Kritik von Datenschützern

Fingerabdruck im Personalausweis wird Pflicht - Diese Änderungen kommen auf uns zu

Im Jahr 2021 wird der Fingerabdruck im Personalausweis zur Pflicht. Datenschützer kritisieren das neue Gesetz. Aber auch im Reisepass soll sich künftig etwas ändern.

  • Ab dem August 2021 herrscht Fingerabdruck-Pflicht im Personalausweis.
  • Datenschützer sehen in dem neuen Gesetz große Gefahren für die Privatsphäre.
  • Auch der Reisepass und Kinderreisepass sind von Neuerungen betroffen.

Kassel - In den kommenden Jahren soll es einige Änderungen zum Personalausweis geben. So sollen unter anderem die Gebühren für eine Neubeantragung steigen sowie der Fingerabdruck zur Pflicht werden. Dies hat der Bundestag am Donnerstag (05.11.2020) beschlossen.

Neues Gesetz soll den Personalausweis vor Fälschungen schützen

Bereits ab August 2021 müssen neu ausgestellte Personalausweise zwei Fingerabdrücke enthalten. Mit diesem Beschluss setzt der Bundestag europäisches Recht um. Bislang war die Speicherung des Fingerabdrucks freiwillig.

Vier Jahre später, im Mai 2025, sollen zudem neue Vorgaben für Passbilder in Kraft treten. Diese müssen dann ausschließlich digital erstellt und auf sicherem Weg an die Passbehörde überreicht werden. Eine andere Möglichkeit wäre auch, die Passbilder direkt vor Ort machen zu lassen. Ausgedruckte Fotos vom Fotografen dürfen jedenfalls nicht mehr genutzt werden. Diese Maßnahmen sollen den Personalausweis künftig effektiver vor Fälschungen schützen.

Fingerabdrücke im Personalausweis: Datenschützer kritisieren das Gesetz

Der Verein Digitalcourage, der sich für Datenschutz und ungehinderte Kommunikation einsetzt, befürchtet jedoch unangemessene Überwachungsstrukturen. In einer offiziellen Stellungnahme äußert sich der Verein zu dem Gesetz und betont, dass die Erfassung hochsensibler biometrischer Daten im Personalausweis, wie etwa Fingerabdrücke, in keinem Verhältnis zu den selten Fällen stünde, in denen Ermittlern damit wirklich geholfen werden könne.

Darüber hinaus sieht Digitalcourage in dem Gesetz langfristige Gefahren für IT-Sicherheit und Privatsphäre. So machen die Datenschützer unter anderem darauf aufmerksam, dass Fingerabdrücke von vielen Menschen als Schlüssel beziehungsweise Passwörter für Smartphones genutzt werden.

Personalausweis wird nach neuem Gesetz teurer

Wie das Bundesinnenministerium mitteilt, wird der Personalausweis statt 28,80 Euro ab dem kommenden Jahr 37 Euro kosten. Dafür entfallen nach dem neuen Gesetz die Gebühren für eine nachträgliche Aktivierung der eID-Funktion sowie für eine Neufestsetzung der Geheimnummer und die Entsperrung des elektronischen Identitätsausweises.

Für diese Leistungen fallen derzeit jeweils noch Gebühren in Höhe von 6 Euro an. Der Entfall dieser Kosten soll die Verbreitung und Nutzung der Online-Ausweisfunktion stärken, so das Bundesinnenministerium weiter.

Ab August 2021 wird der Fingerabdruck im Personalausweis zur Pflicht. (Symbolfoto)

Nicht im Personalausweis, aber im Reisepass: Weitere Geschlechtsangabe dank Gesetz nun möglich

Neben dem Personalausweis ist auch der Reisepass von Neuerungen betroffen: Menschen, die sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen, können in Zukunft dank dem neuen Gesetz ein „X“ im Reisepass statt einem „M“ für Mann oder einem „F“ für Frau tragen. Diese Änderung soll so schnell wie möglich in Kraft treten - womöglich noch in diesem Jahr.

Wer sich bei den deutschen Behörden als divers oder ohne Geschlecht hat registrieren lassen, kann im Pass aber auch weiterhin an der bisherigen Geschlechtsangabe festhalten. So sollen mögliche Diskriminierungen im Ausland verhindert werden.

Kinderreisepass: Biometrie wie beim Personalausweis - So bleibt die Gültigkeit trotz dem Gesetz bestehen

Doch auch der Kinderreisepass bleibt nicht von Änderungen verschont. So erklärt der Bundesrat in dem Gesetzentwurf, dass Kinderreisepässe nun nicht mehr sechs Jahre, sondern nur noch ein Jahr gültig sein sollen. Es bestehe nach dem neuen Gesetz allerdings die Möglichkeit, die Geltungsdauer um jeweils ein Jahr zu verlängern.

Sollte ein Kind jedoch bereits über einen biometrietauglichen Pass, ähnlich wie beim Personalausweis, verfügen, bleibt die sechsjährige Gültigkeit bestehen. (Nail Akkoyun)

Rubriklistenbild: © Peter Endig/dpa

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