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Weihnachtsgeschenke: Wie Eltern ihren Kindern mit Spielzeug schaden können

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Von: Caspar Felix Hoffmann

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Steigende Preise zu Weihnachten
Ein Überfluss an Spielsachen kann Kindern schaden. © Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

Die Deutschen geben jedes Jahr mehr Geld für Weihnachtsgeschenke aus, insbesondere für Spielzeug. Ein Überfluss an Spielsachen kann aber auch schaden.

Kassel – In wenigen Wochen ist Weihnachten. Und viele Eltern und Großeltern, Tanten und Onkel denken schon heute darüber nach, was sie ihren Kindern und Enkelkindern, Neffen und Nichten dieses Jahr schenken werden. Es wird ein Weihnachten sein in Zeiten von Energiekrise, Inflation und gestörten Lieferketten. Dabei geben die Deutschen jedes Jahr mehr Geld für Weihnachtsgeschenke aus, insbesondere für Spielzeug – wahrscheinlich auch in diesem Jahr. Ein Überfluss an Spielsachen kann Kindern aber auch schaden.

Wie viel Spielzeug ein Kind durchschnittlich besitzt, hat ein Spielzeughersteller in einer Umfrage in Großbritannien nachzählen lassen: Dabei ist man auf 238 Spielzeuge pro Junge oder Mädchen gekommen, wie der Telegraph im Jahr 2010 berichtete.

Weihnachten und Spielwaren: Schädliche Wirkungen von zu viel Spielzeug

Studien und Feldversuche deuten dem Spiegel nach auf schädliche Wirkungen von zu viel Spielzeug hin: Vollgestopfte Kinderzimmer schränkten die Kreativität ein, machten die Kinder hibbelig und seien schlecht für die Stimmung. „Es wäre aus mehreren Gründen vernünftig, wenn Eltern einen beträchtlichen Teil des Spielzeugs in den Keller oder auf den Flohmarkt bringen würden“, sagt Jens Junge, Hochschulprofessor und Spielzeugforscher, gegenüber der Zeitschrift.

Das Institut für Empirie und Statistik der FOM Hochschule für Ökonomie und Management hat zudem das Einkaufsverhalten der Menschen in Deutschland in Bezug auf Weihnachtsgeschenke untersucht. Die Wissenschaftler haben dabei unter anderem die durchschnittlichen Pro-Kopf-Ausgaben für Weihnachtsgeschenke ermittelt:

JahrAusgaben
2019475 Euro
2020499,50 Euro
2021522,10 Euro

Zu viel Spielzeug im Kinderzimmer: „Fünf bis sieben Spielzeuge“ reichten aus

Befürworter des Prinzips „weniger ist oft mehr“ können sich zudem auf einige weitere wissenschaftliche Studien stützen: Beispielsweise hätten Forschende der University of Toledo im US-Bundesstaat Ohio 36 Kinder einzeln in einen Raum mit viel und in einen mit wenig Spielzeug geführt. Dabei seien sie zum gleichen Ergebnis gekommen wie andere Forschende vor ihnen: Dort, wo das Angebot verknappt sei, werde fokussierter und kreativer gespielt.

Junge empfiehlt dem Spiegel zufolge, nur „fünf bis sieben Spielzeuge“ im Kinderzimmer zu belassen – und den Rest einzulagern. Anschließend könnte man regelmäßig austauschen. Dies schaffte „neue Anreize“ und hälfe, nicht dauernd abgelenkt zu werden.

Kinder durchlebten Entwicklungsphasen zudem ganz unterschiedlich. Eltern sollten diese Phasen sensibel wahrnehmen und die Nutzung von Spielzeug beobachten. „Spielzeug sollte animieren, gewollt sein und wertgeschätzt werden“, sagt Junge. Eine „Geschenkeflut“ führte aber wohl unweigerlich zu einer völlig überzogenen Erwartungshaltung.

Außerdem käme es nicht nur auf die Menge, sondern auch auf „die richtige Mischung“ an, sagt der Spielzeugforscher. Es sei falsch, Kindern ständig neue Autos zu kaufen, aber niemals ein Puzzle oder Memory anzubieten, das man dann gemeinsam spielen könnte.

Kinder richtig loben

Nicht nur zu viel Spielzeug kann Kindern schaden: Viele Eltern legen Wert darauf, ihre Kinder oft zu loben – aber auch das kann die Entwicklung eines Kindes beeinträchtigen.

Weihnachten und Spielzeug: „Sehr viel Schund auf dem Markt“

Auch der Pädagoge Volker Mehringer kann einer Angebotsverknappung etwas abgewinnen, wobei nicht alle Kinder gleich auf ein vollgestopftes Zimmer reagierten. Einige könnten sich inmitten übervoller Regale noch immer konzentrieren, andere drehten bei deren Anblick „total durch“, berichtet der Spiegel.

Mehringer halte es für wichtiger, über Qualität statt über Quantität zu reden. Es gäbe zweifellos Spielzeug, das den Kindern viel Kreativität abverlange und ihnen hälfe, in der Welt anzukommen. Zur Wahrheit gehöre aber auch, dass sehr viel Schund auf dem Markt sei – und sich einige Eltern allzu sehr davon leiten ließen, was ihrem eigenen Geschmack und Weltbild entspräche, sagt Mehringer gegenüber dem Spiegel. (cas)

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