab dem 1. Januar 1999 gilt das Ausstellungsjahr des Führerscheins (nicht das Geburtsjahr des Fahrerlaubnis-Inhabers):

Statt Online-Antrag: Bürger müssen persönlich in die Führerschein-Stelle ihrer Kommune

Leicht macht die deutsche Verwaltung ihren Bürgern den Umtausch leider nicht: Sie müssen sich selbst darum kümmern. Nicht mal eine Benachrichtigung gibt’s. Zuständig für den Austausch des alten Führerscheins ist die Führerscheinstelle des Wohnorts.

Daher unterscheidet sich der Ablauf von Kommune zu Kommune. Vereinzelt bieten die Städte und Gemeinden Online-Portale an. Doch in vielen Kommunen ist eine Terminbuchung per Telefon bei der Fahrerlaubnisbehörde vorgesehen. Das vorherige Einreichen eines anlassorientierten Antrags scheide in vielen Fällen aus, schreibt das Verbraucherportal chip.de.

Ein alter Papierführerschein wird neben einen neuen Muster EU- Fuehrerschein im Scheckkartenformat gehalten.
Viele Menschen wollen am liebsten online ihren Führerschein umtauschen. Für manche Jahrgänge drängt die Zeit. © Andreas Gora/imago

Verwaltung ist mit Führerschein-Austausch ausgelastet: Vorrang haben betroffene Jahrgänge

Gerade jetzt sind viele Menschen aufgeschreckt, weil sie ihren Führerschein in eine moderne EU-Scheckkarte umwandeln wollen. Daher kann es zu erheblichen Wartezeiten kommen. In der Stadt Kassel haben nach Auskunft des Behördenleiters ohnehin zunächst die Jahrgänge 1953 bis 1958 Vorfahrt. Deren offizielle Frist lief ursprünglich am 19. Januar 2022 aus - aufgrund der Corona-Pandemie wurde diese Frist aber bis zum 19. Juli 2022 verlängert. Verstöße gegen die Umtauschpflicht sollen laut Bundesverkehrsministerium aber vorerst nicht von der Polizei sanktioniert werden. Alle anderen Jahrgänge können sich noch Zeit lassen und sollten den betroffenen Jahrgängen Vorrang gewähren. Dann ist die Verwaltung weniger ausgelastet.

Und die betroffenen Jahrgänge? Die müssen einen Termin bei der Führerscheinstelle – oftmals telefonisch – buchen und warten. Für den Führerscheinumtausch müssen einige Unterlagen bereitliegen, die zum Termin mitgebracht werden müssen:

Führerschein-Umtausch ist kompliziert: Eventuell muss Abschrift angefordert werden

Probleme können Mobilisten begegnen, wenn die für sie zuständige Führerscheinstelle den aktuellen Führerschein nicht ausgestellt hat. Dann benötigen sie zusätzlich eine Karteikartenabschrift der ursprünglich ausstellenden Behörde. Dabei handelt es sich um einen Auszug aus einem Register, das sämtliche Fahrberechtigungen enthält.

Für diese Abschrift müssen die Führerschein-Inhaber aber nicht an den ehemaligen Wohnort zurückkehren. Stattdessen können sie diese Abschrift telefonisch, postalisch oder teilweise sogar online anfordern. Die Abschrift kann direkt an die neue Führerscheinstelle geschickt oder persönlich an diese weitergeleitet werden.

Der Umtausch selbst dauert circa acht Wochen, wobei dies vom Bundesland abhängt. Die neue fälschungssichere Scheckkarte ist zudem nicht kostenlos und muss fortan alle 15 Jahre ersetzt werden. Die Ausstellung kostet gut 25 Euro, bei Versand sogar mehr. (Paul Bröker)

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