Gesundheit

Vitamin D als Corona-Wundermittel – Experte räumt mit Mythen auf

Vitamin D Tabletten
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Vitamin D gilt als Wundermittel bei der Bekämpfung einer Corona-Infektion. Neben natürlichen Quellen gibt es auch künstliche Ergänzungsprodukte. Ein Experte erklärt, was es damit tatsächlich auf sich hat. (Symbolbild)

Vitamin D gilt als Wundermittel bei der Bekämpfung einer Corona-Infektion. Ein Experte erklärt, was es damit tatsächlich auf sich hat.

Kassel – Die Meldungen, die Einnahme von Vitamin D würde vor einer Infektion mit Corona schützen, häufen sich. Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt eine Vitamin-D-Behandlung. Laut RKI legen klinische Studien nahe, dass es Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf bei einem Mangel des Vitamins gebe. Einen tatsächlichen Zusammenhang gibt es aber bisher nicht.

Laut Martin Smollich, Leiter der Arbeitsgruppe Pharmakonutrition am Institut für Ernährungsmedizin des Universitätsklinikums Lübeck, sei das nur eine Hypothese. Einen klaren Zusammenhang zeigten die Studien nicht. Dennoch erhöhe ein Vitamin-D-Mangel das Risiko für Infekte, vor allem für die Atemwege.

Corona: Vitamin D gegen Sars-CoV-2? Experte klärt Mythen auf

Wer also keinen Mangel hat, den würden Vitamintabletten nicht zusätzlich schützen, erklärt der Professor im Spiegel-Interview. Anders könnte es dagegen sein, wenn jemand einen nachweislichen Mangel an Vitamin D hat. Dann könnte der Zustand durch entsprechende Präparate ausgeglichen und das allgemeine Infektionsrisiko gemindert werden.

Vitamin D gilt als Wundermittel bei der Bekämpfung einer Corona-Infektion. Ein Experte erklärt, was es damit tatsächlich auf sich hat (Symbolbild).

Obwohl Studien zeigen, dass Menschen mit Covid-19 in Krankenhäusern häufig schlechte Vitamin-D-Werte haben, bestehe hier nach Smollich keine Kausalität. Menschen, die also aufgrund genetischer Veranlagungen einen niedrigen Vitamin-D-Spiegel haben, besitzen kein erhöhtes Risiko an Corona zu erkranken. Damit stützt sich der Experte auf Studienergebnisse.

Coronanvirus
KrankheitCovid-19
Erster bekannter Fall1. Dezember 2019
Erklärung zur Pandemie11. März 20200

Vitamin D als Wundermittel gegen Corona-Infektion? – Wissenschaftlich Belege fehlen

Dass Vitamin D unterstützend bei einer Corona-Infektion wirke, sei Smollich zufolge nicht bewiesen. Obwohl es in der Vergangenheit immer Studien zu Vitamin D im Zusammenhang mit Corona gab, die eine vermeintliche sensationelle Wirkung zeigten, mussten diese aber wieder zurückgezogen werden. Der Grund? Grobe statistische Mängel. „Trotzdem werden solche Studien immer wieder als Beleg einer vermeintlich heilenden Vitamin-D-Wirkung angeführt“, betont der Fachapotheker.

Die bisher größte seriöse Studie zum Einfluss von Vitamin D auf den Einfluss einer Corona-Infektion wurde im Februar dieses Jahres veröffentlicht. 240 Covid-19-Patienten erhielten entweder ein Placebo oder hoch dosiertes Vitamin D3. Das Ergebnis: Die Zugabe des Präparats erhöhte zwar den Spiegel im Blut, wirkte sich aber nicht auf die Sterblichkeit, Beatmungshäufigkeit oder Dauer im Krankenhaus aus. Dahingehend empfehlen medizinische Fachgesellschaften keine Verabreichung von Vitamin D3 an hospitalisierte Corona-Patienten.

Video: Gegen Vitamin-D-Mangel - Top 5 Lebensmittel mit hohem Gehalt

Corona und Vitamin D: Weitere Studien wichtig

Dennoch seien weitere Interventionsstudien laut Smollich wichtig. „Dadurch könnte man herausfinden, ob es nicht vielleicht doch ganz bestimmte Patientengruppen gibt, die von einer Vitamin-D-Gabe profitieren würden – möglicherweise zum Beispiel stark übergewichtige Menschen“, erklärt der Experte. Auch könnten andere Dosierungen wirksamer sein oder zu einem bestimmten Zeitpunkt erfolgen. Das müsse allerdings noch erforscht werden.

Grundsätzlich gilt: Vitamin D ist wichtig fürs Immunsystem. Vor allem in den Wintermonaten kann eine Vitamin-D-Supplementierung für Risikogruppe, etwa Heimbewohner oder stark übergewichte Personen, helfen. Das berichtet Stefan Pilz, Endokrinologe an der Universität Graz.

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Wer vermutet unter einem Vitamin-D-Mangel zu leiden, kann dies per Blutanalyse beim Arzt bestimmen lassen. Wer sich den Termin beim Arzt sparen will und trotzdem das Präparat nehmen möchte, dem empfiehlt Smollich im Spiegel-Interview eine Dosis zwischen 800 und 4000 Einheiten. Doch Vorsicht: Bei Überdosierungen können Nebenwirkungen wie Nierenversagen auftreten.

Im Kampf gegen Corona: Vitamin D kein Wundermittel

Vitamin D ist im Kampf gegen das Coronavirus also kein Wundermittel. Auch kann es nicht allein vor einer Covid-19-Infektion oder einem schweren Verlauf schützen. Vitamin-D-Experte Stefan Pilz betont gegenüber inFranken.de, dass Vitamin D nicht als „Allheilmittel“ betrachtet werden kann. Dennoch deuten Hinweise darauf hin, dass Menschen mit einer ausreichenden Versorgung seltener an Atemwegserkrankungen leiden und weniger schwere Corona-Verläufe haben. (Karolin Schaefer)

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